Kochbuch von Denis Cotter: For the Love of Food

Kochbuch von Denis Cotter: For the Love of Food ★★★★★

For the Love of Food
Denis Cotter, Fotos William Lingwood
HarperCollins (2011)

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die Einschätzungen könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Bei den Gourmand World Cookbook Awards ging nur ein Award auf die Britischen Inseln und nach Irland. Aus meiner Sicht kommen aber viele Kochbuch-Perlen von dort: Ottolenghi, Hugh Fearnley-Whittingstall, Harry Eastwood und viele mehr. Denis Cotter mit For the Love of Food darf bei der Aufzählung nicht fehlen.

Cotter ist Inhaber des Café Paradiso in Cork. Sein Clou für dieses Buch: vegetarische Küche, die den Gaumen so komplex betört, dass man die Augen schließt, um zu „horchen“, was da denn gerade alles auf den Geschmacksknospen passiert. (Als Köchin hat man Heimvorteil, aber das Wie ist aufregend.) Die Augen offen lassen, geht natürlich auch: Die Optik steht dem Gaumenerlebnis in Nichts nach. Und das auch noch: Seine vegetarischen Gerichte sind wunderbare Steak–Partner.

Die Rezepte verteilen sich auf die Kapitel Breakfast, Salad, Risotto, Soup, Mash, All wrapped up, Bowls, Oven, Sweetness. Das Erste, was an ihnen auffällt, sind die langen Zutatenlisten. Ups, dachte ich, da erwartet Dich ein mühsamer Einkauf. Nein, (fast) gar nicht, stellte ich mit der Zeit fest und verlor die „Schwellenlangst“ vor ihnen. Es befinden sich sowenig Exoten, so viel Selbstverständlichkeiten an Zutaten darunter, dass ich – Hüterin einer gut gefüllten Vorratskammer und nach dem Samstag-Wochenmarkt eines prall gefüllten Kühlschranks – einiges aus dem Stand kochen konnte. 
Cotter ist kein Lifestyle-Autor, sondern ein realistischer Koch. Es werden keine Gerichte angekündigt, die in vermeintlichen 10–20 Minuten kochbar sind. Aber auch keine, die Chefkoch-Attitüden an den Tag legen. Trotzdem: Zeit brauchen sie, schon allein um die Zutatenliste abzuarbeiten. Beim zweiten Mal erst ließen sie sich zügig nach einem langem Arbeitstag kochen.
Cotter führt alles bedenkend durch die Zubereitungsschritte, teilt seine Gedanken und Erfahrungen. Textlastig ist das Buch, etwas mehr Fotos, etwas größere Schrift wären die Finessen gewesen bei der sonst leserfreundlichen Gestaltung.

Aber das Ergebnis rechtfertigt die Arbeit: Seine Rezepte spielen gekonnt mit Aroma, Textur und Optik. Gleich das erste Rezept führte mir das vor. Spätsommer, ein langer Reisetag im Auto stand bevor. Im Gepäck ein Picknickkorb mit einem Couscous salad with fresh apricots, broccoli, feta und – das ist das i–Tüpfelchen – minted tomato dressing. Die Orangenzesten, Petersilie, Kreuzkümmel bereicherten bereits den Salat. Aber erst das Dressing aus getrockneten Tomaten, Minze, Paprika-Pulver, Cayenne-Pfeffer, Olivenöl ließ mich während der Pause vergessen, dass uns noch einige hundert Kilometer bevorstanden.

Erst eingelesen und dann eingekocht habe ich mich in das Mash–Kapitel: Leek & wasabi mash with oyster mushrooms and choi in coconut tamarind sauce, roast parsnip mash with sage–grilled portobello & caramelised red onion – aufregend. So schmeckte es dann auch. Hier war es wie bei den anderen Rezepten: Bei jedem habe ich einen Kniff dazugelernt, eine Idee in meine kulinarische Erinnerungs–Bibliothek übernommen: dass Mango und Sternanis sich lieben, dass frische Avocado und Aubergine eine wunderbare Kombination ergeben (cremig sind sie beide) und eine Mangold-Tomaten-Suppe immer Chili braucht.

For the Love of Food bringt alles mit, was ich mir als Köchin von einem Kochbuch wünsche. Die Zutaten könnten nicht bodenständiger sein, aber die Kombinationen nicht aufregender: beim Kochen UND Schmecken. Und – Denis Cotter bringt mich zum Lachen. Lässiger feinsinniger Humor wie z.B. hier in der Breakfast–Einleitung: „Don‘t worry; I‘m not here, having a Martha Stewart moment …“ hach, mehr davon.

For the Love of Food ist Cotters fünftes Kochbuch. Seine Buchidee? „The thing is, though, there is no concept.“ schreibt Cotter. Braucht er auch nicht. Hier schlägt das Herz in den Rezepten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2012

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