Kochbuch von den Reith-Schwestern: Café Schwesterherz

Kochbuch von den Reith-Schwestern: Café Schwesterherz ★★★★☆

Café Schwesterherz – Herzhafte und
zuckersüße Rezepte für jeden Tag
Gillian & Nichola & Linsey Reith
Fotos Helen Cathcart
Knesebeck Verlag (2015)

Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Beim Anblick des Covers sehe ich in Gedanken schon die Gäste um diesen opulent gedeckten Tisch stehen. An einem Glas Prosecco nippend und sich angeregt austauschend, was als Erstes genossen werden will. Das Ganze natürlich bei strahlendem Sonnenschein und mitten im Grünen.

So hatte ich vor Jahren zu einem Sommerfest im Freien eingeladen. Nach schweißtreibender nächtelanger Vorbereitung überschwemmte dann ein plötzlicher Wolkenbruch in Sekunden nicht nur Salate, Pasteten und Mousse auf der Tafel, wir alle trieften von Kopf bis Fuß. Das Fest fand ein jähes Ende. Das bleibt unvergessen in meinem Gastgeberin-Gedächtnis, aber trübt meine Freude an Festen nicht.

autorenfoto-portrait-gillian-nichola-linsey-reith-valentinasDrei Schwestern – ein Wunsch

Aktuell standen Kinder-, Ehemann und Oma-Geburtstage bevor. Dafür kam es mir wie gerufen, das ‚Café Schwesterherz‘ der drei schottischen Schwestern Gillian, Nichola und Linsey Reith (links ein Foto von ihnen). Schließlich soll es die erfolgreichsten Rezepte aus ihrem Café Three Sisters Bake enthalten. Aber kann eigentlich so etwas gutgehen: drei junge Frauen – auch noch Schwestern, die mitten auf dem Land in einem 1.000(!) Einwohner-Dorf nahe Glasgow ein Café betreiben?

Schon als Kinder bastelten die Schwestern mit Salzteig, mischten Zaubertränke, übten Blechkuchen zu backen und halfen gern im Süßwarenladen ihrer Großeltern, die neben allerlei Süßigkeiten auch selbstgemachte Karamellbonbons verkauften, ist zu lesen. Nach Schule, Studium und ersten Erfahrungen mit ‚vernünftigen‘ Bürojobs zog es alle Drei wieder zurück zu den Wurzeln.

Nichola erlernte das Bäckerhandwerk, Linsey wurde Köchin und Gillian arbeitete im Servicebereich eines Cafés in Glasgow. 2011 verwirklichten sie ihren Traum und eröffneten zusammen ihr eigenes Café. Mittlerweile unterstützt sie ein großes Team, denn neben dem Familienzuwachs bei Gillian und Nichola haben sie sich zusätzliche Aufgaben angelacht wie Catering, Hochzeitstorten, Lieferservice, Imbisswagen und Events zu stemmen.

kochbuch-cafe-schwesterherz-website-screenshot-valentinasVon Brunch über Brot bis Süßes

Es funktioniert also und das dokumentieren sie auch sehr anschaulich mit ihrem Kochbuch. Der Umschlag ist schön griffig gestaltet mit mattiertem Prägedruck, das Layout angenehm lesefreundlich. Doch lauert die Überraschung gleich beim ersten Durchblättern. Von wegen zuckersüß! In den einzelnen Kapiteln wird viel umfangreicher aufgetischt: Brunch, Salate, Suppen, Lunch, Brot, Mein Teller ist dein Teller, Dinner, Kuchen und Süßigkeiten.

Hach, und die schnurstracks meinerseits eingeklebten Post-it’s bei den interessantesten Rezepten nehmen kein Ende. Da kommt der Wassermelonen-Schafskäse-Minze-Salat bei 30 Grad im Schatten gerade richtig oder der Hähnchen-Mango-Raita-Salat liest sich schon erfrischend, bevor ich ihn überhaupt probiert habe. Und er ist tatsächlich skandalös gut.

Selbst die Kinder werden mit einbezogen, vom Babybrei aus Süßkartoffeln oder Pastinaken bis zum warmen Marmeladenbrot oder Bananenbrot (ein australischer Kuchen) ist für alle Geschmäcker und jede Tageszeit etwas dabei. Auch Bürobox-taugliche oder noch schöner: fürs Picknick geeignete Gerichte finden sich, sowie reichlich Vegetarisches. Auch Mezze-Gerichte findet die Leserin. Aufgelockert werden die Rezepte mit fantastischen Landschaftsaufnahmen der Fotografin Helen Cathcart und sympathisch-natürlich eingefangen: die Schwestern in Aktion.

kochbuch-cafe-schwesterherz-gillian-nichola-linsey-reith-inside-valentinasStimmig & praktikabel

Dazu das für mich immer wieder wichtigste: die meisten Rezepte sind abgebildet. Angerichtet auf Tellern und Platten, mit Besteck und an Tischen im Shabby Chic. Das vermittelt einen unkomplizierten und gemütlichen Eindruck. Zu jedem Kapitel erzählt eine der Schwestern ein Stück ihrer Geschichte. Ihre Wünsche: eine Wohlfühloase zu schaffen und dazu gutes Essen mit möglichst regionalen Produkten anzubieten.

Beim Nachkochen entpuppten sich die Rezepte als stimmig und äußerst praktikabel. Kein langer Einkaufszettel für die Zutaten, keine exotischen Lebensmittel. Gerade auch Gastgeberinnen mit wenig Zeit werden fündig. Ihnen empfehle ich das Sodabrot, das schnellste Brot, das ich je gebacken habe oder die scharfen Garnelen, schneller kann man nicht mal an der Currybude eine Wurst bestellen. Meine Ergebnisse sahen aus wie auf den Fotos – das spricht für die Authentizität des Buches. Einzig deutlich nachwürzen musste ich.

Rote-Bete-Quiche & Pastinaken-Suppe mit Apfel und Minze kommen noch

Bis hierhin bin ich wirklich zufrieden und es warten weitere Rezepte auf ihre Verwirklichung, wie die Rote-Bete-Quiche mit der göttlichen Paté (siehe unten: Lachssandwich mit Rote-Bete-Walnuss-Paté), die Pastinaken-Suppe mit Apfel und Minze oder der Zitronen-Blaubeer-Kuchen.

Ein durchweg schönes und liebevoll gestaltetes Kochbuch mit wohldosierten persönlichen Eindrücken der einzelnen Schwestern, deren Leidenschaft zum kulinarischen Unternehmertum führte trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Kulinarisch überzeugt das Buch mit Praktikabilität und Geschmack – von süß bis herzhaft findet die Leserin Inspirierendes – die Bandbreite der Rezepte ist beachtlich. Kurz: Die Feste dürfen kommen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2015

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