Kochbuch von Delphine de Montalier: Roh: 115 Rezepte – unverfälscht natürlich

Kochbuch von Delphine de Montalier: Roh: 115 Rezepte – unverfälscht natürlich ★★★☆☆

Roh: 115 Rezepte – unverfälscht natürlich
Delphine de Montalier, Fotos David Japy
AT Verlag (2014)
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Doris Brandl

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Wie passend zur Sommer- und Bikinizeit, dachte ich mir bei meiner Entscheidung für das Buch. Kalorienarm, gesund und sicherlich schnell gemacht, weil ja das Kochen entfällt und man im Sommer nach anderem strebt, als am Herd zu schwitzen. Überhaupt ist „Eating raw“ seit einigen Jahren wieder im Trend. Neu ist das nicht, aber neugierig bin ich schon.

Die Journalistin und Food-Stylistin Delphine de Montalier lebt in Frankreich, ist aber auch bei uns als Kochbuchautorin bekannt. Mit ihrem aktuellen Buch will sie ein wenig die Welt verbessern. Unsere Gesundheit, unser Körper und unser Planet liegen ihr am Herzen. Wobei sie betont, keine Rohköstlerin zu sein. Nur ein kleiner Schritt hin zum Besseren mit den entsprechenden Anregungen, alte Gewohnheiten zu ändern. Dabei sollen die Rezepte für sich allein überzeugen, begleitet nur von den appetitlichen Fotos der Gerichte. Keine Bilder einer glücklichen Gärtnerin, die sinnlich an der selbstgezogenen Möhre knabbert. Keine Anekdoten – nur reines Rezeptbuch. Und um uns den Schritt zum Besseren etwas zu erleichtern, sind ihre Rezepte nicht ganz streng nach den Richtlinien der Rohköstler. Deshalb gibt es auch Gerichte mit Fisch, Fleisch, Käse, Sahne oder Wurst. Sogar Kurzgebratenes findet sich.

Das Cover von ‚Roh‘ – grasgrün frisch und frech gestaltet – veranlasste meine bessere Hälfte spontan zu der zweifelnden Bemerkung: „Oh je, reicht nicht der Hype auf vegetarisch oder vegan? Nein, jetzt auch noch roh!“ Na, dem werd ich‘s schon zeigen, war ich überzeugt. Gleich aufgeschlagen und los geht’s.

Die Rezepte sind in die Kapitel Suppen, Salat, Saft, Fisch, Fleisch, kurz gegart, Homemade und Sweat eingeteilt. Es folgen praktische Tipps für Vorratshaltung, diverse Gerätschaften und Werkzeuge, die einem die Arbeit erleichtern, aber auch Alternativen damit nicht wegen der Rohkost die Küche neu ausgestattet werden muss. Weiter geht’s mit selbstgezogenen Sprossen, immer mit der Betonung darauf, wie reich naturbelassene Nahrung an Vitaminen, Spurenelementen und sonstigen Nährstoffen ist. Saisongemüse für den ökologischen Beitrag zum Erhalt unseres Planeten.

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Mit den guten Vorsätzen nun also auch einen Beitrag für unseren Planeten zu leisten und passend zu 32 Grad Außentemperatur, startete ich im Schweiße meines Angesichts mit den Suppenrezepten. Gibt es etwas Erfrischenderes als eine gut gekühlte Gazpacho oder eine Gurken-Minze-Suppe? Allein der Name hört sich doch schon kühlend an. Unglaublich, wie eine grüne Gurke im Mixer auf fast nichts mehr zusammen schrumpft. Leider gibt es in meinem Haushalt keinen Zentrifugen-Mixer, nur eine schnöde Küchenmaschine mit Mixer. Das heißt für die meisten Suppenrezepte: alles durch ein Sieb passieren. Von wegen – schnell gemacht! Und begeistert hat keine davon. Teilweise waren sie zu dickflüssig und womit sollen sie verdünnt werden – mit noch mehr Gurke??? Brühe geht ja nicht. Und geschmacklich fanden wir sie eher uninteressant.

Bei den Salaten kam mehr Begeisterung auf. Überraschende Geschmackserlebnisse durch häufige Zugabe von Ahornsirup. Selbst ein Tomatensalat wird dadurch interessant abgewandelt und gibt einen schönen Kontrast zu salzigen Speisen oder einem kräftigen Käse. Auch Zucchini als Carpaccio geht roh, wenngleich mir auch der Geschmack von gegrillter oder gebratener Zucchini besser gefällt. Rote Bete klitzeklein gewürfelt oder in ganz dünne Scheiben gehobelt ergänzen sich sehr gut mit Ahornsirup. Wie die grüne Gurke zu fast allen Salaten, verwendet Delphine de Montalier Ahornsirup am liebsten in fast jeder Vinaigrette. Das passt auch meistens, aber ein wenig Abwechslung wäre auch nicht schlecht.

Ich habe es wirklich probiert: Fleisch- und Fischrezepte roh! Aber die wichtigste aller Zutaten, der Geschmacksträger schlechthin, das Fett – mit dem ein Stück Fisch oder Fleisch erst zum Genuss wird, fehlte mir total. Edelstes Rinderfilet im Stück nur mit verschiedenen Pfeffersorten „mariniert“! Sorry, aber nach einigen Probebissen habe ich es aufgegeben und stattdessen in der Pfanne zu einem köstlichen Steak gebraten. Zum Glück finden sich auch Rezepte mit leicht gegarten Zutaten. Und damit kein wirklicher Rohköstler mitten in der Vorbereitung ausgebremst wird, sind alle echten Roh-Rezepte zur Schnellerkennung mit einem Logo „100% roh“ markiert. Zum Schluss finden sich noch sehr leckere ‚Homemade‘- Saucen und Dips. Unter Zuhilfenahme solcher Gaumenkitzel kann ich mich auch mit Rohem anfreunden. Oder als gesundes Mitbringsel statt Pralinen!

Zugegeben, ich bin kein Fan von Rohkost geworden, außer bei den Salaten. Die Suppen waren durchweg nicht mein Fall und bei Fisch und Fleisch bin ich bis auf ganz wenige Ausnahmen kategorisch: geht gar nicht! Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Die Rezepte sind stimmig und auch für Ungeübte kein Problem. Für Rohköstler sicherlich und für alle, die sich gelegentlich gesund und naturbelassen ernähren wollen, finden sich – wenn auch keine Highlights – so doch interessante und abwechslungsreiche Gerichte. Und dann sind da ja noch die ‚leicht gegarten‘ – für mich die besten Rezepte. Allerdings schnell gemacht ist hier kaum etwas. Einweichen, marinieren, schnippeln – alles braucht seine Zeit, auch ohne Kochen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2014

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