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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 27, 2017

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Kochbuch von Deb Perelman: Eine kleine Küche in New York ★ ★ ★

Kochbuch von Deb Perelman: Eine kleine Küche in New York
Rezension

Eine kleine Küche in New York – Das Kochbuch
zum weltweit erfolgreichen Blog Smitten Kitchen
Deb (Deborah) Perelman
Autorenfoto Elizabeth Bick
Berlin Verlag (2016)

DREI STERNE: Hat Stärken, aber überzeugte nicht ganz.

Annahita Von

Man sagt, die besten Partys enden in der Küche – klar, dass sich Hobbyköche und Gastgeber eine große und geräumige Küche erträumen, in der der Kochlöffel geschwungen und der letzte Dessert-Krümel am Ende des Abends genascht wird. Dass man aber auch mit beschränktem Platz und ohne Hightech-Schnick-Schnack auf Hochtouren laufen kann, beweist uns Deb Perelman, Autorin von Eine kleine Küche in New York und des berühmten Blogs The Smitten Kitchen, welcher bereits seit 2006 groß reden von sich macht. Dabei begnügt sie sich gezwungenermaßen mit einer Räumlichkeit, die manch Studentenwohnung wohl unterlegen ist …

The Smitten Kitchen – ein Blog, der es für mich persönlich unter die Top-5 geschafft hat. Einer derer, die sich in der Favoriten-Liste wohl fühlen und immer auch dann gerne zu Rate gezogen werden, wenn es nur Reste von Blumenkohl, Tomaten und Kichererbsen gibt – selbst damit vermag Frau Perelman uns an ein Gericht heranzuführen, das uns am Ende zufrieden macht. Und weil sie einfach so unheimlich gut darin ist, eine Brücke zu schlagen zwischen Gerichten, die für den Feierabend taugen und solchen, die auch gerne Gästen präsentiert werden dürfen, um mit „Aaaahs“ und „Ohhhs“ gepriesen zu werden, hat die Autorin es auch nicht schwer gehabt, einen Verleger zu finden für ihr Kochbuch, das ganz dem Stil des Blogs treu bleibt.

Eine Perfektionistin – in der Küche und im Web

autorenfoto-portrait-deb-perelman-foto-von-elizabeth-bick-valentinasDass jeder für sich mal Rezepte abwandelt und an seinen eigenen Vorratsschrank adaptiert, ist das Natürlichste der (Koch-)Welt. Ehrlich, so sollte es auch sein, denn wer will sich strikt an ein Rezept halten, ohne seiner eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen? Aber wenn jemand seine Erfahrungen wiedergibt und uns davon profitieren lässt, umso besser. Vor allem, wenn dieser Jemand so perfektionistisch ist und ein Gericht so häufig gekocht hat, bis es bis auf das letzte Quäntchen passt. Das zumindest behauptet Deb Perelman (Foto links) von sich selbst. Dass es ihr keine Ruhe gelassen habe, bis eine Prise Salz hier und ein Gewürz da ihren Weg in ihre persönlichen Anmerkungen gefunden haben. Und dass sie dies mit uns teilen wolle. Dass Leserfragen des Blogs sie zum Nachdenken bewogen haben und ihr so erst bewusst geworden sei, offen für Änderungen zu sein.

Auf den ersten Blick finde ich mich wieder in ihrem Blog, in den tollen, realitätsnahen, aber trotzdem irgendwie adrett wirkenden Fotografien. Ein Salat kann doch nicht so schön sein, oder? Als wäre jedes Körnchen Sesamsaat gemalt, als wäre die Unterlage aus rustikalem Holz eigens für ein Gericht ausgesucht worden – naja, das ist wahrscheinlich auch so – und als wäre der kleine, saftige Schokoladenkuchen zum Reinbeißen nahe! Foodstylist müsste man sein, dann könnte man den Lesern tatsächlich vermitteln, wie lecker ein Essen ist!

Eingeteilt in Frühstück, Salate, Vorspeisen (Sandwiches, Tarts und Pizzas), Vegetarische Hauptspeisen, Fisch&Fleisch, ein rieeeeesen Kapitel eigens für Desserts (mit Subkapiteln, welch Freude) und Partysnacks blättert es sich praktisch durch das Buch, zumal jedem Kapitel eine Auflistung der einzelnen Gerichte vorausgeht und wirklich jedes Rezept von einem Bild zum Knien begleitet wird. Ich denke mir, wenn Frau Perelman in ihrer 4-m2-Küche so etwas Leckeres zaubern kann, dann kann ich das auch! Denn die Bilder sind eben echt und unverfälscht, und selbst wenn die Buttercreme nun mal nicht perfekt glatt gestrichen wird und dabei trotzdem so hinreißend aussieht, dann darf ich das auch. Jawohl!

Eine Frage der Zeit – Fettspritzer auf jeder Seite

perelman-usWas nun aber so nett aussieht, soll auch schnell der Geschmacksprobe standhalten, also her mit den Zutaten und ran ans Werk! Bei mir waren es gleich drei Süßspeisen auf einen Streich, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte, was zuerst … Der Schokoladenkuchen „Klein, aber oho“ war kaum im Ofen, da musste Rotwein in den nächsten Schokoteig gerührt werden, um für die dreilagige Rotwein-Mascarponte-Torte Geschmack und Aroma zu zaubern. Mmmh, was hat es da geduftet in der Küche! Und dann waren die Karamellbonbons aus naturtrübem Apfelsaft schon in der Entstehung, denn mal ehrlich, bei der Fülle an Äpfeln im Herbst weiß man ja gar nicht, wohin mit der Ernte, und was gibt es da für eine bessere Ausrede? Man könnte denken, ich hätte den ganzen Tag in der Küche verbracht, aber dem war nicht so, denn durch die strukturierten Anleitungen und klaren Schritte ließ sich zügig arbeiten und während eins im Ofen war der Rest zubereiten. (Cover links: US-Ausgabe)

Vom Süßen erst so richtig angespornt, versuchte ich, mich für ein „echtes“ Essen zu entscheiden – also etwas, das sich nicht „Dessert“ schimpft. Ich glaube, meine Zuneigung für Süßspeisen ist ihrer Optik zuzuschreiben, Torten und Co sehen einfach hübsch aus, oder? Wenn das „normale“ Essen auch so schön aussähe, so rede ich mir ein, dann hätte ich auch viel öfter Appetit darauf! Und das schaffen die Gerichte in „Eine kleine Küche in New York“ auch wirklich! Sie machen mir Appetit, das Visuelle, der Name, die Zutatenliste und die Kompositionen! Nach jedem Umblättern denk ich mir „Das will ich machen“!, „Nein, das!“, „Oh, das aber auch!“. Keine Chance, bis auf die Fleischgerichte werden wohl alle Seiten des Buches früher oder später mit Fettspritzern befleckt sein …

Eines muss ich an dieser Stelle aber anmerken: Das Profil bleibt im Blog-Format. So, wie die Autorin uns in ihrem Blog an ihren alltäglichen Ereignissen und Bewegungsgründen teilhaben lässt, so gehen jedem Rezept viele Zeilen an privaten Anekdoten voraus. Trotzdem stört es nicht die Struktur, man kann einfach weiterspringen zum Rezept und sich über ihre Anekdoten später amüsieren. Für mich ein klasse Kochbuch, das berechtigterweise an dem Erfolg des Blogs anknüpft und Spaß beim Kochen verspricht!

Update: Die Rezension ging Dezember 2013 anlässlich der US-amerikanischen Originalausgabe online und wurde nun anlässlich der deutschsprachigen editiert. Diese weist einige Abweichungen des Küchenvokabulars in der Übersetzung auf wie z.B. Krümelzucker für „granulated sugar“, Weißmehl, Brotmehl (?) oder gelber Kürbis für „yellow squash“ (– gemeint ist gelbe Zucchini).

Das setzt sich fort im Hinblick auf die Anpassung hiesiger Gegebenheiten: Große Poblano-Paprikaschoten zum Beispiel gibt es hierzulande nicht, sondern meist nur recht kleine, ein Verweis auf Alternativen wäre schön gewesen. Schließlich wird die US-Maßeinheit Tasse (= Cup) idR alternativ zur Gramm-Angabe gemacht, was hilfreich ist, aber Verwirrung stiftet bei Lesern, die damit nicht vertraut sind.

Die Zubereitungsbeschreibung der Rezepte bewegt sich ebenso „freier“, wie es auch Deb Perelman im Original tut, aber Wortspielereien wie „geräumige Salatschüssel, Kakaokekse, ein Kotelett umwenden und brüchige Zucchinistreifen“ lesen sich nicht elegant und auch nicht eindeutig. Daher gehört das Buch nicht in die Hand von Anfänger, sondern Kennern. Wir vergeben daher 3 statt ursprünglich 5 Sterne. K.H.

Nachgekochte Rezepte:

Tomaten-Frühlingszwiebel-Shortcakes mit geschlagenem Ziegenkäse
Shortcakes sind in den USA zu jeder Tageszeit beliebt, deswegen gibt es sie nicht nur süß (der Klassiker sind Strawberry Shortcakes mit Schlagsahne), sondern mittlerweile auch herzhaft und am Besten mit Käse. Hier gibt es eine einfache und schnelle Variation mit sonnengereiften Tomaten, Frühlingszwiebeln und Ziegenkäse, der luftig wird durch das Unterheben geschlagener Sahne. Wer in seinem Garten eine Pracht an bunten Kirschtomaten wachsen hat, darf sich austoben, denn je mehr, desto besser. Diese kleine Vorspeise lebt von den Aromen und der Süße der Tomaten!

Junges gebackenes Wurzelgemüse in einer Sherry-Frühlingszwiebel-Vinaigrette
Was man nimmt an Wurzelgemüse, ist einem selbst und der Saison überlassen, aber wenn sie noch jung und frisch sind, kitzelt das Rösten eine feine süße Note heraus, die mit der Vinaigrette gut harmoniert. Und endlich finde ich meinen Liebling in einem Kochbuch: Quinoa! Kein Getreide, aber ein guter Ersatz, um aus einem Salat eine kleine Hauptspeise zu machen.

Krautsalat in Essigsauce mit Gurke und  Dill
Einfacher geht ein Krautsalat wirklich nicht, nur ein bisschen Zeit sollte man einplanen, damit das Kraut sein eigenes Wasser abgibt und sich mit der Marinade verbindet.

Pfannkuchen à la Pfefferkuchen
Auch als Dutch Baby in den USA bekannt, ist dies ein soufflierter Pfannkuchen, der im Ofen in einer gusseisernen Pfanne aufgeht und nach dem Herausnehmen ruhig wieder zusammenfallend darf. Mit Puderzucker bestäubt und – in dieser Version – mit dem herrlichen Aroma von Lebkuchen freute ich mich riesig über diesen Start in den Tag!

Karamellbonbons aus naturtrübem Apfelsaft
Selber Apfelsaft zu machen, dauert zwar, ist das Endergebnis aber allemal wert! Dieser wird bis auf ein Zehntel reduziert, dann gewürzt mit Zimt und einer Prise Meersalz, was den nötigen Kitzel beim Beißen bringt! Super und ein totaler Liebling!

Weißer Schokoladenpudding mit Brombeercreme
Ich muss gestehen, ich lasse meinen Pudding nie abkühlen, ich mag ihn lieber warm und cremig. Zucker kommt nicht viel hinzu, weiße Schokolade ist süß genug, aber der Ausgleich kommt erst richtig durch die Brombeercreme zustande. Egal, wie reif Brombeeren sind, mit ihrem Säuregehalt sind sie der perfekte Begleiter zu süßen Desserts.

Schokoladenkuche „Klein, aber oho“
Der Name ist Programm, denn klein mag er sein, aber oho! Saftig, warm, Schokolaaaaade pur! Meiner Meinung nach perfekt, genau so wie er war, zusammen mit kalter Sahne und frischen Beeren; meine Mitesser hätten aber gerne Nüsse im Teig gehabt …

Hamantaschen mit Rhabarber
Diese farbenfrohen kleinen Dreiecke musste ich einfach nachbacken! Kekse geformt wie kleine Hütchen und gefüllt mit einem schnell gemachten Rhababerkompott, das noch ein wenig süßer hätte sein können. Trotzdem lecker und vor allem hübsch anzuschauen!

Geschrieben im Dezember 2016