Kochbuch von David Lebovitz: My Paris Kitchen: Recipes and Stories

Kochbuch von David Lebovitz: My Paris Kitchen: Recipes and Stories ★★★★★

My Paris Kitchen: Recipes and Stories
David Lebovitz, Fotos Ed Anderson
Ten Speed Press (2014)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Kochbuchschreibende Foodblogger sind keine rare Spezies, doch David Lebovitz gehört zur ersten Generation dieser Gattung. My Paris Kitchen ist sein siebtes Kochbuch, ein rundum gelungener Band, der in der Küche und beim Schmökern viel Freude bereitet. Bloggende Nachwuchstalente könnten es schlechter treffen, als sich Lebovitz‘ humorvoll-pointierte Erzählungen und Rezepte als Vorbild zu nehmen.

Allein der Einband! Das Titelbild löst neben Speichelfluss ein spontanes „ja, ich will“ aus, eine Reaktion, die sich beim Lesen immer wieder einstellt. Zwiebelkuchen mit Anchovies und Oliven, dazu eiskegühlter Rose? JA. Zwiebelsuppe? ICH! Käsebrett? WILL. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Um auch den hartherzigsten Leser milde zu stimmen, finden sich zwischen den Foodpornos kleine Essays und hübsche Ansichten von Paris. Wer kann da noch non sagen?

Sagen wir also oui, und es wird keinen Grund geben, dies zu bereuen. Einzig die Rezeptauswahl setzt andere Schwerpunkte, als ich sie wählen würde (zu wenig Fisch, zu viel Schokolade), aber es dreht sich schließlich um seine, nicht meine Pariser Küche, und die hole ich gerne immer wieder mal zu mir nach Hause. Lebovitz schreibt, dass es eine Lesewonne ist, so erfahren wir Anekdoten zu den Eigenheiten der Pariser und Franzosen im allgemeinen, aber auch zum Leben als Amerikaner in Europa mit all seinen Klischees. Sehr sympathisch war mir seine Auseinandersetzung mit für ihn unaussprechbaren französischen Wörtern. Die wichtigsten wie Eichhörnchen (écureuil) und Haushaltswarengeschäft (quincaillerie) hat er mühsam erlernt, Nudeln (nouilles) hat er aufgegeben und isst nur noch frische Pasta (pâte fraîche).

My Paris Kitchen ist ein textlastiges Schwergewicht von über dreihundert Seiten, Rezepte findet man in den klassischen Kapiteln Appetizers, First Courses, Main Courses, Desserts und Pantry. Lebovitz isst und kocht beileibe nicht nur französische Küche, die Rezepte zeigen auch Einflüsse aus seiner amerikanischen Heimat – er war einst Koch im legendären Chez Panisse – und multikulturelle Einflüsse, wie man sie sicherlich in Paris findet.

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Straßensnacks von Galettes bis Merguez Fleischbällchen treffen auf klassische Hausmannskost wie Pariser Gnocchi, auch die Bistrotküche ist mit Gerichten wie Lauch in Vinaigrette oder Quiche gut vertreten. Wer die Karriere des Autors schon länger verfolgt, wird sich nicht wundern, dass die Desserts eine wichtige Rolle spielen und zu einem Großteil sehr schokoladenlastig daherkommen. Selbst an den Coq au Vin kommt ein wenig Kakao (nach Lebovitz war der Wunsch der Vater des Gedanken), und man muss ihm recht geben, die Soße ist ein Traum mit nur einem Hauch von Schokolade.

Rezepte aus diesem Band zu testen hat viel Spaß gebracht. Die Anleitungen sind durchweg perfekt, die Ergebnisse überzeugen, hier hat ein Gourmet gefeilt und experimentiert, bis alles stimmt. Wer diese Gerichte isst, wird daran erinnert, was wirklich gutes Essen ausmacht: man will jeden Happen genießen, man schwelgt und will nach dem Essen möglichst lange nichts anderes zu sich nehmen, um noch die letzte schwache Erinnerung an diesen Genuss zu bewahren. Sprich: dies ist Diätessen 😉

Wenn wir Diät im Sinne der griechischen Wurzeln dieses Wortes als Lebensstil verstehen, sicherlich. Denn Lebovitz‘ Pariser Küche beruht auf guten Zutaten, die mit Verstand und Liebe zubereitet werden und die eigene Küche und Lebensweise nur bereichern können. Für mich gibt es noch eine Reihe an Rezepten, die nach und nach auch unseren Tisch ziehren werden. Rilletes de Sardines will ich ausprobieren, besagte Zwiebeltart, Selleriewurzel-Remoulade, die Ententerrine mit Feigen, das Senfhühnchen, karamellisierte Schweinrippchen, belgischer Rindereintopf, um nur einige zu nennen.

Und vielleicht doch die ein oder andere schokoladige Verführung? Schokoladen-Mousse mit Salzbutter-Karamell oder Schokoladenterrine mit Ingwer-Vanille-Soße vielleicht? Oder doch lieber die Kaffee Crème Brûlée? Wie dem auch sei, die Inspiration wird mir als Leserin so bald nicht ausgehen, und wir dürfen hoffen, dass David Lebovitz eifrig weiter an neuen Rezepten arbeitet. Wer nicht auf bis zu seinem nächsten Buch warten will, schaut hier auf seinen Blog.

Ein Buch zum Verlieben. Ohne wenn und aber. Dafür mit viel Schokolade.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2014

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