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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 29, 2017

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Kochbuch von David Frenkiel & Luise Vindahl – Die grüne Küche: Smoothies & Co. ★ ★

Kochbuch von David Frenkiel & Luise Vindahl – Die grüne Küche: Smoothies & Co.
Rezension

Die grüne Küche: Smoothies & Co.
David Frenkiel & Luise Vindahl
Knesebeck (2016)

ZWEI STERNE: Begeisterung sieht anders aus.

Sabine Cikic Von

Smoothies – Ein Trend, der uns schon länger begleitet. Smoothies sollen gesund und lecker sein und uns zu einem gesünderen Lebensstil verhelfen, wenn wir sie denn in unsere tägliche Routine aufnehmen wollen. David Frenkiel und Luise Vindahl wollen uns dabei helfen.

Das Autorenpärchen (Foto unten) mit dem bekannten Blog Green Kitchen Stories hat bereits zwei Kochbücher vorgelegt. Mit Die grüne Küche eroberten sie uns im Sturm, auch Die grüne Küche auf Reisen wusste zu überzeugen. Auf welcher Schiene fährt nun Smoothies & Co.? Ich war gespannt.

Das Buch aus dem Knesebeck-Verlag kommt in einem küchenpraktischen Kleinformat daher, daneben gefallen mir auf Anhieb der feste Einband, das Layout und die gewohnt appetitlichen und farbenfrohen Fotografien David Frenkiels. Insgesamt 12 Seiten verwenden die Autoren darauf, uns Lesern die notwendigen Grundlagen zu vermitteln: welche Obst- und Gemüsesorten sind geeignet, wie werden Nüsse oder Pflanzenmilch vorbereitet bzw. selbst hergestellt, wie stehen sie zum Süßen, zu Superfood- und Proteinpulvern, zu Bio, in welcher Reihenfolge gibt man die Zutaten in den Mixer, und wie erreicht man die richtige Konsistenz. Alles in allem fühle ich mich hier gut aufgehoben und informiert. Es kann also losgehen.

Beim Studieren der Rezepte bin ich dann zunächst wirklich erstaunt, was hier als Smoothie getarnt angeboten wird. Beziehungsweise eigentlich umgekehrt: wo überall Smoothie drinsteckt, obwohl es gar nicht danach aussieht. Neben „normalen“ Smoothies wie dem „Einfachen Himbeer-Smoothie“ finden sich Rezepte für Frühstücksmüslis im Glas oder auch Desserts. Wie klingt z. B. „Hagebutten-Affogato mit Amarettini-Bröseln“ oder „Erdbeer-Nice-Cream mit Schoko-Quinoa-Birchermüsli“? Auch einige Rezepte für Säfte und Nussmus sind vertreten.

Smoothie ist was Püriertes

Salopp gesagt haben also alle Rezepte eine gemeinsame Basis, nämlich irgendwas Püriertes. Ich besitze einen Hochleistungsmixer. Ich hasse das Wort, aber wie sonst soll man auch einen Mixer nennen, der mit einem 3-PS-Motor bestückt ist und die ihm zugefütterten Zutaten mit bis zu 38.000 Umdrehungen pro Minute zerkleinert? Ich fühle mich also gut gerüstet. Trotzdem beginne ich mit einem Rezept, das eher in die Kategorie Dessert fällt und wofür ich den lieben Mixer gar nicht benötige (da ich bereits fertiges Nussmus im Kühlschrank habe). So konnte beim Chia-Himbeer-Pudding nicht viel misslingen und ich würde beim nächsten Mal höchstens für mehr Süße sorgen und evtl. auch die Kokosraspeln weglassen, war aber ansonsten von dem Rezept sehr angetan.

Doch mogeln ist nicht, die richtigen Smoothies müssen ja auch getestet werden. Und hier begann die lange Strecke der Frustrationen. Zumindest die von mir getesteten Smoothies bzw. Kreationen auf Basis von Smoothies konnten bei uns zu Hause niemanden begeistern. Mal waren sie wie der Gute-Nacht-Smoothie oder der Grüne Gazpacho-Smoothie nicht smooth genug (muss man vielleicht noch viel länger pürieren, als ich es oft getan habe?), oder aber, und das leider in wirklich fast allen Fällen: einfach nicht lecker genug. Und das war gar nicht nur meine Meinung.

Mit Smoothies & Co. ist dem Autorenpärchen David Frenkiel und Luise Vindahl leider kein großer Wurf gelungen. Trotz der umfassenden Informationen zur Theorie des Smoothieherstellens und der wunderbaren Fotos mangelt es dem Buch in der Praxis an Rezepten, die wirklich funktionieren und auch geschmacklich überzeugen. Sehr schade, aber leider wirklich kein Buch, das man haben müsste.

Nachgekochte Rezepte:

Grüner Gazpacho-Smoothie
Ein wirklicher Eyecatcher ist dieses grüne Gemüsepüree. Schmeckt wie erwartet sehr gemüsig und sehr gesund. Bei uns gab es diesen „Smoothie“, der von der Konsistenz eher an Babybrei erinnerte, als Zwischengang. Vielleicht kann man auch in die Richtung weiter experimentieren und den Brei z. B. gefroren als Granita servieren?

Langschläfer-Frühstück
Eine prima Idee: Man befülle abends ein Glas mit gesunden Frühstückszutaten (hier: Brombeeren, Joghurt, Haferflocken, Chia, Banane, Honig & Vanille) und schon hat man morgens das Frühstück fix und fertig im Kühlschrank stehen. Die Autoren schreiben, man könne diesen „Smoothie“ sogar ungeöffnet im Kühlschrank mehrere Tage vorrätig lagern. Nun ja, wenn es einen nicht stört, dass die Farbe bereits am nächsten Morgen ein eher unansehnliches Braun angenommen hat … davon schreiben sie leider nichts.

Bounty-Smoothie
Nach einem wunderbaren Kochgelage mit Freunden hat uns dieses Dessert fast den Abend ruiniert. Weder war der Kokos-Bananen-Smoothie irgendwie lecker (erstaunlicherweise noch nicht einmal bananig genug), nein, am schlimmsten war die Bitterschokoladensauce. Obwohl wir uns akribisch ans Rezept gehalten haben, trennten sich die Zutaten bereits im Kochtopf wieder (Kokosöl, Ahornsirup, Kakao). In einem zweiten Versuch haben wir dann nur die Hälfte des Kakaos verwendet, aber auch dann trennten sich die Zutaten nach einer Weile. Vor dem Zusammenschichten im Glas muss die Sauce offensichtlich vollständig auskühlen. Bei uns war sie noch lauwarm, was dazu führt, dass sie, als sie mit dem kalten Smoothie in Berührung kam, beinahe schokoladenartig fest wurde. Ganz bestimmt nicht wieder.

Gute-Nacht-Smoothie
Geschmacklich ist die Zusammenstellung der Zutaten okay, von der Konsistenz war allerdings niemand begeistert – die (zwar eingeweichten) Mandeln und die Leinsaat sind im fertigen Getränk einfach zu deutlich zu spüren, auch wenn man lange püriert.

Chlorophyll-Kur
Luise Vindahl schreibt, dass sie „hart darum“ kämpfen musste, dass dieses Rezept in das Buch aufgenommen wurde. Ich finde, sie hätte sich das sparen können. Ich bin wirklich ein ausgesprochener Saft-Fan, aber dieser Mischung hier fehlt einfach ein süßes Element. Ein klitzekleines bisschen Apfel oder Birne wäre doch wirklich angebracht gewesen, und der Saft wäre bestimmt immer noch hübsch grün gewesen.

Einfacher Himbeer-Smoothie
Wie sagte ein Mittrinker so schön: An diesem Smoothie ist ja so ziemlich alles falsch. Trotz der Datteln ist er zu sauer, trotz der verwendeten angegebenen „100 ml Wasser, falls erforderlich“ viiiiiel zu dick, trotz Hochleistungsmixer viel zu brockig (vermutlich waren es vor allem die Kokosraspeln und die vielen Himbeerkerne, die gestört haben), und dann auch noch eiskalt, weil die Himbeeren tiefgefroren verwendet werden. Auch später, nachdem die Himbeeren im Smoothie aufgetaut waren, hatte sich die Konsistenz nicht wirklich verbessert. Das „Getränk“ sah auch wirklich zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd so aus wie auf dem Foto, dazu hätte es vermutlich mindestens 0,5 l Wasser extra gebraucht.

Geschrieben im Mai 2017