Kochbuch von David Frenkiel & Luise Vindahl: Die grüne Küche für jeden Tag

Kochbuch von David Frenkiel & Luise Vindahl: Die grüne Küche für jeden Tag ★★★★★

Die grüne Küche für jeden Tag –
Schnell, gesund & vegetarisch

David Frenkiel & Luise Vindahl
Fotos: David Frenkiel
Knesebeck Verlag (2017)

Christiane Schwert

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ich muss zugeben, ich war misstrauisch. Zu healthy, zu lifestylish, zu superfoodig kam mir das neue Kochbuch des (schönen) dänisch-schwedischen Bloggerpaares Frenkiel und Vindahl daher. Auch der Veganisierung der Kochkultur bin ich publizistisch nun schon etwas überdrüssig. Ein erster Blick: auch hier die Allgegenwart der Avocado, und ein Hochleistungsmixer scheint für manche Rezepte durchaus von Vorteil. Und dann die Zutatenlisten. Na, ob sich die in jeden meiner Tage integrieren lassen …

Auf der anderen Seite des Misstrauens steht die begeisterte Valentinas-Rezension des Erstlingswerks – und die einladende Optik des schönen Buches. Die Fotografien des gesamten Bandes sind vom Autor, David Frenkiel, selbst. Einige sehr persönlich: die mit dem dritten Kind schwangere Gattin am heimischen Herd oder Fotos der Kinder (unten ein Foto der Familie). Klar, hier werden natürlich nicht nur Rezepte, sondern ein Gesamtkonzept verkauft, das aber durchaus nett anzuschauen ist. Zumal auch die Food-Fotos opulent und mundwässernd sind.

So wähle ich, zugegeben zögerlich, erste Rezepte aus. Puh, bevor man ein gut klingendes Pastagericht servieren – und essen – kann, soll ich es mit Birnenschnitzen, Ziegenkäse, Hartkäse und gerösteten Walnüssen und, ups, fast vergessen, auch noch mit Salz, Pfeffer, Olivenöl und Balsamicoessig final pimpen. So viel sei vorab verraten: Dies ist mittlerweile eines meiner Lieblingsrezepte.

Leichtfüßig & undogmatisch

Zu einer Erbsen-Brokkoli-Suppe gibt es noch ein extra zuzubereitendes Linsen-Topping, serviert wird dann mit gerösteten Kürbiskernen, frischer Minze, Olivenöl, Salz/Pfeffer und geröstetem Knoblauchbrot. Hört sich eigentlich lecker an, doch wer hilft mir nach Feierabend beim Kochen? Oder ein aus 16 Zutaten bestehendes Kokoscurry – und da sind die fünf Zutaten fürs Servieren noch nicht dazu gerechnet!

Folgt man einer der Grundideen dieses Buches, dann hat man, wie im Kapitel Basics aus dem Kühlschrank vorgeschlagen, einfach manche Dinge schon vorrätig. Man kocht leckere Tomatensauce vor oder hat bereits fertig gegarte Quinoa oder Linsen oder bereits ausgequollene Chiasamen im Kühlschrank. Und zur Not tut es auch mal ein gutes fertiges Pesto oder ein gekaufter Hummus.

Das gefällt mir, wie überhaupt der leichtfüßige, undogmatische Umgang mit verschiedenen Alternativzutaten: Häufig werden vegane, nuss- bzw. glutenfreie Varianten der einzelnen Gerichte vorgeschlagen. Anstelle von Naturjoghurt kann man pflanzlichen Joghurt nehmen, Eier durch Chiasamen ersetzen, statt Honig Ahornsirup nehmen oder weiche Datteln pürieren, für nussfreie Varianten Kürbis- oder Sonnenblumenkerne verwenden. Oder statt Bohnen-Fettuccine eben auch stinknormale Hartweizennudeln kochen.

Ein Hoch auf die Toppings

Es ist eine mediterrane, orientalische, ja überhaupt eine irgendwie moderne, smarte Küche, die mich voll anspricht. Nachdem ich einmal im Kochflow bin und die Art zu kochen kapiert habe, will ich ziemlich viele Gerichte aus dem Buch nachkochen. Und merke, es fehlt ein, besser ganz viele, Lesebändchen. Und tatsächlich fällt es mir schließlich richtig schwer, drei Rezeptfavoriten zu küren.

Und auch eine der zunächst eher als lästig empfundenen Ideen dieses Buches habe ich schließlich recht liebgewonnen: Zum Servieren gibt es gern verschiedene Toppings, die schon mal an die fünf Komponenten umfassen können. Doch die Gerichte bekommen gerade dadurch oft einen besonderen Drive. Überhaupt sind geröstete Nüsse und Kerne eine häufig verwendete – und von mir bisher völlig unterschätzte – Zutat.

Mein erster Eindruck wurde durch die nachgekochten Rezepte bestätigt. Da viele Gerichte aus mehreren Komponenten bestehen, bedürfen sie schon einer kleinen Planung. Und sind nicht unbedingt after-work-tauglich. Allerdings entschädigen die Ergebnisse für den Mehraufwand voll und ganz. Die Gerichte sind oft besonders und durchbrechen aufs Köstlichste den Kochalltag und die eigenen eingefahrenen Essgewohnheiten. Es ist eine echte Feel-Good-Küche, die ich wirklich jeden Tag essen, wenn auch nicht kochen, könnte!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2018

Meistgelesen

Themen A-Z