Kochbuch von Daniel Schimkowitsch: Ein Blech. Kein Stress.

Kochbuch von Daniel Schimkowitsch: Ein Blech. Kein Stress. ★★★☆☆

Ein Blech. Kein Stress. 100 geile Rezepte
Daniel Schimkowitsch
Fotos: GVO Media Gregor Ott
Neuer Umschau Buchverlag (2017)
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Maria Kufeld

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Heutzutage darf alles optimiert und effizient sein. Sehr gern auch das Kochen. Kein Wunder, dass „Simplify your (cook)life“-Bücher boomen. Eines davon ist „Ein Blech. Kein Stress. 100 geile Rezepte.“ Alles vorbereiten, ab in den Ofen und fertig ist das Hauptgericht. Wenn doch alles so einfach wäre …

Wer wenig Zeit hat und trotzdem selbst kochen möchte, freut sich über einfache Kochbücher. Einmal alles geschnibbelt, bereitet sich das Essen fast wie von selbst zu. In der Zwischenzeit widmet man sich der Familie, einem Buch oder seinen Gästen. Die Idee mag ich immer. Denn so gern ich oft koche, so sehr schätze ich freie Zeit. Also her mit dem Backofenwunder.

Das erste Buch von Koch Daniel Schimkowitsch (Foto links) sollte kein Angeber-„Chefbuch“ werden, sagt er, sondern machbare Gerichte mit besten Produkten verbinden. In ihrer Zubereitung „mal rustikal, mal edler, mal etwas aufwendiger, mal ganz einfach“. Der erste Eindruck bestätigt das. Und vier Kapitel kommen auffallend übersichtlich daher. Aber zu „Mix and Match“, „Work hard – eat hard“, „Hot and Sweet“ und „Dip it in“ passt auch irgendwie vieles.

Das erste Kapitel hat mal Frühstück wie gebackene Eier im Angebot oder Beilagen wie gerösteten Radicchio oder Avocado. Bei „Work hard – eat hard“ kommen handfeste Gerichte wie geschmorte Hühnerkeulen, Klassiker wie Lachs auf Spinat oder Interessantes wie Schweinerippen mit Spitzkohl und Himbeeren vor. „Hot and Sweet“ überrascht dagegen mit Rezepten à la gebackener Bananen, Bratapfel oder Quarkauflauf weniger. Maximal das Matcha-Yuzu-Tiramisu sticht hier nicht nur farblich heraus. Die gemischte kurze Kategorie „Dip it in“ erfreut auf vier Seiten den verwöhnten Foodie dagegen wieder mit einem Rotwein-Cranberry-Dip und einem scharfen French Dressing mit japanischer Mayonnaise, Bonitoessig und Shisokonzentrat.

Mit Blech und Auflaufform auf Weltreise

Auf eine Länderküche lässt sich hier nichts runterbrechen. Das Buch reist mit der Auflaufform und dem Backblech einmal um die ganze Welt. Das erkennt man nicht zuletzt an exotischen Zutaten wie balinesischem Bumbu-Curry oder Chiapella-Salami und ungewöhnlichen Kochtools wie Zedernholz oder Bananenblättern.

Die gewollt roughe Optik mit dunklen, kontrastreichen Bildern, tätowierten Männerarmen und dem großen Messer als Logo passt unbewusst zu dem recht fleischlastigen Buch. Klar bieten sich diverse Schmorgerichte von Rind und Wild an, genauso wie das obligatorische Pulled Pork. Toll auch einige Fischgerichte, die sich zwischen gratinierten Jakobsmuscheln mit Edamame und gebackenen Sardinen bewegen. Vegetarier kommen dagegen kaum auf ihre Kosten und werden mit wenig Überraschendem wie Spinat-Tortilla, gefüllten Champignons oder Fenchel-Gratin abgespeist.

Fleisch ist sein Gemüse

Das mit dem Gemüse ist bei „Ein Blech. Kein Stress“ manchmal eh so eine Sache und garantiert dem Konzept geschuldet. Uns hat die gesunde Beilage vor allem bei den Lammhaxen gefehlt, die sich mit einer Dose Tomaten zufriedengeben mussten, und dem „Porc au Vin“, dessen mitgeschmorte Karotte, Selleriestange und Champignons logischerweise nichts Knackiges, Frisches mehr hatten. Mit doch noch etwas Grünzeug extra oder einem Salat wäre die Sache wirklich rund gewesen.

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Daniel Schimkowitsch bei Instagram

Restaurant  L.A. Jorda

Ein wichtiger Hinweis: Im Inhaltsverzeichnis weist Schimkowitsch freundlich darauf hin, dass die Mengen auf den Bildern nicht immer mit den Rezeptmengen übereinstimmen. Ich als Gasofen-Geplagte habe mich außerdem gefreut, dass es keine Niedriggarmethoden-Rezepte gab, die ich mit meinem Geht-direkt-bei-150-Grad-los-Exemplar hätte auslassen müssen. Und obwohl ich auch keine Umluftfunktion habe, ging kein Gericht mit angepasster Gradzahl schief.

Welche Infos allerdings komisch dargestellt sind, weil schlecht lesbar, sind die Zeit- und Personenangaben. Bei den vier Xen und den Ziffern 1 bis 8 muss man genau hingucken, was eher grau, was eher schwarz ist. Dann fehlt auf einmal eine Ziffer ganz. Gar keinen Sinn macht leider auch das Rezeptregister. Nur ein Beispiel: Zwei Hühnchengerichte, das „Gefüllte Brathendl“ und das „Platte Huhn aus der Toskana“, findet man jeweils unter G und P, aber nicht unter H …

Kein Stress dank einem Blech. Der Plan geht auf. Und von schnellen Klassikern wie konfierten Garnelen bis zu ungewöhnlicheren Wow-Gerichten à la Quinoa Chicken mit Kidneybohnen, Mais und Avocado können sich bequeme Genießer einmal wunderbar durch das Buch kochen. Ob die Rezepte „geil“ sind, sollen andere entscheiden. Ich war nicht immer begeistert. Insgesamt sicher eine Buchbereicherung für Fleisch- und Fischesser. Anspruchsvolle Vegetarier und Naschkatzen werden dagegen enttäuscht sein.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2018

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