Kochbuch von Cornelia Poletto: Polettos Kochschule

Kochbuch von Cornelia Poletto: Polettos Kochschule ★★★★☆

Polettos Kochschule
Mein neuer Grundkurs für Einsteiger
Cornelia Poletto, Fotos J-P. Westermann
Zabert Sandmann Verlag (2010)
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Katharina Höhnk

Von

Viviane aus Koblenz, Foodbloggerin Alice aus Unterschleißheim und Foodblogger Michael aus Rodenbach nahmen Cornelia Polettos Neuerscheinung Mein neuer Grundkurs für Einsteiger mit in ihre Küche. Sie stöberten in der Rezeptsammlung ausgiebig, kochten jeweils drei Rezepte daraus und beantworteten schließlich meine fünf Fragen. Sehr spannend!

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

aliceDas Kochen zählt seit ca. 10 Jahren (seit ich nach München gezogen bin) zu meinen größten Hobbys. Ab diesem Zeitpunkt begann auch meine Kochbuchleidenschaft. Kochbücher werden von mir meist auf 2 Arten verwendet, 1. Ich suche mir Rezepte nach den Zutaten, die ich gerade im Hause habe aus und 2. Wenn Feierlichkeiten anstehen, werden spezielle Gerichte und Menüs aus verschiedenen Büchern ausgewählt. Manchmal lasse ich mich aber auch spontan von den Fotos inspirieren und muss das Rezept einfach nachkochen.

michaelMein erstes bewusstes Kocherlebnis hatte ich mit sechs Jahren. Ich stapelte Mutters drei dickste Kochbücher auf dem Boden und stellte mich darauf, um in einer Pfanne auf dem Herd eine Scheibe Bauernbrot zu rösten. Das war vor 45 Jahren. Wirklich ernst mit dem Kochen wurde es 1984, als es mich für viele Jahre nach Brasilien verschlug. Die Sehnsucht nach deutschem Essen, aber auch die Neugier nach neuen, bislang unbekannten Speisen sorgten für einen Grundstock an einschlägigen Kochbüchern. Reisen in fast fünfzig weitere Länder, von denen ich viele schätzen und lieben gelernt habe, liessen den Stapel an Kochbüchern vom Erdgeschoss bis in den zweiten Stock anwachsen. Oft koche ich mich durch die Stockwerke, ab und zu aber, da suche ich ein Rezept wie das vom gerösteten Bauernbrot.

vivianeIch koche seit ca. 12 Jahren. Da ich in meiner Jugend von meiner Mutter für das Wochenendbacken „missbraucht“ wurde, habe ich leider erst recht spät den Zugang zum Kochen gefunden. Heute hat Kochen für mich einen deutlich höheren Stellenwert als Backen.
Aus diesem Grund stehen mittlerweile wohl auch mehr Koch- als Backbücher in meinem Bücherregal. Kochbücher sind für mich auch Lesebücher. Mitunter stapeln sich Kochbücher neben meinem Bett, da werden die Rezepte vor dem Schlafen schon mal wie Romane gelesen, bei den interessanten Rezepten kommen kleine Klebezettel rein und am nächsten Abend wird beim Lesebändchen weiter gelesen.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

aliceAls ich Polettos Kochschule – Mein neuer Grundkurs für Einsteiger das erste Mal durchblätterte, habe ich mich schon direkt auf das Kochen gefreut. Bei manchen Rezepten habe ich mir aber so gedacht: “Und das soll ein “Einsteiger-Rezept” sein? Ich würde mich jetzt nicht als Kochanfängerin bezeichnen, aber bei manchen Gerichten, wäre ich persönlich etwas überfordert. Teilweise findet man Rezepte, wo die Zutatenliste schon recht lang und außergewöhnlich ist und man hier manchmal sicher Probleme hat die Zutaten zu beschaffen. Das Buch ist in 10 Kategorien (Salate, Gemüse, Hülsenfrüchte, Pasta, Fisch, Geflügel, Rind & Kalb, Schwein, Lamm, Mehl & mehr) aufgeteilt. Zu jedem dieser Abschnitte befindet sich ein sogenannter Grundkurs im Vorspann, welcher die Zubereitung der Rezepte vereinfachen soll. Gerade für Einsteiger finde ich diese Hinweise sehr hilfreich.

michaelMein erster Blick fällt auf das Inhaltsverzeichnis: Das Buch ist eingeteilt in 10 verschiedene Grundzutaten, von Salat über Fleisch und Fisch, Pasta und Gemüse bis zu Mehlspeisen. Jedes Kapitel beginnt mit einer doppelseitigen Einführung zum Thema, ergänzt durch mehrere Phasenfotos zu Vorbereitung oder verschiedenen Gartechniken.

Es folgen jeweils ein bis zwei Handvoll Rezepte, häufig gewürzt mit einem persönlichen Tipp der Sterneköchin, und hier und da einer Prise Variationsmöglichkeiten. Nährstoffangaben sucht man vergebens, aber wer Cornelia Poletto kennt, weiß dass sie Wert auf frische Lebensmittel und gesunde, leckere Rezepte legt. Die vielen frischen Gewürze und Zubereitungszeiten von nicht selten über einer Stunde lassen auf solide Rezepte einer gehobenen Küche schliessen. Diese sind oft italienisch beeinflusst, anspruchsvoll aber nicht abgehoben.

vivianeMein erster Eindruck war, dass die klar strukturierte Aufmachung dem Stil von Frau Poletto entspricht. Auch die Fotos, Schriftart und -größe haben mir sofort gefallen. Das Buch lässt sich gut lesen. Vor jedem Kapitel gibt es einen kurzen Überblick. Erstaunt war ich, dass es ein eigenes Kapitel für Hülsenfrüchte gibt.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

aliceIch habe mich für folgende drei Rezepte entschieden:
1) Pasta mit Balsamico-Linsen und Knusperschinken: Dieses Rezept ist einfach der Knaller. Wer wie ich ein Linsenfan ist, wird dieses Pastagericht lieben. Das Zusammenspiel der säuerlichen Balsamicolinsen und dem doch recht herzhaftem knusprigem Parmaschinken ist einfach phantastisch. Einfach, schnell, originell und total lecker.

2) Wirsingwickel mit Salsiccia und weißen Bohnen: Dieses Rezept habe ich mir bewusst ausgesucht, da es noch nie Wickel in meiner Küche gab und ich somit einer neuen Herausforderung gegenüber stand. Wie vorher bereits kurz erwähnt, sind die Zutaten ab und zu recht außergewöhnlich und in normalen Küchen nicht standardmäßig vorhanden. Demnach mussten Fenchelsamen, Salsiccia und Cannellinibohnen her. Nachdem alle Zutaten vorhanden waren, war die Zubereitung dank der Schritt für Schritt Anleitungen recht einfach, aber auch sehr zeitintensiv wie ich fand. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, den am Ende stand ein vorzügliches italienisch angehauchtes Abendessen auf dem Tisch. Auch der dezente Fenchelgeschmack ist hervorragend und das sagt jemand, der Fenchel überhaupt nicht mag! Auf alle Fälle ein Essen, mit dem man Gäste beeindrucken kann.

3) Toskanischer Apfelkuchen mit Pinienkernen: Zum Finale habe ich mich für den Apfelkuchen entschieden. Auch dieses Rezept hat mich vollkommen überzeugt, gerade deshalb, weil es kein typischer Apfelkuchen ist. Highlight sind die Pinienkerne, die während des Backens knackig braun und knusprig werden. Was mir am besten gefallen hat, ist, dass der Kuchen nicht so pappsüss ist und im Handumdrehen fertig ist.

michaelHähnchentopf mit Kichererbsen und Tomaten (Hülsenfrüchte), Entrecôte mit Sardellenbutter und Oliven (Rind & Kalb) und Mediterrane Bratkartoffeln (Gemüse), die mit grober italienischer Bratwurst (Salsiccia) abgerundet werden. Die Zutatenliste ist überschaubar, manche Zutaten muss man beim Feinkosthändler besorgen. Die Anleitungen sind ausführlich, die Zeitvorgaben realistisch. Das Fleisch ist jeweils sehr zart und saftig und die Gerichte schmecken angenehm gewürzt. Das Hähnchentopf – Rezept enthält einen unbedeutenden kleinen Fehler: die Menge Butter in der Zutatenliste stimmt nicht mit der Menge im Rezept überein. Außerdem fände ich einen Hinweis auf das Zitronen-Couscous aus Band 1 als Beilage angebracht.

Für ein geschmackvolles Rindersteak ganz entscheidend sind natürlich Rinderrasse und Aufzucht, die sich in der Fleischqualität niederschlagen. Da bin ich etwas pingelig, sorry. Leider finden sich zur Auswahl des richtigen Fleisches keine weiteren Informationen. Nach dem Anbraten wird die Garzeit im Ofen mit 20 – 40 min. bei 120 °C angegeben. Dies dürfte auf der Annahme beruhen, dass das Fleisch vorher Zimmertemperatur hat, da ansonsten die Steaks innen noch roh sind. Ich gehe aber davon aus, dass Frau Poletto im entsprechenden Fernsehkapitel detaillierter darauf eingehen wird.

vivianeIch muss leider an dieser Stelle gestehen, dass das erste Rezept aus dem Buch nicht von mir, sondern nach einer abendlichen Hungerattacke um ca. 20:45 Uhr von meinem Mann ausprobiert wurde. Dieser verschwand mit dem Kochbuch in der Küche und um 21:00 Uhr kam er mit einer köstlich duftenden Portion Spaghetti all‘amatriciana an den Esstisch zurück. O-Ton meines Mannes: “Eigentlich hätte ich dafür kein Rezept gebraucht, aber ich wäre nie alleine auf die Idee gekommen die Zutaten so zu kombinieren.“ Seit dem ist es „sein“ Blitzpastarezept und wurde schon mehrfach nachgekocht – genial einfach und genial lecker. Außer bei der Chilimenge haben wir uns noch nie an die Vorgabe gehalten, 2 getrocknete Chilischoten wären uns eindeutig zu scharf (dies könnte aber auch an unseren sehr scharfen getrockneten Chilischoten liegen).

Nachdem wir von diesem einfachen und deutlich familienfreundlichem Rezept überrascht waren, habe ich die Lamm-Lasagne ausprobiert. Die Zutaten habe ich halbiert, da wir nur zu zweit waren. Die Zubereitung ist schon etwas anspruchsvoller, wobei die Zubereitungszeit mit ca. 2 1/2 Stunden nicht zu unterschätzen ist. Diese Zeit habe ich trotz Kocherfahrung auch gebraucht. Dennoch wird sich sicherlich beim Kochen mit den vollständigen Mengenangaben die Zubereitungszeit nur unwesentlich erhöhen. Uns hat es geschmeckt, den Ricotta empfanden wir als etwas zu „mächtig“. Man sollte auch beachten, dass Minze auch in dieser Kombination u.U. nicht jedermanns Geschmack ist.

Da wir Petersilienwurzelpüree lieben, musste auch auf jeden Fall die Petersilienwurzelsuppe dran glauben. Die Suppe war lecker und einfach in der Zubereitung. Die Einlage aus Haselnuss-Thymian-Butter ist kräftig im Geschmack und sollte sparsam verwendet werden, um den feinen Geschmack der Petersilienwurzel nicht zu überlagern.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

aliceDas Cover des Buches finde ich ehrlich gesagt etwas altmodisch. In einer Buchhandlung würde es meiner Meinung nach nicht sehr auffallen, außer man sucht gezielt danach. Die Fotos und das Layout des Buches finde ich sehr gelungen und macht Appetit die Rezepte nachzukochen. Auch die Gestaltung der sogenannten Grundkurse ist mit den Abbildungen der einzelnen Zutaten meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt worden.

michaelDas Layout ist übersichtlich und klar. Die Rezepte beginnen mit einer Liste der Zutaten, der Ablauf ist ausführlich beschrieben. Jede Seite enthält ein bis maximal zwei Gerichte, dazu ein Farbfoto mit dem fertigen Ergebnis. Das Register listet sie alle auf, teilweise sogar doppelt in veränderter Schreibweise (Mediterrane Bratkartoffeln – Bratkartoffeln, mediterrane), was die Suche erleichtert. Die Fotos stammen vom Hamburger Jan Peter Westermann und fallen für seine Verhältnisse recht schlicht aus. Die Speisen sind im Wechsel mal ansprechend angerichtet, mal einfach nur in Bräter oder Pfanne in Szene gesetzt. Das häufig verwendete weisse Geschirr auf weisser Tischdecke verleiht dem Buch eine eher unpersönliche Note und kühle Distanz, die nicht so recht zum entspannt und fröhlich wirkendem Auftreten von Cornelia Poletto in ihrer Fernsehshow passt.

Das Buch selbst ist in hervorragender Qualität gemacht. Festes Papier, solide Fadenheftung und strapazierfähiges Hardcover sprechen für ein langes Kochbuchleben. Fehlt eigentlich nur das Lesebändchen zu einem echten Klassiker.

vivianeDas Buch ist klar gegliedert, die Fotos sind alle sehr gelungen und ansprechend. Negativ fand ich, dass obwohl ausreichend Platz auf einer Seite ist, trotzdem die Zutaten in der Reihenfolge fortlaufend aufgeführt waren und nicht wie bei den meisten Rezepten die Einzeltaten übersichtlich untereinander (z. B. S. 54). Da ich schon mal gerne die Zutaten vorab zum Einkaufen oder beim Kochen überfliege, erst recht, wenn ich das Gericht noch nie gekocht habe oder die Zutaten etwas umfangreicher sind, hätte ich mir hier eine durchgängig einheitliche Rezeptgliederung der Zutaten untereinander gewünscht. Der Außeneinband ist abwischbar und damit Küchentauglich. Auch die Bindung ist sehr solide, so dass sich auch nach Jahren der Nutzung keine Seite lösen wird. Da ich ein Anhänger von Lesebändchen bin, hätte ich mir auch bei „nur“ 185 Seiten ein Lesebändchen gewünscht.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

aliceIch finde Polettos Kochschule – Mein neuer Grundkurs für Einsteiger durchaus sehr gelungen und empfehlenswert. Es beinhaltet sehr leckere Rezepte, die auch gelingen. Zu kritisieren gibt es meiner Meinung nach die teilweise umfangreichen Zutaten der Rezepte – ich denke in ländlichen Gegenden hat man hier Probleme diese zu bekommen. Weiterhin finde ich die Bezeichnung Grundkurs für Einsteiger etwas verfehlt, da die Rezepte schon recht anspruchsvoll sind und man schon einiges an Kocherfahrung haben sollte.

michaelFernsehshow und Buch zusammen bieten für mich erst das, was der Titel des Buches verspricht. In der Fernsehshow zeigt Frau Poletto schon mal am Co-Moderator, wo Kotelettstrang und Hüfte liegen. Das Buch dagegen ist sehr sachlich, enthält nur die notwendigen Informationen. Richtig Spaß am Kochen lernen dürfte deshalb erst im Zusammenspiel mit der Fernsehshow aufkommen, in der viele weitere wichtige Einzelheiten aufgezeigt werden.

Gut gefallen haben mir die Rezepte, sie haben Charme und sind sehr ansprechend. Der Einsteiger lernt schnell, sich auch anspruchsvollere Rezepte zu erarbeiten. Und Fortgeschrittene werden sich nicht unterfordert fühlen und mit schmackhaften Gerichten belohnt.

vivianeEs ist ein gelungenes Koch, für Anfänger ebenso geeignet wie für erfahrenere Köche. Schon beim durchblättern fällt auf, dass die Rezepte im Laufe des Buches anspruchsvoller werden, so dass für jeden etwas dabei ist. Es ist sicherlich kein Grundwerk, dass das in keinem Bücherregal fehlen sollte, aber in Ergänzung zum im Oktober 2009 erschienenen Mein Grundkurs für Einsteiger auf jeden Fall zu empfehlen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2010

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