Kochbuch von Constance und Mathilde Lorenzi: Frozen Yogurts

Kochbuch von Constance und Mathilde Lorenzi: Frozen Yogurts ★★★☆☆

Frozen Yogurts
 – Erfrischende
Rezepte zum
Selbermachen
Constance und Mathilde Lorenzi
Christian Verlag (2014)

Mehr über den Kochbuch-Verlag

Annick Payne

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Constance und Mathilde Lorenzi sind zwei junge Pariserinnen, die es sich in ihrem Joghurtlädchen „it mylk“ zur Aufgabe gemacht haben, amerikanischen Frozen Yogurt mit französischem Twist zu servieren. Mit dabei, wenigstens im Buch, ist Mops Marcel, der durch mopsige Tipps wie „Sie können den Schokoladen-Frozen-Yogurt auch durch ein gekauftes Sorbet … ersetzen (S. 80)“ glänzt…

Für alle, denen Paris für eine Portion Eis in wenig zu weit weg ist, bietet das Buch der beiden Joghurt-Expertinnen die Möglichkeit, it mylk nach Hause zu holen. Ihr Buch „Frozen Joghurt“ beschränkt sich dabei nicht auf Eiskreationen, sondern ergänzt das Thema um weitere Joghurtgenüsse: Frozen Yogurts, Frozen Sandwiches, Joghurtkompositionen, Milkshakes & Lassis, Kuchen & Desserts heißen die Kapitel, die auf knapp 160 Seiten durchweg bebilderte Rezepte anbieten.

Kann man so viel zum Thema Joghurt sagen? Nicht wirklich. Die Seiten bleiben typischerweise elegant halb bis zweidrittel leer (als extrem nervig empfinde ich die permanent als Platzfüller wiederholte Information, wieviel von welchen Zutaten der Frozen Joghurt „nur“ enthält). Die meisten Rezepte sind Varianten einiger weniger Grundrezepte, positiv hervorzuheben ist, dass die Umsetzung wirklich sehr einfach ist. Wer einmal Frozen Joghurt gemacht hat, der wird diese Köstlichkeit in Zukunft aus dem Ärmel schütteln. Das Buch bewegt sich charmant zwischen Koch- und Lifestylegenre, die ausnahmend hübschen Fotos dominieren das bisschen Text.

Also eher Popkultur als kulinarische Offenbarung? Negativ fällt mir die Kombination der omnipräsenten Hinweise auf 0%-Fettgehalt mit dem Rückgriff auf künstliche Industrieprodukte auf, die Autorinnen scheinen u.a. eine große Schwäche für Schaumerdbeeren zu haben, die als Geheimwaffe wiederholt eingesetzt werden. Großzügig eingesetzt wird auch Agavensirup. Diese Art „gesunder“ Lebensweise ist Augenwischerei, zumal ich mich frage, wie ein Rezept mit 3 Eiern (Vanille Frozen Yogurt, S. 26) fettfrei sein kann. Vermutlich bezieht sich die große Null nur auf den fettfreien Joghurt, geworben wird hiermit wohl um die Zustimmung derer, die bei 3,5 % Fettgehalt im Joghurt Panik schieben. Und einen nicht unwichtigen Kritikpunkt möchte ich noch los werden: der Bucheinschlag ist eine haptische Katastrophe! Er lässt mich die wattierten Umschläge der jüngeren Vergangenheit geradezu nostalgisch verklären – ich habe das Buch in Papier eingeschlagen, um es lesen zu können.

kochbuch-frozen-joghurt-1Bevor ich gleich noch die Kurve zu ein paar netten Worten kriege, muss ich auch anmerken, dass mir die Rezepte nicht 100% ausgereift erscheinen. So fallen auch ohne langwierige Lektüre Fehler ins Auge: die im Granola verwendete Gerste kann nur steinhart werden, vmtl. waren Flocken gemeint (S. 32); 100 g Schokolade machen nie und nimmer 4 Löffelchen Schokoraspel (S. 102). Die Soßenproportionen sind unmäßig, wir hätten aus einem halben Rezept Erdbeersauce nicht drei Portionen Eis elegant beträufeln können, wie es das Foto zeigt, sondern 6 Portionen versenken. Auch die Anpassung des Übersetzung bzw. des Lektorats an deutsche Milchprodukte zeigt Mängel: so darf man teilentrahmte Milch auch durch fettarme ersetzen (S. 132). 0% Fehler würden mich mehr beeindrucken als 0% Fett.

Genug kritisiert, das Wichtigste ist schließlich: Frozen Yogurt ist eine leichte, frische, überzeugende Eisvariante. Ihn wie die Mesdames Lorenzi mit der Spritztülle in Softeisform zu spritzen, macht optisch viel her. Meiner Ansicht nach glänzt das Buch dort, wo es dem amerikanischen Traum ein französisches Gewand verpasst, z.B. beim Joghurteis mit Pfirsich-Rosmarin-Kompott, hmm. Frozen Yogurt mit Teegeschmack oder Joghurt mit Grünteearoma und frischem Obst, Joghurt mit Maronencreme und Madeleines kann ich mir gut vorstellen, ebenfalls die wenigen ins salzige gehenden Rezepte: Gurkenjoghurt mit Kirschtomatenkonfitüre oder frozen Yogurt mit Basilikumsauce und geröstete Haselnüssen. Grüne Smoothies wie der Grünkohlmilchshake verankern den Band im Hier und Jetzt – wie wir wohl zehn Jahren darüber denken mögen? Ich würde eher darauf tippen, dann noch immer mit dem Granatapfel-Bananen-Lassi punkten zu können. Oder wir lassen den Joghurt Joghurt sein und wenden uns dem Quark zu: Käsekuchen mit Karamellbirnen, Quarkkuchen, Quarkmousse mit Himbeeren & Spekulatius…

Fazit: ein Band mit Ecken und Kanten, aus dem nicht nur sich fettfrei ernährende Süßigkeitenjunkies genug mitnehmen können, dass sich die Lektüre lohnt – wenn man sich überwinden kann, ihn anzufassen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2014

2 Kommentare

  1. Lena

    Das Buch steht auch auf meiner Wunschliste, toll dass ihr es nun rezensiert habt!
    Die Rezeptkombinationen klingen wirklich sehr verführerisch, aber es ist mal wieder eine Schande, dass ein Buch damit „versaut“ wird, in dem es nicht gut übersetzt/lektoriert und mit sinnlosen Binsenweisheiten gefüllt wird. Ich werde es mir trotzdem mal anschauen, wenn es mir in die Hände fällt.
    Viele Grüße
    Lena

    • Katharina

      Danke, Lena. Ich bin gespannt auf Deinen Eindruck. In der Tat immer schade.

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