Kochbuch von Clotilde Dusoulier: The French Market Cookbook

Kochbuch von Clotilde Dusoulier: The French Market Cookbook ★★★★★

The French Market Cookbook
Vegetarian Recipes from My Parisian Kitchen
Clotilde Dusoulier, Fotos Francois Nicol
Clarkson Potter (2013)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

„Auch jetzt noch ist Frankreich der Sitz der geistigsten und raffiniertesten Kultur Europas und die hohe Schule des Geschmacks: Aber man muß dies »Frankreich des Geschmacks« zu finden wissen.“ Friedrich Wilhelm Nietzsche

Finden kann man dieses „Frankreich des Geschmacks“ in der Küche der Bloggerin und Autorin Clotilde Dusoulier. Sie gehört zu den Bloggern der ersten Stunde, auf chocolateandzucchini.com war sie bereits aktiv, als die meisten noch nicht wussten, was ein Blog überhaupt ist. Derzeit feiert sie ihr zehnjähriges Blogjubiläum. Das „French Market“ Kochbuch ist ihr zweites eigenes Kochbuch nach „Chocolate & Zucchini“, aber ihre Tätigkeit als kulinarische Schriftstellerin reicht noch weiter, so hat sie auch einen kulinarischen Reiseführer, „Clotilde’s Edible Adventures in Paris“ geschrieben und an der Neuauflage der französischen Klassiker „The Art of French Baking“ und „I know how to Cook“ von Ginette Mathiot mitgewirkt. Das alles weckt Erwartungen, die Clotilde mit ihrer französischen Marktküche vollauf erfüllen kann.

Ein wenig ins Träumen gerate ich bereits beim Blick auf den Einband, die einfachen Obstschalen vor dem Schiefertafelhintergrund verraten, dass es im Buch nicht um irgendwelche modischen Trends geht, sondern dass die Autorin sich von marktfrischen Zutaten inspirieren lässt. Aus diesen zaubert sie ihre französische Marktküche, für die sie sich von regionalen Traditionen und althergebrachten Rezepten ebenso inspirieren lässt wie durch kulinarische Erlebnisse oder die Kniffe ihrer Mutter. Ihren eigenen Kochstil bezeichnet sie als resolut Gemüse-fixiert, aus ihrer Alltagsküche entstammen die jahreszeitlich angeordneten Rezepte. So ist eine gelungene Mischung einfacher und pfiffiger Rezepte entstanden, auch bei bekannten Grundideen gelingt es Clotilde typischerweise, eine neue, interessante Note ins Spiel zu bringen, wenn sie beispielsweise einen simplen Blumenkohlauflauf mit Bechamel durch Kurkuma und geröstete Haselnüsse in Szene setzt.

dusoulier-valentinas-portraetGefällig ist auch das handliche Taschenbuchformat, auch wenn sich die fast durchweg bebilderten Rezepte auf meist mehr als eine Seite erstrecken; unverhältnismäßig oft muss man aber beim Kochen nicht blättern. Das Layout ist frisch und klar, eine kurze Einleitung verleiht den Rezepten eine persönliche Note, oft findet man am Ende einen Infokasten zu Gütekriterien beim Kauf, Lagerung und Verwendung, z.B. woran erkenne ich den frischesten Brokkoli? Wie lagere ich Artichoken? Jedes Kapitel beginnt mit einer Liste saisonaler Zutaten, die Rezepte folgen einer impliziten Menüfolge von Vorspeise bis Nachtisch. Ein abschließendes fünftes Kapitel beinhaltet Grundrezepte von Brühe über verschiedene Teige bis hin zu Soßen. Wie bereits einige vegetarische Kochbücher der jüngeren Vergangenheit wird hier die Vielfalt der Gemüsewelt zelebriert, ohne sich ausdrücklich an eingefleischte Vegetarier oder andere Anhänger spezieller Kost zu richten. Wer jedoch eine besondere Diät befolgt, kann von der Autorin über das Kontaktformular ihres Blogs einen Index anfordern, der zu allen Rezepten Zutaten wie Gluten, Eier, Milchprodukte, Nüsse angibt. Sehr leserfreundlich! (Foto: Clotilde Dusoulier)

Genüsslich lässt sich in diesem Band schmökern, fast ärgert es mich, dass mir die Saisonalität einige Rezepte zum Zeitpunkt des Lesens verwehrt, aber nur fast. Wäre es doch endlich Frühling, dann gäbe es ganz bald die Buchweizentart mit grünem Spargel und Zitronenzesten, die mich so anlacht. Auch die Zucchini-Aprikosentart auf Kichererbsenteig habe ich für dieses Jahr leider verpasst. Ebenfalls noch warten müssen wir auf den Sauerkirschkompott mit Rosenblütenwasser. Doch dass sich das Warten lohnt, haben die Rezepte, die wir bislang ausprobiert haben, hinreichend gezeigt.

Besonders gefiel mir an Clotildes Rezepten die Verbindung traditioneller französischer Küche mit den heute verbreiteten Einflüsse aus anderen Regionen der Welt, insbesondere aus dem nahen Osten, wie beispielsweise in der libanesisch-inspirierten Tiramisuvariante. Andere Inspiration kommt aus der Vergangenheit, so geht die Idee einer fischlosen Bouillabaisse auf die Armeleuteküche zurück, die der Suppe frische Erbsen und pochierte Eier anstelle von Fisch hinzufügte. Wenn ich auch die fischhaltige Variante liebe, so bestach die hier vorgestellte Version durch ihren frischen Charakter. Ebenfalls begeistert hat uns eine Lauchtart, die durch einen Hauch von Curry und ihren leckeren Yoghurtteig punkten konnte. Immer wieder zeigten Clotildes Rezepte, dass in der französischen Marktküche nicht großer Aufwand und eine lange Zutatenliste, sondern vielmehr frische Zutaten und eine Nase für feine, kleine Details zu überzeugenden Ergebnissen führen.

Clotilde Dusoulier ist ein attraktives Kochbuch gelungen, das für meinen Geschmack gerne doppelt so dick sein dürfte!  

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2014

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