Kochbuch von Clodagh McKenna: Die Küchenfee

Kochbuch von Clodagh McKenna: Die Küchenfee ★★☆☆☆

Die Küchenfee
Unwiderstehliche Rezepte für jede Gelegenheit

Clodagh McKenna, Fotos A. Peroli
Dorling Kindersley Verlag (2012)
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Katharina Höhnk

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Heike A. aus Frankfurt a.M., Heike D. aus Berlin, Marie aus Hart-Purgstall (Österreich) haben aus Clodagh McKennas Kochbuch 10 Rezepte ausprobiert. Gleich zweimal wurde das Lemon-Curd-Rezept probiert und, ups, zweimal hat es nicht geklappt. Da lacht kein Köchinnen-Herz.


Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

McKennaMit Anfang 20 habe ich für 4 Jahre in Italien gelebt. Dort ist meine Freude am Kochen entstanden, ich habe eine Menge gelernt und mit nach Deutschland genommen. Das heißt ich koche aktiv und fast täglich seit ca. 20 Jahren.
Ich mag gute Kochbücher, ich nutze sie um neue Rezepte auszuprobieren und ich nutze einige als Nachschlagewerk.

McKennaAngefangen zu kochen habe ich ungefähr mit 12 Jahren. Wir waren eine große Familie und hatten einen Gemüse/Naschgarten. Ich putzte wahnsinnig gerne Gemüse. Regionalität, frische und gute Produkte, gutes Zubehör in der Küche gehörte von Anfang an dazu, aber auch Lust auf Neues und Fremdes. Durch meine Eltern, die beide im Ausland geboren sind (Mexiko und Japan), waren unsere Küchengewohnheiten beinahe exotisch in den 50er, 60er Jahren. Keine Reise ohne kulinarische Erlebnisse und Mitbringsel! So erinnere ich mich, wie wir 4 Kinder auf der Rückreise aus der Schweiz die Rückbank mit einem riesigen Raclettekäse teilten. Im Kofferraum ein Original Ofen und Wein, um eine große Racletteparty für Freunde zu veranstalten. Ich hatte über die Jahre viele verschiedene Kochphasen. Durch mein Lehre in der Hotelerie machte ich wegweisende Erfahrungen in der Spitzengastronomie und mein Verständnis für das Kochen änderte sich total. Einflussreich war meine orientalisch/jüdische Phase, da ich 6 Jahre in Israel gelebt habe. Vielseitig kreativ waren 6 Jahre Catering mit meiner eigenen kleinen Creatisch Catering Firma. Besonders stolz macht mich – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – dass mein Sohn Koch geworden ist. Wir haben stapelweise Kochbücher, Food Magazins und gesammelte Rezepte. Ich koche eigentlich nicht nach Rezepten außer beim Backen, fremden Küchen oder Techniken.

McKennaMit sieben begann ich schon, Rezepte aus Kinderzeitschriften zu sammeln. Deshalb besuchte ich später auch eine Tourismusschule, wo ich das Handwerk von der Pieke auf lernte. Heute mache ich beruflich zwar etwas anderes, aber die Liebe zum Kochen und vor allem zu Kochbüchern blieb. Vermutlich wegen dem darin vermittelten Lebensgefühl, wenn man sie durchschmökert…deshalb mag ich wohl Bücher mit stimmungsvollen Bildern und persönlichen Anekdoten des Autors am liebsten.

Wochentags bereite ich das Essen für meine Familie ohne Rezepte zu. Da bin ich kreativ mit den Zutaten, die ich vorrätig habe. Wenn ich mehr Zeit habe, halte ich mich beim Kochen meist recht genau an Rezepte, weil ich es mag, wenn ein Gericht immer wieder dieselbe Qualität hat. Aber ich ändere natürlich Rezepturen auch ab und passe sie den Vorstellungen der Mitesser an.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

McKennaDer erste Eindruck war durchaus positiv. Schöne Farben, ansprechendes Design- ein richtiges “Mädchenbuch”.

McKennaZuerst das Titelbild. Mein erster Eindruck… Lifestyle… die Küchenfee lässig auf dem Küchentisch, der Laptop daneben. Beim Durchblättern bestätigt sich dieser erste Eindruck, alles betont easy, ein bisschen country nach dem Motto Picknick, Tea Time, Party. Viele Photos sind unscharf, nicht ansprechend appetitlich, Auflaufformen an den Rändern bekleckert, der irische Rosinenkuchen mit schwarzem Rand und was soll bitte der Rotkohlsalat in der Terrine auf einer Tweedjacke? 3 Fotoseiten für 16 Parmesangnocchi, die aussehen wie von Kinderhand.

McKennaVorbild für dieses Buch ist das alte Hauswirtschaftsbuch der Mutter der irischen TV-Köchin. Die Zielgruppe sind eindeutig Kochanfänger, die ihren ersten eigenen Haushalt führen. Deshalb gibt es auch Tipps zu Beginn eines jeden Kapitels, die ich allerdings nicht unbedingt als notwendig empfinde, aber für Unerfahrene durchaus hilfreich sein könnten.

Die Fotos im Buch sind in alter DK-Manier sehr schön. Es gibt sie zu vielen, aber nicht zu allen Rezepten, was jedoch überhaupt nicht stört. Allerdings wirkt das Buch durch die vielen verschiedenen Schriftarten, Schriftgrößen, Hintergründe, Farben und Feentrick-Anmerkungen nicht mehr ganz so cosy, wie es wahrscheinlich beabsichtigt war, sondern ein bisschen unruhig und chaotisch. Als positiv empfunden habe ich, dass nur sehr wenige Zutaten benötigt werden.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

McKennaItalienisches Schmorfleisch
Ein fast klassisches Gulaschrezept, etwas tomatig aber sehr gut.
Als Beilage gab es Röstkartoffeln mit Zitrone und Thymian. Hier war leider die Garzeit zu kurz und angegebene Ofentemperatur zu niedrig.

Gratinierte Käsenudeln mit Speck
Das Gericht erfüllt den Anspruch des Kochbuchs: Einfach in der Zubereitung, aber durchaus zu empfehlen. Bis auf die Kruste aus Semmelbröseln sehr lecker.

Sommerliche Ratatouille
Eine Katastrophe. Durch die Zubereitung im Ofen wird das Gemüse lediglich erwärmt und durch die Dosentomaten schwimmt alles in Unmengen von wässrigem Tomatensaft. Leider nicht zu empfehlen. Gar nicht.

McKennaIch habe mich sehr schwer getan mit der Auswahl. Es war so nichts dabei, wo ich sofort den Kochlöffel schwingen wollte. Ich machte die Gemüsechips mit Pastinaken, Süßkartoffeln und Karotten ohne Rote Bete (fehlte im übrigen auch auf dem Foto) allerdings habe ich außer Salz und Pfeffer wie im Rezept noch etwas Kreuzkümmel, Koriander, Fenchelsaat und einen Hauch Chiliflocken, kurz im Mörser zermahlen, dazugegeben. Meine Chips sahen nicht so schön aus, wie auf dem Photo. Sie waren lecker und knusprig. Es lohnt sich das Gemüse im Bioladen zu kaufen.

Dann machte ich eines der Rezepte Hähnchen international, indisch: Es schmeckte frisch, lecker mit einer schönen säuerlichen Note. Allerdings ist es unmöglich diese kleine Menge der Marinade (eine ganze Nelke!!!) in einem normalen Mixer zu zerkleinern, da fehlte es einfach an Masse. Ich habe alles im Mörser gemacht.

Danach entschied ich mich für eine Zitronentarte, obwohl mich die Zusammensetzung der Zutaten zweifeln ließen. Kurz die Tarte ist mir nicht gelungen. Der Teig war nicht der beste Mürbeteig , hielt nicht gut zusammen und ließ sich schlecht ausrollen. Der Belag war ein Reinfall. Schon als ich die ersten Zutaten verquirlte wusste ich, dass die Sahne sich nicht mit dem Rest verbinden würde. Und so war es dann auch. Der Belag blieb flüssig und trennte sich.

Der totale Reinfall war zum Schluss das Rezept vom Lemon-Curd. Seit Jahren mache ich ein Rezept von Oded Schwarz aus meiner Vorratsbibel, gelingt immer. Mit dem Rezept aus der Küchenfee entstand ein Zitronenmousse, kein cremiges sahniges Lemon Curd, wie auf dem Photo versprochen. Es fehlte einfach an Zucker und auch Butter und nach 10 Minuten Rühren wird die Masse noch lange nicht dick.

McKennaLemon Curd: Ich liebe Lemon Curd, doch irgendwie wollte er – trotz langem und intensiven Rühren – nicht eindicken. Das ist mir mit meinem bisherigen Rezept noch nie passiert.

Gemüsechips: Ich habe nur die Süßkartoffeln genommen, weil ich weder Rote-Bete-Knollen noch Pastinaken bekam. Ich war direkt nach dem Backen recht begeistert, doch zwei Stunden später waren die Chips weich geworden. Vielleicht lag es aber auch an meinen Süßkartoffeln.

Buttrige Scones: Für Butter-Fans wie mich passte das Rezept und schmeckte gut, aber ich habe sie nachgesalzen.

Gratinierte Käsenudeln mit Speck: Ich hab selten ein derartig langweiliges Gericht gegessen. Ich habe es zwar beim Durchlesen schon geahnt, bin dann aber den Wünschen meiner Familie gefolgt, die dann auch ziemlich enttäuscht war. Langweilig war es vor allem, weil es an anständiger Würze gefehlt hat. Außerdem fand ich das Semmelbrot auch als „Topping“ etwas gewöhnungsbedürftig und trocken.

Saftiger Pistazienkuchen mit Honig: Dieser Kuchen war genau nach dem Geschmack meiner Familie. Für mich ist er zwar ein bisschen zu süß, aber das ist ja nur persönliches Empfinden und kann leicht angepasst werden. Der wird in mein Rezeptebuch aufgenommen.

Provenzalisches Schmorhuhn: Dieses Rezept ist gut angekommen und besticht durch seine Einfachheit. Ich würde es jedoch etwas mehr würzen.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

McKennaOptisch hübsch. Leider sind die Rezepte oftmals nicht zu Ende gedacht und die Arbeitsschritte sind häufig in falscher Reihenfolge aufgeführt. Gedacht ist das Buch auch als Nachschlagewerk, dazu eignet es sich- auch durch seinen sehr unstrukturierten Aufbau- gar nicht. Die Rezepte scheinen nicht durchgehend getestet worden zu sein.

McKennaDie Autorin, eine irische TV Köchin mit eigener Kochschule etc., beruft sich auf das Hauswirtschaftsbuch ihrer Mutter, sie wendet sich mit diesem Buch an Anfänger… (Zitat) keine jungen Ehefrauen sondern an Singles, alleinerziehende Väter, Paare, Familien… schon bei dieser Einleitung musste ich schmunzeln. Ich finde dieses Buch für die Zielgruppe (welche?) nicht besonders geeignet. Sie beginnt mit Vorräten, ein Kapitel ohne Aussage! Gefolgt vom Einmachen, auch hier eine eher komische Zusammenstellung von Rezepten. Sind getrocknete Tomaten z.B. geeignet für Leute, die die Kochlust entdecken und von Anfang an glänzen wollen, ich denke, eher eine Geduldsprobe. Manches ist sehr simpel aber ohne Pepp wie frischer Obstsalat, Rahmspinat mit Muskat, Croque Madam. Es gibt viele irisch/ britische Gerichte nicht wirklich originell, zu viel Mayonnaise, wenig frische Kräuter. Kaum Fisch oder Meerestiere, dabei ist Irland ein Traumland dafür. Als Küchenfee schlägt sie vor Sandwiches für die Lunchbox zur Abwechslung mal mit Plätzchenausstechern auszustechen und Obst auf bunte Spießchen zu stecken oder Gemüsechips in der Papiertüte. Den Single möchte ich sehen, der so etwas macht. Die Komposition des Buches wie Aufbau, Zusammenstellung, (Deko Ideen sind nicht wirklich neu noch originell ) und vor allem die Kochanleitungen sind nicht stimmig. Jamie was warst Du für ein Revolutionär!

McKennaEs ist ein schönes Buch zum Durchblättern, doch beim Ausprobieren blieb die ein oder andere Enttäuschung nicht aus. Ich bin den Rezepten genau gefolgt und rausgekommen ist oft nur ein maximal durchschnittliches Gericht. Mein Bauchgefühl hat mir zwar jedes Mal gesagt: „Füge doch hier und da noch dies und jenes zu…“, doch genau das wollte ich nicht machen. Schließlich ist dieses Kochbuch ausdrücklich für Kochanfänger gedacht, die sich voll auf die Rezepte verlassen können sollten. Sehr positiv überrascht war ich dann allerdings nach ein paar Enttäuschungen vom Pistazienkuchen. Für absolute Kocheinsteiger, die noch kein einziges Kochbuch im Regal stehen haben, ist das Buch geeignet, weil sehr viele Bereiche abgedeckt werden und zudem die Rezepte einfach erklärt werden. Ich würde es aber nicht verschenken.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2012

1 Kommentare

  1. Lavendar

    Zwei Sterne sind für dieses Buch viel zu wenig. Mir gefällt das Buch sehr gut und bisher sind die Rezepte die ich nachgekocht habe sehr gut gelungen. Mindestens vier Sterne hat es sicherlich verdient.
    P.S. Ich finde es sehr gut, wenn die Fotos natürlich rüberkommen. 🙂

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