Kochbuch von Claudio Del Principe: Italien vegetarisch

Kochbuch von Claudio Del Principe: Italien vegetarisch ★★★★☆

Italien vegetarisch
Claudio Del Principe, Katharina Seiser (Hg.)
Brandstätter Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Patricia Drewes

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Erstens: ich esse sehr gern und fast ausschließlich vegetarisch. Zweitens: mein Lieblingsreiseland ist Italien. Drittens: ich bin kochbuchsüchtig. Ideale Voraussetzungen für das Kochbuch, das ich zwecks Vorstellung in den Händen halte.

„Italien vegetarisch“ ist nach „Deutschland vegetarisch“ und „Österreich vegetarisch“ der dritte Band der Reihe aus dem Christian Brandstätter Verlag und folgt vom Layout und Konzept seinen erfolgreichen Vorgängern. Landestypisches Gemüse schmückt das Cover, das Vorwort der beiden Herausgeber stellt die italienische Küche und nicht die Vita der Köche in den Vordergrund, und die 150 Rezepte sind zu einem Großteil schnörkellos, aber liebevoll von Claudio Del Principe, der auch für die Fotografie verantwortlich zeichnet, in Szene gesetzt.

Thematisch ist das Buch grob nach Jahreszeiten und fein nach Antipasti, Suppen, Salaten und Gemüsen, Pasta, Polenta und Reis sowie Süßspeisen gegliedert, das fünfte Kapitel ist mit „Jederzeit“ betitelt und beinhaltet jahreszeitenunabhängige Rezepte wie weiße Pizza, eingelegte Oliven, Pizza mit Tomaten, Rosmarinkartoffeln, Tomatensoße und vieles mehr.

Beim Durchblättern des Buchs trifft man auf erfreulich viele traditionelle Gemüsegerichte, die in guten italienischen Restaurants auf der Speisekarte stehen. Ihr Merkmal: sie sind einfach, frei von Ersatzprodukten und setzen auf frische, schmackhafte und hochwertige Zutaten – im Zweifelsfall lieber vom örtlichen Gemüsehändler als aus dem Supermarkt. Eines größeren Spagats als den zwischen eigenem Kräutergarten, Gemüsehändler und italienischem Online- oder Vor-Ort-Händler bedarf es nicht, um die Gerichte nachzukochen – die Zutatenlisten und Zubereitungsschritte aller Gerichte sind überschaubar und vermitteln überwiegend das beruhigende Gefühl, die Gerichte ließen sich auch im hektischen Berufsalltag nach Feierabend ohne größere kognitive und physische Anstrengung bewerkstelligen, auch wenn ich eine Zeitangabe unter den Gerichten als hilfreich empfunden hätte.

kochbuch-claudio-del-principe-italien-vegetarisch-valentinas-insideWährend ich das Buch nach und nach von den Post-Its befreite, die ich beim nächtlichen Entspannungslesen befestigt hatte, bestätigte sich der erste Eindruck der Grundsolidität dieses Kochbuchs: Ein Großteil der Gerichte, insbesondere die Salate, die Risottos, Pizza- und Pastagerichte waren innerhalb von 30 bis 60 Minuten auf dem Tisch. Und wenn man den eigentlich selbstverständlichen Rat Del Principes ernst nimmt, das Gemüse frisch vom Händler zu kaufen, kann man sich selbst und seine Lieben geschmacklich sehr erfreuen. Tenor der Mitessenden: Nicht exotisch, aber grundsolide und lecker. Reste blieben selten übrig.

Für das Wochenende reservierte ich mir diejenigen Gerichte, bei denen absehbar war, dass sie mehr Zeit benötigen könnten: Kürbis- und Kartoffelgnocchi, Malfatti und selbstgemachte Pasta. Im Laufe der Testreihe zog übrigens eine Nudelmaschine mit Motor bei uns ein, ein Spielzeug für den Mann an meiner Seite, der fortan seine Sonntagnachmittage immer öfter damit verbrachte, hauchdünne Nudelplatten und -streifen zu produzieren und sie an allen senkrecht stehenden Küchengerätschaften trocknen zu lassen.

Eigentlich gibt es bislang kein Ende der Testreihe – „Italien vegetarisch“ steht wie ein guter Freund in der Küche und unterhält mich wöchentlich ein- bis zweimal. Einige Gerichte habe ich schon zum zweiten Mal gekocht und dabei optimiert, bei anderen warte ich noch auf das passende Gemüse oder den passenden Zeitpunkt. A propos Zeitpunkt: Die Unterteilung des Buchs in Jahreszeiten ist prinzipiell löblich, jedoch hat mich die Zuordnung mancher Gerichte zu Jahreszeiten etwas irritiert: Was haben Focaccia, Reisbällchen und Brotpudding speziell mit dem Frühling zu tun, warum steht die Calzone mit Tomatenfüllung im Herbst- und nicht im Sommerkapitel, während ich wiederum im Sommer Eiersuppe nach römischer Art essen soll. Eine leichte Willkür, die jedoch durch die Qualität und Sorgfalt der Rezepte aufgewogen wird.

Ein grundsolides Kochbuch, das uns kulinarisch sehr erfreute und unfreiwillig für ein tolles Halloween-Essen sorgte (s.u.).

Merken

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2015

Meistgelesen

Themen A-Z