Kochbuch von Claudia Roden: Von der Lust im Freien zu speisen

Kochbuch von Claudia Roden: Von der Lust im Freien zu speisen ★★★★☆

Von der Lust im Freien zu speisen
Von Claudia Roden, Papyrus Verlag (1983)

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sommerzeit bedeutet für Berliner Picknick-Zeit. Denn über das schöne Umland sind wenige kulinarischen Leuchttürme verteilt. Mittlerweile verfüge ich ein verlässliches Repertoire an Rezepten und probiere weiter aus. Ein besonderer Fundus ist für mich das Buch von Claudia Roden Picnics: And Other Outdoor Feasts, das 1983 auch auf Deutsch erschienen ist mit dem Titel Von der Lust im Freien zu speisen. Claudia Roden leitet ihr Buch treffend ein „Draußen schmeckt alles besser.” Genauso empfinde ich es auch!

Claudia Roden lebt seit den 50er Jahren in London. Aufgewachsen ist sie in Kairo. Anlässlich des Suez-Krieges floh ihre Familie nach England. Statt den Wunsch der Eltern zu erfüllen und eine akademischen Karriere zu verfolgen, veröffentlichte sie ihr erstes Kochbuch. In England ist sie schon lange eine bekannte Kochbuchautorin: Claudia Roden hat in den vergangenen 40 Jahren eine Vielzahl von erfolgreichen Kochbüchern verfasst. Das Besondere an ihren Werken ist, dass sie zu den Rezepten auch Wissen für das Verständnis der Kultur weitergibt.

Genau das gefällt mir auch an Picnics: Hier berichtet sie von der englischen Tradition, im Freien zu speisen.“Bereits 1951 schrieb Georgina Bettiscombe in ihrem Buch English Picnics, dass der englische Picknicker einer wiederstandsfähigen Spezies angehöre. Gewiss bedarf es des stoischen Gemütes, um angesichts drohender Regenwolken Teller und Besteck auszupacken. Anderseits aber sind die Schrecken der britischen Gastronomie in der Regel schlimmer als die des Klimas.“ Claudia Roden vereint in dem Buch humorvoll erzählte Kulturgeschichte, persönliche Anmerkungen und Picknick-Rezepte aus vielen Ländern. Die Kapitel lauten Essen im Garten, Essen zum Mitnehmen mit 14 Unterkapiteln wie Sandwichs, Gemüsepürees und Dips, Torten und Pasteten sowie Ein Picknick in Japan und mehr. Vorgestellt werden alle Möglichkeiten von Speisen, die ideal für das Picknick sind. Eine lange Zutatenliste ist kaum zu finden. Im Gegenteil: Manche sind so frappierend kurz, dass alle Zutaten in einer gut bestückten Vorratskammer zu finden sind.

Die Rezept-Angaben sind auf das Augenmaß und Händewiegen ausgerichtet. Genaue Mengen sind nur dort zu finden, wo es unerlässlich ist. Claudia Roden setzt Grundkenntnisse des „Küchenhandwerks“ voraus und einen selbstbewussten Koch. Einen Flop hat dieser Minimalismus bei mir nicht hervorgerufen. Ihre Rezepte sind schlicht und lassen viel Raum für eigene Ideen (und schnelle Aktionen für den Fall eines spontanen Picknicks). Denn nicht das raffinierte einzelne Rezept steht im Mittelpunkt, sondern Basisrezepte mit Vorschlägen für Varianten. Fotos sind in meiner deutschen Ausgabe von 1983 nicht zu finden. Ich vermisse sie nicht, weil die Rezepte prägnant sind, so dass die eigene Vorstellung eine leichte Übung ist.

Für mich ist es weniger ein klassisches Kochbuch, sondern eine geliebte Ausgabe zum Lesen, Inspirieren und Improvisieren, das ich Sommer um Sommer wieder aus dem Regal ziehe.

Die deutsche Ausgabe Von der Lust im Freien zu speisen ist vergriffen, aber antiquarisch zu beziehen (Bezugsquellen: amazon.de, booklooker.de, zvab.de, eurobuch.com). Die englische Ausgabe wurde 2001 von Claudia Roden überarbeitet und neu verlegt. Meines Wissens beinhaltet sie noch ein Kapitel zum Grillen.

Claudia Roden 3ORIGINALTITEL
Claudia Roden, Picnics: And Other Outdoor Feasts, Grub Street; Auflage: 2Rev Ed, 2001

Veröffentlicht im Juli 2008

2 Kommentare

  1. Susanne

    Hallo Katharina,
    ich habe den Eindruck, dass der Papyrus Verlag seinerzeits die Originalausgabe \“Picnic\“ geteilt hat. In den von dir beschriebenen Teil und in die deutsche Ausgabe \“Hot Pot\“. Hier steht als Originaltitel \“Picnic\“ drin und es handelt über das Grillen…
    Gruß
    Susanne

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