Kochbuch von Claudia Roden: The Food of Italy

Kochbuch von Claudia Roden: The Food of Italy ★★★★★

The Food of Italy
Claudia Roden
Square Peg (2014)

Christiane Schwert

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Das Schöne an Claudia Roden ist: Sie weiß was sie tut. Und sie kann, was sie tut. Das macht ihre Kochbücher so gut, unaufgeregt und auf den Punkt. Doch gibt es der italienischen Küche noch etwas hinzuzufügen? Ein italienisches Kochbuch gehört heute zur Grundausstattung im Kochbuchregal. Ich bin gespannt!

Frau Roden ist Kochbuch-Interessierten keine Unbekannte. Ich bin ein großer Fan ihres Buchs zur „Orientalischen Küche“, das beinahe ja schon eine Art Must-have für Foodies ist. Auch sehr gelobt ihr Buch zur Jüdischen Kochkultur, zur spanischen Küche, oder über die Freuden des Picknicks.

Die Grundlage des vorliegenden Buches sind Rezepte, die Roden vor beinahe 30 Jahren, auf Reisen kreuz und quer durch Italien zusammengetragen hat. Sie veröffentlichte damals eine Serie „Taste of Italy“ für das Sunday Times Magazine. Man schickte sie auf kulinarische Erkundungstour, weil man vermutete, dass nach der französischen, nun die italienische Küche „the next big thing“ werden würde. Ja, das ist schon einige Zeit her.

kochbuch-food-of-italy-roden-inside-2The Food of Italy hat Roden nun um einige neue Rezepte ergänzt, aber auch manche der alten Rezepte aktualisiert. Denn, so die Autorin, die Art wie gegessen und getrunken wird, hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Ihr Buch soll widerspiegeln wie heute in Italien gekocht wird und sie hat versucht die Zubereitungsweisen zu vereinfachen. Denn auch die italienische Mamma steht nicht mehr tagelang in der Küche, sondern ist meist berufstätig.

Es finden sich Rezepte zu: Sauces, Canapes, Fried Bites, Salads and Vegetable Dishes, Fish and Seafood Starters, Meat Appetisers, Cheese and Egg Dishes, Pizzas, Breads and Pies, Soups, Pasta Dishes, Risottos, Dumplings, Polenta, Fish and Seafood, Poultry and Game, Meat and Offal, Vegetable Dishes und Desserts. Doch unterteilt ist das Buch nach den einzelnen Regionen Italiens, wenn Roden auch im Vorwort sagt, dass die Regionalität der Speisen sich durch die allgemeine Verfügbarkeit der Lebensmittel verwischt hat.

Bisher habe ich mich um die Rezension englischsprachiger Bücher immer gedrückt. Zu groß war die sprachliche Hemmschwelle. Aber bei Claudia Roden konnte ich nicht widerstehen. Das Buch ist allein schon optisch der Knaller: Ein abendlich erleuchtetes italienisches Lebensmittellädchen ziert das Cover. Keine typische Italienkitschstimmung und trotzdem wird meine Sehnsucht sofort geweckt: Da will ich jetzt auch einkaufen! Der Buchschnitt ist dunkelgrau, das wirkt cool und edel. Die Foodfotos sind zwar schlicht, aber mit Stil. Allein schade ist, dass nicht jedes Gericht bebildert ist. Jeder neuen italienischen Region wird ein Landschaftsfoto vorangestellt: Fernweh pur! Ich habe das Buch teilweise aufgeklappt in der Küche stehengelassen, so angetan war ich! Und die sprachliche Hemmschwelle? Kein Problem! Alles ist einfach und präzis beschrieben, besser könnte es gar nicht sein. Die Zubereitung eines Tiramisus wird beispielsweise auf ganzen viereinhalb Zeilen beschrieben – ohne das Fragen offen bleiben!

kochbuch-food-of-italy-roden-inside-1Die Konzentration auf das Wesentliche hat mich sehr beeindruckt. Und auch natürlich wie diese Frau es immer wieder schafft, sich verschiedensten Kochkulturen derart authentisch anzunähern. Auch in dem vorliegenden Werk zeigen sich ihre bewährten Qualitäten: Sie ist nah an der Küche des Landes dran und nimmt sich selbst dabei angenehm zurück. Ich habe mich quer durch die Regionen gegessen, Bekanntes neu gekocht, Unbekanntes ausprobiert. Nicht alles waren Wow-Gerichte, dafür ist vielleicht auch mein „italienisches Vorwissen“ schon zu groß. Aber die Gerichte sind in sich rund und stehen zudem schnell auf dem Tisch. Auch die Zutatenlisten sind angenehm übersichtlich. Und oft waren es gerade die „kleinen“ Speisen, die mich angesprochen haben, wie z.B. Schinken mit in Akazienhonig pochierten frischen Feigen. Oder gefrorener Kaffee mit nicht ganz steif geschlagener Sahne: ganz einfach, aber richtig gut! (Links: Rückseite des Kochbuchs)

Es ist Rodens Kunst die Essenz eines Gerichtes herauszufiltern. In der Reduktion liegt ihre Stärke, den Zutaten zu vertrauen ist souverän. Ihre Modifikationen sind immer im Sinne des Gerichts und verbessern ohne zu verfremden. Sie nimmt ihr Sujet, und das sind hier die einzelnen Regionen Italiens, eben ernst. Dabei gab es für mich doch so einiges noch zu entdecken. Und so ist es Claudia Roden auch diesmal gelungen, ein Kochbuch zu veröffentlichen, das zumindest in meinem Regal noch gefehlt hat.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2014

3 Kommentare

  1. Christiane

    Ich würde sagen, es ist doch etwas mehr bebildert, als das orientalische Kochbuch, also so ungefähr jedes zweite Rezept ist mit einer Fotografie versehen!

  2. Magdalena

    Wieder einmal ein sehr, sehr verlockendes Buch! Ich lese, dass nicht jedes Rezept bebildert ist. Ist die Menge der Rezeptfotos zb mit der in ihrem orientalischen Kochbuch vergleichbar (also ziemlich spärlich nach meinem Geschmack), oder doch FAST jedes Rezept mit Bild?
    Glaubt ihr, besteht die Hoffnung auf eine Übersetzung? Danke!

    • Katharina

      Claudia Rodens Bücher wurden bis jetzt einige übersetzt, es sieht daher gut aus, aber ich habe noch nichts davon gehört.

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