Kochbuch von Clare Lattin & Tom Hill: Koch doch einfach!

Kochbuch von Clare Lattin & Tom Hill: Koch doch einfach! ★★★★★

Koch doch einfach! Minimale Zutaten, maximaler Geschmack. Rezepte aus dem Londoner Restaurant Ducksoup
Clare Lattin & Tom Hill, Fotos: Kristin Peters
Knesebeck Verlag (2017)

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

„Koch doch einfach“ – mit Betonung auf „einfach“ – dieser Appell ist vermutlich so alt wie das Kochen selbst. Kochen mit besten, frischen Zutaten, schlicht zubereitet, überlebt mühelos jeden Trend und kommt sicher niemals aus der Mode. Aber können Clare Lattin und Tom Hill tatsächlich noch etwas Neues beisteuern, das ein weiteres Buch rechtfertigt? Einen Versuch ist es allemal wert.

Clare Lattin und Tom Hill (Foto unten) betreiben das Restaurant Ducksoup in London, Profikoch Tom als Küchenchef, Clare mit großem Erfahrungsschatz aus vielen Jahren in der Verlagsbranche und als kulinarische Weltenbummlerin. Mit „Koch doch einfach“, ihrem ersten gemeinsamen Kochbuch, gestatten sie Einblicke in die Essenz ihrer Kochphilosophie, wie sie sie im Ducksoup zum Leben erweckt haben.

Rein optisch bin ich gleich an Bord – das matte, leicht cremefarbene Papier, darauf klare, dunkelblaue Schrift in unterschiedlichen Größen, die erdigen kleinen Fotos, das ist schlicht und stilvoll zugleich. Neben den Rezeptkapiteln gibt es auch einen „Ducksoup-Vorratsschrank“ sowie ein Kapitel „Konservieren“, beide gespickt mit speziellen Ducksoup-typischen Zutaten, von denen sich aber die meisten selbst herstellen lassen. Rory McCoy, der dritte Ducksoup-Chef, hat außerdem Musiktipps – in Vinyl natürlich – sowie ein leidenschaftliches Plädoyer für Naturwein beigesteuert.

Eine prägnante Handschrift

Als Hauptzutaten kommen im Ducksoup viel Gemüse, Fisch und Fleisch auf den Tisch, dafür spielen Pasta, Reis, Kartoffeln und Brot kaum eine Rolle. Gerne verwenden die Autoren Rohes, hauchdünn geschnitten, wo ich eher Gegartes erwartet hätte, so etwa der Kürbis oder der gesalzene Kabeljau (Letzterer entpuppte sich nach anfänglicher Skepsis allerdings als großartig). Beim Fleisch darf es dann mit Nierenzapfen, Stubenküken oder Lammbries auch gerne mal ein Ausrufezeichen sein.

Der klare Stil, die einfachen, prägnanten Zutaten und die eher kurzen Rezepte, das erinnert mich ein wenig an die von der italienischen Küche geprägten Bücher aus dem River Café, allerdings mit einem viel weiteren Horizont: Im Ducksoup wird mehr regional und auch saisonal gekocht, aber auch international viel bunter. Die Wurzeln in der britischen Küche bleiben allerdings überall spürbar – das untrüglichste Indiz ist die unvermeidliche Brunnenkresse, die sich hier leider so rar macht.

Sehr überlegenswerte Anregungen gibt es auch für das Anrichten. So sollen Feigen immer nur gebrochen statt geschnitten werden, was sie wilder und appetitlicher aussehen lasse – stimmt! Nicht ganz folgen mag ich allerdings, wenn selbst Kräuter und Salatblätter nur grob gezupft werden – das mag zwar hübscher aussehen, aber die meisten Kräuter geben nun einmal mehr Aromen ab, wenn sie klein geschnitten sind, und große Salatblätter finde ich eher nervig.

Schlichte Küche? Große Wirkung!

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Knesebeck Verlag

Restaurant Ducksoup in London

Das Nachkochen war tatsächlich einfach, und dies im besten Sinne: Die guten Zutaten mit ihren natürlichen Aromen und Texturen stehen im Vordergrund und haben keinerlei Schnickschnack nötig. Öl und Zitrone, frisch gemahlener Pfeffer und Meersalz, dazu hier und da Nüsse, Parmesan oder Labneh – alles war stimmig und rund. Dass ich ein paar Kleinigkeiten anders machen würde, ist eher meinen persönlichen Vorlieben geschuldet – ich mag im Allgemeinen lieber Gegartes als Rohes, lieber aus dem Ofen als aus der Pfanne –, an den Rezepten gibt es dennoch wirklich nichts zu meckern, und ein paar Kracher waren auch dabei.

Meine allerliebste Entdeckung sind die gebratenen Zitronen: Durchschneiden und mit der Schnittkante anbraten, bis sie karamellisieren, dann den Saft als Dressing verwenden. Das funktioniert übrigens auch ganz ausgezeichnet in Bratensaft. Köstlich und wirklich nahezu universell!

Kochen und England geht nicht zusammen?!? Meine liebsten Kochbücher kommen fast alle aus Großbritannien, und „Koch doch einfach“ reiht sich da mühelos ein. Wer Nigel Slater, Hugh Fearnley-Whittingstall oder die wunderbare Diana Henry mag, der wird sich auch im „Ducksoup“ sofort zu Hause fühlen. Dabei ist „Koch doch einfach“ nicht nur eine Rezeptesammlung, sondern gibt auch Inspiration für die Gestaltung der Mahlzeiten, vom Anrichten über die Weinbegleitung bis zur Musik – alles so einfach wie stilistisch treffsicher. Toll!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2018

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