Kochbuch von Cinead McTernan: Der essbare Garten in einem Topf

Kochbuch von Cinead McTernan: Der essbare Garten in einem Topf ★★★★☆

Der essbare Garten in einem Topf
Köstliche Rezepte – zusammen
gepflanzt, zusammen gekocht
Cinead Mcternan
Fotos Jason Ingram
Illustrationen Becky Clarke
AT Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

Patricia Rahemipour

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ein Kochbuch für jeden. Es ist nicht kompliziert und hängt einer netten Idee an. Von der Saat bis in den Topf. Warum nicht. Für den Alltag eher nichts. Aber ein großartiges Geschenk: Der bepflanzte Topf mit Pflegeanleitung und Rezept. Schon deshalb eine schöne Publikation.

Eigentlich ist Cinead McTernan aus der Gartenecke. Sie ist Redakteurin für die Gartensparte eines bekannten britischen Magazins und hat mit dem essbaren Garten schon ihr zweites Kochbuch vorgelegt. Es ist ein Sommerkochbuch. Logisch. Dann wächst halt auch alles. Und es will uns an die Hand nehmen. Von der Saat bis zur Ernte. Dabei ist die Gliederung erstmal sehr klassisch nach altbewährten Kategorien. Salat und Suppe, Leckere Begleiter und so weiter. Der Leser fühlt sich aufgehoben und kennt sich aus. Spannender macht das die Sache nicht.

kochbuch-cinead-mcternan-der-essbare-garten-in-einem-topf-inside-valentinas Was zusammen im Kochtopf köchelt, wächst erst in einem Blumentopf

Aber man hat ja auch auf eine ganz andere Idee gesetzt: wie kommt das, was ich in die Erde bringe am Ende in den Topf, in EINEN Topf und schmeckt dann auch noch lecker. Das Design ist insgesamt nicht ganz mein Geschmack, aber sehr liebevoll gemacht, gut nachvollziehbar und zeigt zu jedem Rezept ein Foto, was ich sehr mag. Kleines Detail am Rande ist eine Verzierung an eben diesem Rand, was durch Farbwechsel das Wiederfinden der Kapitel auf einen Griff ermöglicht. Wie man so schön sagt, ein handwerklich gut gemachtes Buch.

In den letzten Jahren hat sich mehr und mehr der Trend durchgesetzt, dass ein Buch nicht nur eine Ebene bedienen soll. Es wird auf Vielschichtigkeit gesetzt, die manchmal etwas herbeigeredet wirkt, in diesem Fall aber schon stimmig ist.

Antizipiert für das laufende Gartenjahr

Ich habe mich also zunächst einmal mit den Gewächsen auseinander gesetzt. Wenn ich wirklich meine Ernte essen möchte, muss da zeitig vorgedacht werden. Und ich erinnere mich schmerzlich ans letzte Jahr, als wir in einer Flut aus Zucchini fast untergegangen wären, und uns nur in letzter Sekunde in Sicherheit bringen konnten. Aus Fehlern klug geworden, habe ich mir für das laufende (Fachausdruck!!) Gartenjahr ein wenig mehr Gedanken zu Menge und Art der Saat gemacht und gleich zwei Töpfe aus dem Buch angesetzt.

Dem Leser von Valentinas Kochbuch ist vielleicht nicht geläufig, dass die Rezensenten ein kleines Manual haben, das uns an die wichtigen Eckdaten der Texte erinnern soll. Damit nichts in Vergessenheit gerät und, natürlich, damit eine gewisse Qualität gewahrt bleibt. Um dem Leser das Kocherlebnis zu vermitteln, ist es wichtig, ein solches zu beschreiben bzw. alle Erlebnisse rund um das Kochbuch.

Ich gebe zu, selten hatte ich es hiermit leichter. Seit März beschäftigt mich der „Bunte Gartensalat“, den ich laut Frau McTernan bis zur Verzehrreife auf meinem Balkon wachsen lassen sollte. Botanisch nicht ganz unbeleckt fiel mir gleich der Einwand ein, dass alles unterschiedlich keimt und mitunter sogar unterschiedliche Bedürfnisse hat. Das ist der Autorin natürlich bewusst. Sie kompensiert das, indem die Samen zu verschiedenen Zeiten eingebracht werden und an unterschiedliche Stellen im Topf kommen.

Meine Sorge als erfahrene Gärtnerin

Was hatte ich für eine Angst, dass mir was eingeht und ich am Ende nicht mit einem bunten Gartensalat sondern allenfalls mit einem rot/roten Gartensalat dastehe. Zum Glück war diese Angst unbegründet. Die Hinweise zum Anbau sind sachlich, versiert und gut verständlich. Es finden sich auch Tipps zu Bienen und welche Pflanzen sie besonders gern bestäuben. Der Gartenteil hat mich voll überzeugt. Aber ich war noch nicht fertig. Es sollte noch die Rote-Bete-Suppe geben. Schon der voll bewachsene Topf auf dem Bild ist die reine Freude. Das Rot der Bete mit dem kräftigen Grün des Korianders. Hier war es eine alte Zink-Kinderbadewanne, die für die Anzucht genommen wurde und es gedieh alles prächtig. Ich würde fast sagen, Treffer und versenkt.

Doch das Buch hat ja den Anspruch, nicht nur die Gärtnerin anzusprechen, sondern auch den Gaumen. Und ich gebe zu, ich konnte es kaum mehr erwarten, ein Rezept zu probieren. Vielleicht ist diese Veröffentlichung auch nur eine Geduldprobe. Man weiß es nicht.

Die Gartensalate standen zuerst auf meiner Liste. Sicher auch, weil sie einfach schon im Mai gewachsen sind. Vor allem wenn man ein wenig schummelt und sie samt Topf ins Gewächshaus stellt. Die Kombination war ungewöhnlich. Der Topf enthielt Shisokresse, Radicchio und Blutampfer. Alles nicht gerade die Petersilie unter den Kräutern. So geriet die Beschaffung zu einem kleinen Abenteuer, aber dafür kenne ich inzwischen die einschlägigen Kräuterhändler.

Gerade geerntet, schon nachgewachsen

Mit Hilfe der Gartennachbarin komplettierte ich dann also das Ensemble. Den Salat zuzubereiten war dann natürlich kein Hexenwerk mehr, aber was für ein Geschmack! Die Schärfe der Kresse, der bittere Radicchio und das Beste: Gerade geerntet ist alles nächste Woche auch schon wieder nachgewachsen. Die Begeisterungsstürme um das Abenteuer Ernte haben auch meine Kinder beflügelt, den Salat zu essen. Was will man mehr.

Der zweite Topf konnte bislang leider noch nicht geerntet werden. Die Rote Bete habe ich daher einfach dazu gekauft und die Suppe gekocht. Koriander und Thymian waren zwar als Geschmackgeber mit im Topf, aber das Ergebnis war nicht ganz so überzeugend wie beim Salat. Aber vielleicht muss es auch wirklich selbst geerntet sein.

Ein Buch, das meine zwei Leidenschaften mit so einer Leichtigkeit verbindet, hätte mich nicht unbedingt überzeugt, wenn es zu anspruchsvoll geworden wäre. Dem ist aber ganz und gar nicht so. „Der essbare Garten in einem Topf“ ist ein Buch, das die Schönheit des Gärtnerns und der Pflanzen verbindet mit dem Genuss eines guten Essens. Dazu braucht es nicht viele verschnörkelte Zutaten, sondern das funktioniert mit gutem Gemüse und Kräutern fast von selbst. Ob man allerdings den Aufwand des Anbaus betreiben will, muss jeder für sich selbst wissen. „Der essbare Garten“ funktioniert auch einzeln und ist ein guter Ratgeber für den Anbau und enthält ein paar wirklich schmackhafte Rezepte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2017

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