Kochbuch von Christina Mouratoglou & Adrien Carré: Die neue griechische Küche

Kochbuch von Christina Mouratoglou & Adrien Carré: Die neue griechische Küche ★★★☆☆

Die neue griechische Küche:
frisch – leicht – authentisch
Christina Mouratoglou & Adrien Carré
Fotos: Nicolas Buisson
Dorling Kindersley Verlag (2019)
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Dietmar Adam

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Es ist schon verblüffend. Während in meiner näheren Umgebung die Zahl kroatischer Restaurants rückläufig ist, hält sich die benachbarte Konkurrenz aus Griechenland erstaunlich gut. Mediterranes Feeling, Urlaubserinnerungen, fein gewürzte Fisch- und Fleischgerichte sowie Salate treffen anscheinend den Geschmack vieler, vor allem älterer Besucher. Um auch ein jüngeres Publikum anzusprechen, versuchen immer mehr griechische Lokale, aktuelle Trends aufzugreifen.

Das haben sich auch Christina Mouratoglou und Adrien Carré (Foto unten) auf die Fahnen geschrieben, als sie ihr Restaurant im angesagten Londoner Stadtteil Notting Hill eröffneten. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Als Fan griechischer Speisen war ich gespannt, worin sich dieser Wandel ausdrückt. Nun – sie folgen mehr oder weniger dem Konzept Ottolenghis, der sich mutig in anderen kulinarischen Regionen bedient. Die Kunst besteht dann allerdings darin, einen eigenen Stil zu entwickeln und nicht im kunterbunten Allerlei zu landen.

Kochbuchautoren Christina Mouratoglou & Adrien Carré

Frisch, leicht, authentisch

Frisch, leicht, authentisch sollen die Rezepte sein, verspricht der Untertitel. Nun ja, wenn ich mir so manche Fleischgerichte und Desserts betrachte, fällt mir nicht unbedingt das Adjektiv leicht ein. Leichtes findet sich eher im Kapitel Salate und Rohes. Doch auch da wird nicht mit Olivenöl gegeizt. Es sind schon überaus üppige Mengen, die bei manchen Gerichten vorgesehen sind: 480 ml Öl für die Weihnachtskekse bzw. einen Kuchen, 700 Gramm Zucker für das Grieß-Halva oder 3 kg Auberginen, die gegrillt werden sollen. Ganz zu schweigen von den 6 Lammkeulen für 6 Personen (ich vermute mal, es sind Lammhaxen gemeint). Neben einfachen, meist traditionellen Rezepten finden sich etliche, denen man anmerkt, dass sie sich im Restaurant bewährt haben und dort mit Routine und handwerklichem Geschick zubereitet werden, in der Küche eines Hobbykochs aber einigen Aufwand erfordern.

Kochbuch von Christina Mouratoglou & Adrien Carré: Die neu griechische Küche

Cooles Souvlaki

In ihrer Einleitung weisen die Autoren auf zwei Gerichte hin, die somit als Signature Dish gelten können. Beim coolen Souvlaki wird lange im Ofen gegarter Schweinebauch in Streifen geschnitten, in der Pfanne angebraten und dann zusammen mit karamellisierten Zwiebeln und Tomatenschnitzen in Reisblätter gerollt. Sehr fein, nicht nur optisch. Der Melomakarona-Kuchen ist dann nicht nur wegen der schon genannten 480 ml Öl eine üppige Angelegenheit, hinzu kommt noch ein Sirup mit 400 Gramm Zucker und 300 Gramm Honig, eine Schokoganache sowie optional eine Haselnusseiscreme. Uff! Da braucht man dann schon einen der Cocktails, mit denen das Buch beginnt und schließt.

Spanakopita dekonstruiert

Zum eher durchwachsenen Eindruck tragen auch zwei Versionen von Spanakopita bei, eines meiner griechischen Lieblingsgerichte. Bei einer trendigen dekonstruierten Variante werden in reichlich Olivenöl Frühlingszwiebeln und Spinat gegart, dann Feta untergemischt, während Filoteig separat als Rechtecke gebacken wird. Vereint und serviert wird dann alles in Gläsern. Hier habe ich die übliche bindende Käsecreme doch arg vermisst. Auch bei der anderen Variante, die der traditionellen Spanakopita ähnelt, aber statt Spinat eine schwer zu beschaffende Mischung aus Spinat, Brennnesseln und Palmkohl vorsieht, kommt für mich der Käse in der Béchamel etwas zu kurz.

Positives

Zum Weiterlesen

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Richtig begeistert hat mich nicht allzu viel. Die vegetarische Version der deftigen Moussaka überzeugt mit Shiitake-Pilzen, die den Umami-Geschmack des traditionellen Hackfleischauflaufs gut ersetzen. Zufrieden war ich dann vor allem bei traditionellen Rezepten wie einer Vorspeise aus Roten Beten, Joghurt und Walnüssen, den langsam geschmorten Lammhaxen oder dem unspektakulären, aber köstlichen Zaziki. Gefallen hat mir die optische Gestaltung mit vielen Appetit anregenden Fotos und stimmungsvollen Bildern aus Griechenland. Zufrieden war ich auch mit den Informationen zu den einzelnen Gerichten, den Alternativvorschlägen bei griechischen Käsesorten (im Gegensatz dazu wird jedoch bei den Kartoffeln ständig die hierzulande nicht erhältliche Sorte Maris Piper empfohlen, statt einfach auf mehlig kochende Sorten zu verweisen). Und gerne habe ich auch registriert, dass man der Versuchung widerstanden hat, aufwendigere Zubereitungen auf eine Seite zu pressen.

So hinterlässt das Buch bei mir gemischte Gefühle. Aus verschiedensten Gründen habe ich Gerichte, die ich beim ersten Anschauen interessant fand, dann doch nicht ausprobiert. Zu üppig, zu süß, zu aufwendig, zu trendig. Da bleibe ich dann doch lieber bei meinem Stammgriechen, seinen traditionellen Speisen, die seit Jahrzehnten auf der Karte stehen, aber immer wieder schmecken. Und zum Schluss einen Ouzo aufs Haus.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2020

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