Kochbuch von Christina Hubbeling: Esprit de Campagne

Kochbuch von Christina Hubbeling: Esprit de Campagne ★★★★☆

Esprit de Campagne
Rezepte aus einem französischen Landhaus.

Christina Hubbeling, Fotos Juliette Chrétien
AT Verlag (2014)
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Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Christina Hubbeling zählt sich zum eingeschworenen Kreis der Frankophilen, mehr noch, sie spürt eine mystische Verbundenheit speziell zum Burgund, die sie zu ihrem Landhaus-Kochbuch inspiriert hat. Nicht die klassische französische Küche, sondern der französische Esprit soll in ihren Gerichten zu spüren sein. Ob sich dieser Anspruch auch schmecken lässt, darauf bin ich gespannt.

Christina Hubbeling lebt und arbeitet in der Schweiz als Journalistin und schreibt Rezeptkolumnen für die Sonntagsausgabe der Neuen Zürcher Zeitung. Für ihr Kochbuch hat sie Rezepte und reichlich Landhaus-Impressionen aus ihrem Burgunder Maison de Campagne zusammengestellt, die zusätzlich mit Bildern vom Chateau-de-Vaulx aus dem 16. Jahrhundert geadelt wurden. Rezepte des Schlossherrn sind ebenfalls mit eingeflossen. Das Chateau wird als Gästehaus geführt und die dazugehörige Adresse findet man praktischerweise am Ende des Buches. Im Gegenzug prunkt auf der Homepage des Schlosses das Kochbuch. Eine geschickte Win-win-Strategie.

Das Cover im Stil eines verspielten und floralen Tapetenmusters stimmt mich auf die Epoche ein und ich frage mich, ob die Rezepte ebenfalls aus dieser Zeit stammen. Zum Glück nicht. Es sollen einfache Gerichte sein, die auch von weniger geübten Hobbyköchen nachkochbar, aber nicht banal sind. Firlefanz sei nicht ihr Ding, betont Christine Hubbeling. Schnecken lehnt sie ab und schickt ihre Gäste dafür ins nächstgelegene Restaurant. Mit Austern hat sie anscheinend weniger Probleme und passend zum Rezept erfährt man gleich noch, wo sie das Austernmesser erstanden hat. Auch daraus, woher das abgebildete Geschirr stammt oder die zahlreichen Kupfertöpfe auf dem Herd, macht sie kein Geheimnis. Überhaupt sind die Rezepte mit jeder Menge Anekdoten gewürzt und welche Abwandlungen je nach Region üblich sind, bis hin zu dem jeweiligen Markt oder Metzger ihres Vertrauens, bei dem sie einkauft. Suppen wählt sie passend zur Saison, genauso wie bei den Früchten zum Dessert. Na da wäre ich sonst wohl nicht darauf gekommen. Aber genug der Lästerei und ran an die Rezepte.

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Die Rezeptreihenfolge entspricht der eines üblichen Menüs: Vorspeisen, Hauptspeisen, Nachspeisen und zusätzlich einem kleinen Kapitel für den Vorrat. Doch schon nach kurzem Durchblättern macht sich Ernüchterung breit und die Lust auf’s Nachkochen schwindet bei mir rapide. Das kennt man doch eigentlich alles. Ja klar allesamt Klassiker, eingerahmt von Blumenarrangements, Einrichtungsgegenständen von der Modepuppe bis zu den Geweihen an der Wand und schönen Landschaftsaufnahmen, aber nur Wiederholungen bekannter Vorgänger-Rezepte?

Erst beim wirklichen Kochlöffelschwingen und dann hinterher bei den Ergebnissen muss ich so peu à peu eingestehen, dass viele ganz wunderbare Klassiker darunter sind, nur eben etwas in Vergessenheit geraten, wie z.B. die zwar hoffnungslos altmodische, aber nach wie vor köstliche Zwiebelsuppe. Und dann entdecke ich doch die eine oder andere Zutat, die eine moderne Geschmacksvariante reinbringt, wie z.B. der weiße Balsamico in die Kartoffelsuppe. Oder den lieblichen Zwiebelkuchen mit dem kräftigen Ziegenkäse. Den musste ich schon dreimal backen, weil er soooo gut schmeckt. Bei der Vielzahl an Newcomer-Rezepten in anderen Kochbüchern und exotischen Allerwelts-Gerichten tut so ein bodenständiger Klassiker zur Abwechslung richtig gut und wird auch meinen Gästen nun wieder häufiger aufgetischt. Zwischendrin ein wenig mehr Innovationen bei den nun wirklich sehr bekannten Rezepten wie dem Ratatouille oder Flammkuchen hätten allerdings auch nicht geschadet.

Wer echte französische Klassiker mit zum Teil kleinen eingesprenkelten Überraschungen mag, wer gedanklich gerne in historischen Gemäuern und seinen hochherrschaftlichen Parks weilt, kann sich diesem Augenschmaus hier ausgiebig hingeben. Die Rezepte sind wirklich lecker, unkompliziert und ausreichend Schritt für Schritt beschrieben, so dass auch Ungeübte gut damit klarkommen. Keine exotischen oder exorbitant teuren Zutaten und der Anspruch stimmt: alles andere als banal. Eben Klassiker!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2014

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