Kochbuch von Christian Rach: Rach kocht

Kochbuch von Christian Rach: Rach kocht ★★★★☆

Rach kocht: Morgens, mittags, abends
– lustvoll und gesund

Christian Rach, Susanne Walter, Fotos Wolfgang Schardt
Edel Verlag (2010)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Andrea aus Wuppertal, Annahita aus Bochum und Annick aus Veitshöchheim waren die Testerinnen des Kochbuchs Rach kocht. Sie nahmen die Aufgabe voller Kochvergnügen an und probierten sehr viele Rezepte aus. Ihre Meinung über Christian Rachs Kochbuch in der Praxis!

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

rachIch habe schon immer gern gekocht, seit ich bei Mama ausgezogen bin, aber seit ich meine Kinder (9 und 8 Jahre) habe, hat das Thema Kochen natürlich noch viel mehr an Bedeutung gewonnen…
Ich benutze Kochbücher hauptsächlich, um neue Gerichte zu kochen und eher am Wochenende, wenn man etwas Neues ausprobieren möchte. Meine Kochbücher sind mit vielen Post-its gespickt, haben hier und da kleine Anmerkungen und Ergänzungen zu den Gerichten, die ich schon gekocht habe.

rachDen Anfang machte sicherlich meine Mutter, da sie mich bereits als Kind immer zum Mitbacken animiert hat; aber auch das Kochen hat sich bereits früh zum Hobby entwickelt, vor allem während und nach der Abizeit. Die Kochbücher kamen nach und nach, zunächst erstmal wegen der verführerischen Bilder, später wegen der Vielfalt an Rezepten – ob nun klassische Mehlteig-Süßspeisen oder ausgefallene Rezepte von Sterneköchen. Meistens wandle ich die Rezepte jedoch ab und nutze sie als Vorlage und Inspirationsquelle.

rachIch koche seit gut zwanzig Jahren und nutze Kochbücher v.a. als Quelle der Inspiration für neue Techniken und Kombinationen, hinterfrage aber den potentiellen Erfolg auf der Basis meiner eigenen Erfahrung. Ich suche das Kochabenteuer und bin gerne bereit, Neues auszuprobieren.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

rachBeim ersten Stöbern hat mir besonders die Unterteilung morgens- mittags- abends gefallen. In den meisten Kochbüchern, die ich kenne, ist das nicht der Fall. Die Fotos sahen sehr appetitlich aus, die vielen Informationen zu den einzelnen Themen zwischendrin finde ich sehr ansprechend und wesentlich informativer und zeitgemäßer als in den meisten Kochbüchern. Was mir besonders aufgefallen ist, sind die vielen Salate und Rohkostgerichte und das viele frische Gemüse…! Es macht einen “modernen”, gesunden Eindruck.

rachDas Buch ist gegliedert in 3 große Kapitel morgens-mittags-abends und informiert zwischendurch immer wieder über den wertvollen Gehalt und anderes Wissenswertes der verwendeten Zutaten. Das hat mich persönlich am meisten beim ersten Durchstöbern überzeugt, da mittlerweile ja doch eine sehr große “Koch-Community” entstanden ist, die sich mit gesunden Lebensmitteln lieber selbst zu Hause was kocht. Überhaupt fiel mir als Erstes der Begriff “gesund” ein, aber definitiv mit einer Vielzahl von ansprechenden Bildern und zum Teil auch neuen Rezepten.

rachEine Sammlung moderner, internationaler Gerichte, auffallend viel Bekanntes, manches verwundert; ob es sich bewährt? Kaum ausgefallene Zutaten, was auf Alltagstauglichkeit hoffen lässt. Rachs Konzept gesunder Ernährung ist undogmatisch: eine in den Zutaten der individuellen Verträglichkeit und in der Menge der körperlichen Aktivität angepasste Ernährung aus möglichst frischen und wenig vorgefertigten Lebensmitteln.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

rachAls erstes habe ich das Gericht Pasta mit Rindfleisch, grünen Bohnen und Gorgonzolasauce gekocht. Das Rezept ist super, einfach und unkompliziert und das Ergebnis ist sehr lecker. Mein Vorschlag wäre allerdings, eine Alternative zum Gorgonzola anzugeben, da Gorgonzola von Kindern z. B. nicht so gern gegessen wird.

Danach habe ich Entenbrust auf Glasnudelsalat mit Teriyakisauce gekocht. An diesem Rezept fand ich besonders die Anleitung zur Zubereitung der Teriyakisauce toll, schmeckt sehr frisch, etwas aufwändiger, aber sehr lohnenswert. (Würde ich gerne dem Asiaten um die Ecke ans Herz legen! )

Zuletzt Lamm Pita: Ein ganz tolles Rezept, das Pitabrot super lecker, als einzigen Kritikpunkt muss ich hier die Reihenfolge im Rezept angeben. Da wird das Lammhack als Erstes angebraten, dies würde ich erst nach Fertigstellung der Sauce und der anderen Zutaten zubereiten, da Lamm richtig heiss einfach besser schmeckt und die Joghurtsauce mit dem Knoblauch noch ein wenig ziehen kann…

rachSelbst gemachtes Knuspermüsli: Ich liebe es, mein Müsli selbst zusammenzuwürfeln, deswegen musste ich dieses Rezept sofort ausprobieren und wurde nicht enttäuscht: die Auswahl der Trockenfrüchte wie Sauerkirschen und Datteln waren mal eine nette Abwechslung und die Kombination aus Zucker und Honig ist eine gute Balance zwischen Zusammenhalt der Haferflocken und knuspriger Konsistenz!

Krabbenbrötchen: Toll mit Papaya und Dill!

Omelett mit Tomaten, Ziegenfrischkäse und Basilikum: Ein guter Klassiker, aber besonders intensiv durch den Ziegenkäse!

Rucola-Dip und Focaccia: Der Dip war super; der Rucola war nicht zu dominant, aber der Hauptgeschmacksgeber. Die Focaccia hingegen war mir zu trocken und knusprig; ich mag sie lieber fluffig und hätte mir ein intensiveres Thymian- und Rosmarinaroma gewünscht.

Mediterranes Ofengemüse: Super aromatisch und schnell herzustellen! Das Rezept – obwohl doch so einfach – hat mir viele Komplimente beschert!

Curry-Bananenbrot mit Avocado und Tomate: Bananenbrot mal anders! Zwar schmeckte es auch süßlich, aber dennoch herzhaft; vor allem mit dem Tomaten-Pinienkern-Belag konnte es gut punkten, wobei die Avocado sehr gereift sein muss, um ein wenig Geschmack mit beizufügen!

Gebratener Zander auf Sauerkraut mit karamellisierten Äpfeln: Tolle Kombination und super leicht!

Lammkarree mit Kichererbsenpüree und Tomatensalsa: Das Kichererbsenpüree ist ein definitiver Gewinn in meiner Rezeptesammlung! Ich werde es allerdings mal in Kombination mit Karftoffelpüree versuchen, um eine geschmeidigere Konsistenz zu erzielen!

Basilikum-Gnocchi mit Tomaten: Gnocchi sind so schnell und einfach herzustellen und diese Variation mit Basilikum macht sie umso verlockender!

Spaghetti mit Walnusspesto: Ein absolutes Muss für Experimentierfreudige! Das Rezept lachte mich am meisten aus dem Buch an und ich habe es mir bis ganz zum Schluss aufgehoben! Mein Fazit: Super Pesto, das die Süße aus dem Gericht nimmt und dem Gericht das gewisse Etwas verleiht!

rachTOP: Birchermüsli: Großartig, ich gebe mein bisheriges Rezept hierfür auf. Die Kombination mit gerösteten, gemahlenen Nüssen und karamellisierten Flocken ist göttlich; habe jahreszeitbedingt die frischen Erdbeeren durch TK-Himbeeren ersetzt. Von der Aufteilung der Arbeitsschritte würde ich allerdings auch das Rösten der Nüsse sowie das Karamellisieren der Haferflocken auf den Vorabend verlegen (luftdicht aufbewahren), damit wäre das Rezept auch bei morgendlicher Hektik alltagstauglich. Mittags hatten wir wieder kräftigen Hunger, aber der Vormittag verlief ohne Leistungstiefs.

Ei im Glas mit Vollkorncroûtons, Nordseekrabben und Gartenkresse: Stieß bei meiner besseren Hälfte auf derartige Begeisterung, dass er meine Portion gleich mitgegessen hat. Besonders gefallen hat ihm der reine, leichte Charakter dieses durchaus sättigenden Gerichtes. Werden wir sicherlich wieder kochen, mit zwei Änderungen: serviert wird auf einem Teller und die Eier werden pochiert.

Pasta mit Rindfleisch, grünen Bohnen und Gorgonzola: Da ich nicht alle Zutaten im Haus hatte, habe ich die grünen Bohnen durch Brokkoli ersetzt und die Hälfte des Rindfleisches durch Shitake Pilze. Überzeugend: die Soße aus mit Brühe abgelöschtem Bratenfond und zerkrümeltem Gorgonzola, auch die gerösteten Kürbiskerne haben mir gut gefallen. Weniger gut, das nach Anleitung gekochte, leicht zähe Fleisch. Ich kann mir das Gericht mit Bohnen gut vorstellen, würde aber die Pilze beibehalten, da sie eine zusätzliche, feine Note ins Spiel bringen. Die 2 Minuten, welche die al dente gegarten Nudeln in der Soße erwärmt werden, sollten bei der Kochzeit mit eingerechnet werden, wenn man sie noch al dente essen will. Und warum einzelne Zutaten vorkochen, abkühlen lassen und gemeinsam erwärmen, statt alles zeitlich perfekt zu koordinieren?

Spiegelei mit Chorizo, Paprika und Gurke: Gut, aber schwerer und fettiger als das Ei im Glas.

Omelett mit Tomaten, Ziegenfrischkäse und Basilikum: Kennt man, schmeckt.

FLOP

Mango-Joghurt-Schümli: Geschichtet: frische Mango, Naturjoghurt, crushed ice, Milchkaffee und Milchschaum. Merkwürdig, unpraktisch und zu wenig (ein halbes Glas Kaffee und eine kleine Portion Früchtejoghurt?). Ich serviere in zwei Gläsern, damit ich abwechselnd essen und trinken kann und sich garantiert kein Joghurt mit Kaffee mischt. Und ohne Eis bleibt auch der Kaffee heiß. Ich hatte ganze drei Portionen gegessen und griff knapp zwei Stunden später vor lauter Heißhunger verzweifelt nach dem nächsten Keks: als alleiniges Frühstück durchgefallen!

Ofenpoularde mit Fächerkartoffeln: Diese fettarme Variante eines gebratenen Hähnchens ist vor allem eines: enttäuschend. Dieses Rezept hat ein Federvieh von wunderbarer Qualität, das nach unserem Standardrezept eine wahre Wucht wird, in ein mittelmäßiges, trockenes und geschmacksarmes Gericht verwandelt. Die Fächerkartoffeln: hübsch – aber gegessen hat sie keiner…

Orangenlimonade: Obwohl ich die Menge an Zitronensaft gegenüber der im Rezept angegebenen Menge um ⅓ reduziert hatte, erschlug der Zitronengeschmack die mildere Orange.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

rachZur Optik / Layout / Fotos etc.: Gibt es von mir keine Kritikpunkte, die Fotos sind toll, alles wirkt frisch und sehr appetitlich, so wie es in einem Kochbuch sein soll.

rach Das Layout ist durch die Gliederung praktisch und ermöglicht das schnelle Finden von den passenden Rezepten; außerdem ist jedes Rezept mit einem Foto illustriert, was natürlich die Verlockung größer macht und zudem auch zeigt, dass bodenständige Rezepte toll angerichtet mehr hermachen als die Zutatenliste manchmal ahnen lässt. Als Bonuspunkt empfinde ich die Extra-Seiten mit den Informationen zu einigen Lebensmitteln, weil einem so nochmal bewusst wird, was worin steckt und wie gesund die einfache und schnelle Küche sein kann!

 

rachJedes Rezept ist mit einem ansprechenden Foto illustriert. Sympathisch: der gähnende Koch als Titelbild des Frühstückskapitels. Das Layout ist übersichtlich, die Verzeichnisse vernünftig aufgebaut, die Optik ist insgesamt sehr anregend und benutzerfreundlich. Ein weiteres Plus ist das Lesebändchen, das ich gerne in jedem Kochbuch sehen würde.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

rachTolle, frische Rezepte, die unkompliziert und dennoch nicht alltäglich und auch für ungeübtere Köche gut nachzukochen sind. Besonders gefallen hat mir die Frische der Rezepte, da frisches Gemüse und Salate meist die Hauptrolle spielen. Ich würde mir dennoch etwas mehr Kinderkompatibilität wünschen, da ich einige Rezepte doch für den Alltag als zu aufwändig empfinde bzw. viele Zutaten von Kindern nicht so gern gegessen werden. Ansonsten ein durchweg gelungenes Werk von Herrn Rach, das sicher noch häufig zum Einsatz kommen wird.

rachEin sehr bodenständiges und praktisches, gleichzeitig aber auch anregendes Kochbuch, das manche Klassiker wie Müsli und Pizza erweitert und neu definiert, aber auch Gerichte der nah-und fernöstlichen Küche vorstellt und ein schmackhaftes Erlebnis verspricht.

rachDie Aufteilung morgens-mittags-abends ist ein guter Ansatz, wobei Mittag- und Abendessen austauschbar sind. Realistischer fürs Mittagessen wären Rezepte, die sich zur Arbeit/Schule etc. mitnehmen ließen, was hier nur bedingt zutrifft und auch nicht thematisiert wird. Für eine Neuauflage meiner Ansicht nach ein Desideratum.

Schwerer wiegt, dass das Buch in seiner Zielgruppe unentschlossen ist. Für einen erfahrenen Koch bietet es zu wenig Neues, ich habe kaum ein Rezept gefunden, das ich nicht bereits in ähnlicher Form kenne; für einen ungeübten Koch wird dagegen oftmals zu viel vorausgesetzt, ein genaues Befolgen der Rezepte ist umständlich und führt nicht per se zu guten Ergebnissen. Die Mengen fand ich keineswegs verlässlich, mal zu großzügig, mal zu gering bemessen. Teilweise nimmt der visuelle Effekt einen zu hohen Stellenwert ein, Geschmack und auch Essbarkeit schätze ich höher ein. Die Alltagstauglichkeit könnte durch viele kleine Korrekturen deutlich erhöht werden, z. B. wäre eine Formel zur Berechnung der Garzeit hilfreicher als der Auftrag, eine Poularde von 1,6 kg zu verwenden. Besser durchdacht sollten auch Aufteilung, Koordination und Notwendigkeit von Arbeitsschritten sein. Ein Beispiel: warum soll man fürs Birchermüsli Äpfel und Birnen vierteln und entkernen, dann raspeln, wenn es weitaus einfacher ist, ganze Früchte bis auf den Kern zu raspeln?

Fazit: Gerne würde ich mich von diesem hübschen Buch und dem sympathischen Autor bezaubern lassen, aber zu mehr als lauwarmen Gefühlen reicht es nicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2011

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