Kochbuch von Christel Rosenfeld: Rezepte aus dem Kräutergarten

Kochbuch von Christel Rosenfeld: Rezepte aus dem Kräutergarten ★★☆☆☆

Rezepte aus dem Kräutergarten
Christel Rosenfeld, Dorling Kindersley (2013)
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Annick Payne

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Mein erster Eindruck zu „Rezepte aus dem Kräutergarten“ war, dass der Dorling Kindersley sich im Printformat geirrt haben muss. Ist hier zufällig der Inhalt eines populären Land-Idylle-Magazins (Extraheft: Landrezepte!) im Kochbuch- statt im Zeitschriftenressort gelandet? Vor mir breiten sich etwa hundert Rezepte und gefühlt deutlich mehr Fotos aus. Ein Fotoband mit Rezepten oder doch ein Kochbuch? Ich bin gespannt.

Kräuterküche ist eigentlich ein dankbares Thema, weil es kein Gericht gibt, das man nicht durch den Gebrauch von Kräuter aufpeppen und in einen derartigen Band aufnehmen könnte. Kräuterküche, das ist ein Spektrum von einfach (s.u., „Nachgekocht“) bis zu den aufregenden Kreationen eines Ottolenghi. Christel Rosenfeld dagegen scheint ihrer Leserschaft nicht allzu viel Aufregung zumuten zu wollen. Von einem Feuerwerk unterschiedlichster Aromen ist man hier weit entfernt. Die Rezepte wirken bodenständig, allerdings den vielen Abbildungen untergeordnet.

Die Fotos sind auf Hochglanz poliert, von regelmäßiger, ewig gleicher und für meinen Geschmack oberflächiger Schönheit. Als Illustration eines Rezeptes finde ich sie fragwürdig. Nach dem Grundsatz: „mehr ist mehr“, werden auf den Rezeptfotos viele Kräuter abgebildet, die sich im dazugehörigen Rezept nicht wiederfinden, ebenfalls glänzen mir Einzel- bis Doppelfotoseiten entgegen, die sich auf gar kein Rezept zu beziehen scheinen – Kräuterstilleben als integraler Teil der Kräuterküche. Andere Fotos versuchen, zwei danebenstehende Rezepte gleichzeitig abzubilden, so finde ich neben den Rezepten für Zaziki und Dill-Gurkensalat eine Schüssel Joghurt, auf der sich Gurkenstückchen mit dem Dill des Salates türmen, alibihaft liegt ein einzelnes Blättchen Minze als Verweis aufs Zazikirezept daneben. Obligatorisch ist hier, wie auf so vielen Fotos, eine aufgeschnittene Zitrone, die in keinem der beiden Rezepte vorkommt. Für ein Kochbuch ist mir das zuviel Diskrepanz zwischen Bild und Rezept.

Der Band ist in die vier Kapitel Kräutergarten, Gemüsegarten, Fleisch und Fisch sowie Obstgarten unterteilt. Kurze Texte widmen sich den Themen Wildkräuter, essbare Blüten, Würzkräuter für Suppen, Saucen und Braten und Aromen für die Asia-Küche (ohne eigene Rezepte; irrigerweise hielt ich diese Einträge im Inhaltsverzeichnis zuerst für Unterkapitel). Eine Kurzvorstellung der 15 gängigsten Kräuter, Herkunft und bekannteste Gerichte, bietet den Einstieg in die Kräuterküche. An dieser Stelle werde ich auch zum ersten Mal mit Küchentipps, hier in Form einer niedlichen Wolke, konfrontiert: „Wenn die Kräuter nicht aus dem eigenen Topf kommen, vorsichtig waschen und trocken schütteln“. Der weitere Verlauf dieser wertvollen Tipps zeigt, dass mir als Leserin nicht gerade viel zugetraut wird. Man stelle sich vor, Kräuterquark schmeckt nicht nur auf Brot, sondern passt auch zu Pellkartoffeln! Joghurtdrink kann (muß?) man in Gläsern servieren, eventuell zusätzlich kühlen!! Mir wird geradezu schwindelig. Verweise auf kleine Abwandlungen, die aus einem Gericht etwas „Raffiniertes“ machen, oder Sätze wie „wer ausgefalleneres Grünzeug braucht, kann sich auf großen Märkten versorgen“ hinterlassen mich sprachlos. Wo befinde ich mich hier?

Es wird nach dieser Einleitung nicht verwundern, dass die Rezepte eher einfacherer Natur sind. Kritischer sehe ich die Tatsache, dass Rosenfelds Kräuterküche keine mir erkenntliche Zielgruppe bedient. Wen verlangt es nach Rezepten, deren größtes Merkmal eine angehübschte Fotografie ist? Die Kräuterküche könnte auf vielfältige Weise beglücken, zeigt aber keine Ambitionen. Das mit Abstand exotischte Rezept sind in Teig frittierte Salbeiblätter, die raffinert werden, wenn man z.B. Parmesan unter das Mehl mischt. Wenig beeindruckend finde ich auch die wiederholt beschworene Austauschbarkeit der Kräuter, die mich an Sinn und Zweck der Rezepte zweifeln lassen. Wenn sowieso jede Menge/Auswahl an Kräutern zu empfehlen ist, wozu brauche ich dann ein Rezept, geschweige denn ein ganzes Kochbuch?

Ich hätte zuerst den Umschlag lesen sollen: der Band rühmt sich seiner stimmungsvollen Stilleben, die Autorin ist Fotografin der meistverkauften deutschen Küchenkalender und aufwendig inszenierter Blumensträuße. Das erklärt Fotolastigkeit, Stil und untergeordnete Rolle der Rezepte. Wer im Impressum nachliest, wird feststellen, dass die Autorin nur für einen Teil der Fotografien und Texte verantwortlich zeichnet. Ein Fanprodukt also, um dessen Verkaufszahlen man sich unabhängig vom Inhalt wohl keine großen Sorgen machen muss.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2013

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