Kochbuch von Christa Schmedes, Martina Kittler: Kuchenwunder

Kochbuch von Christa Schmedes, Martina Kittler: Kuchenwunder ★★★☆☆

Kuchenwunder: Süße Verführung, überraschend anders & gesund
Christa Schmedes, Martina Kittler, Fotos Mona Binner, GU (2012)
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Annahita Aryafar

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Besonders für Bäckerinnen mit Abenteuerlust

Nach all den Naschereien während der Adventszeit und den gesunden Vorsätzen zum neuen Jahr traf dieses Buch der Kuchenwunder das perfekte Timing: suggeriert es doch eine Legitimität, nicht auf das Dessert verzichten zu müssen, da Gemüse und Co. den Zucker-und Fettgehalt reduzieren und zudem mit Vitaminkick auftrumpfen.

Ganz ehrlich: Rein optisch betrachtet ist “Kuchenwunder” keine Rezeptesammlung, die mich zum Nachkaufen verführen würde. Sowohl das Titelbild (eine dreischichtige Torte, die augenscheinlich mit Roter Beete angereichert wurde) als auch die Rezeptfotos kommen zwar dekorativ aber steif daher und die blassen Hintergrundfarben wiederholen häufig, so dass wohltuende Akzente ausbleiben.

Ähnlich wie bei Annick Weckers Süsse Sachen fühle ich mich ein wenig in die frühen 50er versetzt – alles sehr süss und fein und damenhaft gestaltet. Das steht im starken Kontrast zu einem Thema, das auf Abenteuerlust baut. Mitreißend sieht anders aus. Aber: die Kuchen und süssen Teilchen sehen appetitlich und fein hergemacht aus.

Der Sinn der Kapitelbezeichnungen Kuchen für jeden Tag und zum Aufbewahren, Kuchen frisch am besten, Blechkuchen und gefüllte Teilchen blieb mir verborgen. Praktisch und übersichtlich fand ich die Auflistung der Zutaten, der Backformen, der Zubereitungszeit und – wen es interessiert – des Kaloriengehalts pro Stück (wenn schon, denn schon… ).

Ein Blick auf die jeweiligen Kuchentitel hingegen bewirkt gleich ganz andere Regungen: Buchweizentarte mit Erbsen-Pistazien-Creme, Schokokäsekuchen mit Oliven oder Schokokuchen mit weißen Rübchen? Egal – ob Hobbybäcker oder nicht, wer da nicht zuckt und überrascht schluckt, hat auch noch keinen Supermarktregal durchsucht: da tummeln sich herbe weiße Rübchen nicht neben Raspelschokolade und Erbsen neben Vollkornbutterkeksen… was aber auf manche erschreckend und widersprüchlich wirkt, eröffnete mir den Blick auf eine ganz neue, erweiterte Dessertwelt! Den Rührkuchen immer auf dieselbe Art zu mischen, ist doch irgendwann einfallslos, wieso nicht ein wenig Pepp in die ganze Angelegenheit bringen und mit pürierten roten Bohnen oder Süsskartoffeln schummeln? Her mit dem Abenteuergeist.

Bevor es also ans Nachbacken ging, interessierte mich die Einleitung, in der die Autorinnen neben Mehlsorten und diversen Süssungsmitteln die geheime Ingredienz, das Gemüse, beleuchten. Dabei geht es viel mehr um den Effekt, den das jeweilige Gemüse in verarbeiteter Form bewirkt als um den gesundheitlichen Charakter, der für mich hier auch wissenswert gewesen wäre, wenn man sich schon auf diese neue Art des Backens einlässt. Dies hätte ich zumindest erwartet von einer Mitautorin, die von Hause aus Ökotrophologin – sprich Ernährungswissenschaftlerin – ist.

Lobenswert finde ich, dass als oben erwähnte Süssungsmittel tatsächlich der (weiße) Zucker kaum Beachtung findet und ersetzt wird durch natürliche Süssmacher. Manchmal sind es auch einfach der gesunde Honig, Apfeldicksaft oder eine Mischung aus Trockenfrüchten.

Geschmackliches Ergebnis war bei den ausprobierten Rezepten durchweg positiv, wenn auch nicht überwältigend. Da ich manche Vorbehalte von meinen Testen kannte, habe ich erst im Nachhinein das jeweilige Geheimnis verraten. Zur Belustigung aller wäre niemand darauf gekommen – das spricht für sich, denn die scharf-herbe Note der weissen Rübe wünscht man sich nicht im Schokokuchen.

In puncto Konsistenz war ich allerdings manchmal enttäuscht und sehe den Fehler mitunter in der Anleitung: wenn ich steif geschlagenes Eiweiß unter eine Masse hebe, sollte ich nicht im Anschluss wieder Mehl untermischen; entgegen meines Unbehagens folgte ich aber treu dem Rezept und sah mich am Ende mit einem eingefallenen, dichten Nougatkuchen konfrontiert, der in Souffléform so viel besser hätte sein können!

Für mich das Fazit: Als Lehrbuch der Kuchenkunst darf man Kuchenwunder nicht zu Rate ziehen, wer sich aber nicht vor ungewöhnlichen Zutaten in Süsswaren scheut und Freund der gesünderen Variante von Sahnetorte & Co. ist, wird in diesem Buch Anreize zu Novitäten und auch einige überraschend gute Geschmackskombinationen finden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2013

5 Kommentare

  1. Fabienne

    Lobenswert finde ich, dass… tatsächlich der (weiße) Zucker kaum Beachtung findet…Manchmal sind es auch einfach der gesunde Honig…” Von “gesundem” Honig zu reden finde ich nicht korrekt. Ernährungsphysiologisch ist Honig genauso zu bewerten wie gewöhnlicher Haushaltszucker (enthält bis zu 80%!)

    • Katharina

      Das ist interessant. Gefühlt macht es irgendwie einen Unterschied.

      • Fabienne

        Geschmacklich auf jeden Fall, da gebe ich dir völlig Recht 🙂 Nur leider nicht

  2. Kate

    Hm, ist die Autorin vielleicht schnell auf den Wagen aufgesprungen, nachdem sie gesehen hat, dass es das schöne Buch von Harry Eastwood \“Red Velvet and Chocolate Heartache\” nicht auf deutsch gibt?

  3. Sylvi

    Möhren in Kuchen kennt man ja schon zur Genüge, aber ist es nicht eigentlich paradox, wenn man das Gemüse vorher in Öl dünsten und dann im Kuchen “verwursten” muss, um hinterher nichts davon zu schmecken? Da lob ich mir doch ein Auberginenröllchen oder eine Pastinakensuppe, wo das Gemüse glänzen darf. Aber Hut ab vor deiner Experimentierlust.

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