Kochbuch von Chrissy Freer: Supergrains

Kochbuch von Chrissy Freer: Supergrains ★★★☆☆

Supergrains. Über 100 Rezepte mit
Chia, Amaranth, Quinoa & Co.
Chrissy Freer
Fotos Julie Renouf
Südwest Verlag (2015)

Stefanie Will

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Eins gleich vorweg: Nein, das Cover ist nicht besonders ansprechend. Und auch die Haptik, nun ja … der labbrige Pappumschlag kann mit vielen hochwertig gemachten Kochbüchern nicht mithalten. Aber wir wollen ja nicht oberflächlich sein. Und außerdem stehe ich bekanntlich auf Superfoods. Und auf Grains, also Körnerfutter. Klar, dass ich nicht ablehnen konnte, als „Supergrains“ bei mir auf dem Küchentresen landete!

Wirft man einen Blick hinter die öde Fassade, tut sich eine ganz neue Welt auf. Das Inhaltsverzeichnis jedenfalls ist vielversprechend und deckt alles ab, was das gesunde Körnerherz begehrt, klar unterteilt nach Sorten: Quinoa, Amaranth, Buchweizen, brauner Reis, Chia, Hirse, Hafer, Dinkel und Kamut, Gerste, Emmer und Grünkern. Es folgt eine angenehm überschaubare, aber sehr informative Einleitung, in der Chrissy Freer erklärt, was Supergrains eigentlich sind (im Grunde genommen das gleiche wie Superfoods, nur halt in Körnerform) und was sie für die Gesundheit tun können (alles!). Zwei Tabellen zeigen zudem übersichtlich, wie man das jeweilige Korn zubereitet, wie es schmeckt und zu was es besonders gut passt. Top!

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Während ich diesen Text schreibe, löffle ich die Suppe

Jedes Kapitel startet mit einem detailreichen Einführungstext zu dem jeweiligen Getreide mit kleinen Tipps für die Zubereitung. Ich stürze mich auf die Tomatensuppe mit Kichererbsen und Quinoa, da ich die Zutaten ohnehin immer zuhause habe. Und ich bin begeistert! Ohne Witz: Während ich diesen Text schreibe, löffle ich die Suppe – so lecker und wunderbar sättigend, dass ich sie gerade an kalten Tagen oft und gerne zubereite. Meine Begeisterung war geschürt – währte jedoch nicht übermäßig lange …

Der würzige Quinoa-Süßkartoffel-Salat war zwar würzig, aber auch trocken und passte genau in die Schublade, in die vollwertige Ernährung gern gesteckt wird: langweilig. Wem es nur darum geht, gesund zu essen, der wird mit diesem Rezept vielleicht nicht mega-glücklich, kann sich aber zumindest im guten Gewissen suhlen. Echte Genießer lockt man damit nicht hinterm Ofen hervor. Selbiges gilt leider auch für den Reissalat mit geröstetem Kürbis und grünen Bohnen.

Aber wir sind ja unerschrocken, was Rezensionen angeht. Also ran ans Fett! Sprich: Mit dem Graupen-Spinat-Salat mit Tofu und Miso-Dressing und einer cremigen Avocado als Topping kann doch nichts schiefgehen – so viele Lieblingszutaten in einer Schüssel! Und tatsächlich: Noch ein Rezept, das ich immer wieder gern zubereite. Vor allem das Dressing aus Misopaste, Mirin, Tamari und Reisweinessig ist ein völlig neues Geschmackserlebnis!

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Die Zutaten – gut beziehbar

Was die Zutaten angeht, sind die letztgenannten die wohl exotischsten im ganzen Buch – nur für den Fall, dass ich Sie jetzt abgeschreckt haben sollte. Ja, das eine oder andere Rezept verlangt den Gang zum Asia- oder Biomarkt, im Großen und Ganzen aber bekommt man alles in jedem einigermaßen gut sortierten Supermarkt. So auch die Zutaten für die Dinkel-Buttermilch-Pfannkuchen mit Honigbutter und Erdbeeren. Zugegeben: Aus Ermangelung an frischen Erdbeeren musste ich auf gefrorene zurückgreifen, aber ich MUSSTE dieses Rezept einfach ausprobieren. Doch wie bei so vielen der über 100 Rezepte, die sich auf 220 Seiten verteilen, bekam meine Vorfreude auch hier einen kleinen Dämpfer verpasst. Lecker waren die Pfannkuchen, ja, aber irgendwie auch unspektakulär. Gesund. Aber nicht aufregend.

Andere Rezepte wiederum waren aufregend, aber nicht die Ausgeburt kreativer Kochkunst. Die meisten von uns brauchen wohl kein Kochbuch, um zu wissen, wie man eine Dinkelpizza zubereitet – mit Dinkel- statt Weizenmehl. Wahnsinn. Und dass Haferflocken einem Früchte-Crumble Extra-Biss geben, ist auch nichts Neues. Dennoch: Lecker waren sie beide, das kann ich den Rezepten nicht absprechen.

Ein solides Buch für alle, die mit den verschiedenen Körnersorten, die sich seit einiger Zeit zuhauf in den Regalen der Bio- und auch Supermärkte drängen, noch nicht so recht was anfangen können – es aber gern würden. Übersichtlich und informativ ist es allemal. Die Gerichte sind durchwachsen, mal mehr, mal weniger lecker. Katastrophenrezepte sind nicht dabei, aber eben auch nur sehr wenige, die Kochherzen wirklich höher schlagen lassen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2016

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