Kochbuch von Chris und Carolyn Caldicott: World Food Café

Kochbuch von Chris und Carolyn Caldicott: World Food Café ★★★☆☆

World Food Café: Vegetarische Gerichte aus aller Welt
Chris und Carolyn Caldicott, Fotos James Merrell
Verlag Freies Geistesleben (2010)

Stefanie Czybik

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Schade!

Das englische Ehepaar Caldicott, Betreiber des Londoner Café World Food Café, präsentiert in seinem gleichnamigen Kochbuch vegetarische Rezepte aus allen Regionen dieser Welt. Vor zehn Jahren erschien die Originalausgabe, nun die deutsche Übersetzung, was die nicht ganz zeitgemäße Optik des Buches erklärt. Meine Neugierde auf den Longseller wich der Ernüchterung. Nein, mitgerissen hat mich das Kochbuch leider nicht. Das hatte viele Gründe.

Essen wie im Restaurant – das Kochbuch „World Food Café“ will das seinen Fans ermöglichen. Es enthält Gerichte, die Carolyn und Chris Caldicott seit fast zwanzig Jahren auch in ihrem gleichnamigen Londoner Café servieren. Sie sind nicht nur als Vegetarier gemeinsam um die (halbe) Welt gereist, sondern teilen auch das Interesse für die traditionelle Küche ihrer Reiseländer. Das lässt hoffen, dass das Buch erprobte und ausgefeilte Rezepte bietet.

Die vier Kapitel beschäftigen sich dabei mit den Regionen „Der nahe Osten & Afrika“, „Indien, Nepal & Sri Lanka“, „Südostasien & China“ sowie „Amerika“. Die Rezepte der einzelnen Kapitel sollen ganz bewusst keinen Komplettüberblick über das Essen der jeweiligen Regionen geben, vielmehr stellen die Caldicotts das vor, was ihnen auf ihren Reisen gut geschmeckt hat. Dabei gilt: Alle Speisen sind vegetarisch (viele auch vegan) zubereitet, zu den Gerichten passende Salate, Soßen und Chutneys werden nicht vergessen und eine besondere Rolle spielen Gewürze.

caldicottDie Zubereitung der einzelnen Rezepte gelingt sicherlich auch Kochanfängern leicht (Foto links: die Caldicotts). Oft werden alle Zutaten in einem Topf gebraten oder gekocht, das hält den Kochvorgang doch recht übersichtlich. Diese Art Pfannengerichte sind natürlich immer sehr praktisch, aber etwas mehr Variation hätte ich mir schon gewünscht. Beim Nachkochen muss man sich darauf einlassen, dass viele Rezepte keine Zeitangaben machen, was Erfahrung oder Flexibiltät voraussetzt. Zeitangaben hätten mir bei den nachgekochten Rezepten als grobe Orientierung doch geholfen. Denn erschwerend kam hinzu, dass – es wird wohl an der Übersetzung liegen – die Kochanweisungen mitunter sprachliche Klarheit vermissen ließen. In mehreren Rezepten gibt es ähnlich formulierte Kochanleitung, die mich ratlos zurückließ: Das Gemüse soll zunächst „weich dünsten“, dann soll es noch weiter köcheln bis „das Gemüse weich gekocht ist“. Außerdem war mir aufgrund der mangelnden Zeitangabe oft nicht klar, wann ich den Reis zubereiten soll (der nahezu bei allen Gerichten als Beilage dient). Das trübte mein Kochvergnügen deutlich.

Erfreulich war, dass die Gemüsezutaten oft weniger exotisch – als von mir angenommen – waren (zugegebenermaßen hat einer meiner bevorzugten Gemüsehändler regelmäßig Süßkartoffeln im Angebot). Schwierig wurde es aber bei einigen Gewürzen und Kräutern, vor allem bei Rezepten aus dem asiatischen Raum. Eine ganze Reihe waren nicht in meinem recht gut sortierten Supermarkt zu finden (z. B. schwarze Senfkörner). Zwar war das Zusammenspiel der Aromen wirklich interessant für mitteleuropäisch geprägte Gaumen, mir persönlich waren die ausprobierten Rezepte jedoch fast immer zu scharf. Die Rezepte überzeugten mich überwiegend nicht so richtig. Auch bei den Zutaten war die Übersetzung übrigens nicht immer stringent. So benutzte ich edelsüßen Paprika als mit „Paprika“ gewürzt werden sollte, kam aber ins Grübeln, als ein anderes Rezept ausdrücklich „süßen Paprika“ vorsah. Mit etwas mehr Sorgfalt bei der Übersetzung, hätte eine Zutatenangabe wie „scharfes Paprikapulver“ oder „Rosen-Paprika“ hier vieles vereinfacht.

Das Buch erschien vor 10 Jahren und so ist seine Optik aus ein anderen Zeit. „World Food Café“ ist keine reine Rezeptsammlung, sondern bindet die charmanten Reiseerinnerungen der Caldicotts sowie sehr schöne Fotos (Chris Caldicott ist auch Fotograf) aus den verschiedenen Ländern ein. Zusammen mit den wenigen Foodfotos, der zum Teil viel zu kleinen Schrift und der wechselnden Farbgebung ergibt das nichts Ganzes und traf nicht meinen Geschmack. Schade, da hatte ich mir mehr erhofft.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2010

2 Kommentare

  1. Anna Muschel

    War das wirklich die Rezension meines Lieblingskochbuchs?

    Nun habe ich gerade die Rezension meines Lieblingskochbuchs gelesen und mir bleibt nur ein Gefühl: Enttäuschung!
    Wie wenig vegetarische Kochbücher gibt es, die etwas mehr als nur Ratatouille, panierten Selerie und gebratene Zuchinis anbieten und dann nicht das exotische Würzen einfach mit Curry, Garam Masala und anderen Pasten abhandeln?
    Ich liebe dieses Kochbuch, erstens weil hier alle Gewürze individuell aufgeführt sind und man endlich versteht, warum Malayen nach Hause fahren, um sich dort ihre autentische Mischung aus ihrem Laden mitbringen, die sie in ganz Europa nicht finden können. Endlich sitzt man nicht da und fragt sich Curry, von welcher Firma und wie würde es wohl mit frisch gemahlenen Gewürzen schmecken? Aber das ist noch der kleinste Grund, dieses Buch zu lieben.

    Bei Winterdepressionen empfehle ich eine Reihe von gute Laune Rezepten, die wirklich alltagstauglich sind. Ja, endlich kann ich nach Äthiopien, Marroko oder Ägypten flüchten und dies in meinen Alltag integrieren.
    Marrakesh Tajine auf Seite 18 im englischen Original, eine wunderbare Weise sich Marrokko nach Hause zu holen.
    Endlich muss ich nicht mehr nach den seltenen äthiopischen Restaurants suchen, sondern kann Ethiopian Vegetable Wat nachkochen (Seite 49 im englischen Original).
    Beide Rezepte funktionieren mit dem Gemüse, das gerade noch in der Küche ist, aber man kann natürlich nach der Art der Marokkaner mal eine Birne zur Tajine schmuggeln oder sein Lieblingsgemüse verwenden.
    Und zum Abschluss, das erstaunlichste Rezept für Auberginen, das ich je gekocht habe (endlich Auberginen nicht mediterran)
    Calcutta Aubergine im Original auf Seite 72. Aber Achtung an alle Supermarktgänger. Für den Einkauf der Tamarinde sollten man wirklich in den Asienladen gehen und dort die 70 Cent in den Tamarindenblock investieren. Wie schön, dass die Supermärkte nicht alle Kochgeheimnisse der Welt auf Vorrat haben!

    • Katharina

      Liebe Anna, dank Dir für Deinen ausführlichen Blick auf das Buch mit den kulinarischen Erlebnissen in der Küche. Warum dem einen ein Kochbuch ans Herz wächst und bei dem anderen so gar kein Funken überspringt – das liegt eben auch im Auge des Betrachters. Umso schöner, dass uns an Deiner Perspektive teilnehmen lässt. Herzlichst Katharina

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