Kochbuch von Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân & Margot Zhang: Asia Noodles

Kochbuch von Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân & Margot Zhang: Asia Noodles ★★☆☆☆

Asia Noodles – 150 Rezepte für
Ramen, Udon & Co
Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân
& Margot Zhang
Fotos: Taisuke Yoshida
Knesebeck Verlag (2019)

Sabine Cikic

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Es treffen sich drei Frauen in Paris auf einer Party und beschließen, gemeinsam ein Kochbuch zu schreiben – eine Schnapsidee oder eine wunderbare Fügung des Schicksals? Mittlerweile liegt das Ergebnis auch in der deutschen Übersetzung vor und wir können es uns mal näher anschauen: „Asia Noodles“ von Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân und Margot Zhang.

Wo der Deutsche immer noch am liebsten die Kartoffel neben seinem Fleisch auf dem Teller liegen hat, sind es in Asien vor allem Reis und Nudeln, die die Kohlenhydrate liefern. Sind es in Japan eher Soba-, Ramen- oder Udon-Nudeln, lieben die Chinesen ihre Lamian und die Vietnamesen vor allem ihre Reisnudeln.

Kleine und große Schalen

Das Buch ist ein echter Klopper, die 320 Seiten zwischen den grellgelben Hardcoverdeckeln sind nicht weniger auffällig gestaltet. Mit gefällt zunächst, dass es ein Anliegen der Autorinnen gewesen zu sein scheint, möglichst viele Informationen zusammenzutragen. Auf acht Seiten werden mit einzelnen Fotos und Kurzbeschreibungen 33 verschiedenste asiatische Nudeln, getrocknet und frisch, vorgestellt, z. B. unter Nummer 26: Longxu Mian; Typ: getrocknete Fadennudeln; Form: runder Querschnitt; Land: China; Zusammensetzung: Weizenmehl, Salz; Garzeit in kochendem Wasser: 1 Minute 30 Sekunden.

Kochbuchautorinnen Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân & Margot Zhang

Auf weiteren zwölf Seiten folgen Anleitungen für das richtige Garen sowie Grundrezepte für handgemachte Nudeln, ausführlich bebildert mit Schritt-für-Schritt-Fotos. Dann kommen die Kapitel „Kleine Schalen“ mit eher snackartigen Gerichten, „Große Schalen“ mit Klassikern wie Ramen und Pho, „Nudeln mit Sauce“ mit Mian nach Art von Chongqing oder Udon Sukiyaki und „Gebratene Nudeln“ wie Koreanische Glasnudelpfanne, gefolgt von einem Kapitel zu grundlegenden Zutaten, „Brühen & Grundrezepte“ und das Rezeptverzeichnis. (Foto l. v. l. n. r.: Minh-Tâm Trân, Chihiro Masui & Margot Zhang)

In der Praxis

In der Praxis zeigte sich jedoch, dass sich die vermeintlich so wohlüberlegte Struktur des Buches nicht bewährt. Die meisten Rezepte stehen auf einer Doppelseite, auf einer ein sehr großes Foto einer Nudelschale des jeweiligen Gerichts, daneben der Text. Da sich die Rezepte der jeweiligen Länder auf die verschiedenen Kapitel verteilen – jedes Land hat natürlich Vertreter in allen Kapiteln –, sind Verweise auf Basisrezepte wie Brühen usw. unumgänglich. Für den nachkochenden Leser heißt das: Blättern, blättern, blättern.

Kochbuch von Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân & Margot Zhang: Asia Noodles

Für das Rezept „Bun mit Tofu und Zitronengras“ (S. 194/195) sind es alleine drei Verweise – direkt und indirekt. So blättere ich sowohl beim Erstellen der Einkaufliste als auch beim späteren Nachkochen eifrig hin und her. Spaß macht das nicht.

Vielleicht am meisten enttäuscht war ich jedoch vom chinesischen Teil der Rezepte. Hier hatte ich gehofft, durch die Beschreibungen der Nudelsorten endlich einmal in der Vielfalt der Nudeln, die in meinem Asialaden angeboten werden, durchzublicken. Dazu hätte es aber doch noch genauerer Beschreibungen bedurft.

Auch geschmacklich waren leider einige der nachgekochten Rezepte kein Renner. Die handgemachten Sobanudeln schmeckten arg rustikal (und wurden, soweit ich das beurteilen kann, in keinem Rezept verwendet, zumindest sieht man auf den Fotos stets die dünnen, gekauften Sobanudeln, die ich persönlich viel leckerer finde). Eine echte Überraschung hingegen waren die Spaghetti mit Nori und Parmesan (ja, richtig, italienische Pasta, laut Chihiro Masui ist sie in Japan sehr beliebt), wirklich enttäuschend die Mian mit Frühlingszwiebeln.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website von Chihiro Masui

Website von Minh-Tâm Trân

Website von Margot Zhang

Hier und da hätten die Autorinnen sicher noch einmal unter den 150 veröffentlichten Rezepten etwas kürzen können. Vielleicht wäre es auch praktikabler gewesen, das Buch nach Ländern oder zumindest besser nach den verwendeten Nudelsorten zu gliedern. Das Rezeptverzeichnis macht hier zwar einiges gut, aber es bleibt doch auch nach einigen Wochen intensiver Beschäftigung mit dem Buch das Gefühl, nicht wirklich durchzublicken.

Es will sich leider keine rechte Begeisterung einstellen. „Asia Noodles“ ist ein klobiges Buch und nicht wirklich praktisch in der Handhabung, teils wegen des sperrigen Formats und der vielen Verweise (von denen sich natürlich Reste im Kühlschrank ansammeln, wenn man die Mengen nicht reduziert), teils wegen der verwirrenden Struktur. Hier hätte der vorhandene Platz besser mit weniger großen Schriften und Fotos und einer besseren Gliederung gefüllt werden sollen. So wirkt alles wie ein zusammengeworfenes Sammelsurium quer durch die Länder, und auch kulinarisch habe ich hier leider nicht viel entdeckt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2020

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