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Katharina Höhnk

Kochbuch von Cettina Vicenzino: Toskana in meiner Küche ★★★★★

Toskana in meiner Küche, Cettina Vicenzino, Dorling Kindersley Verlag (2021)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ulrike Rösler

Von

Cettina Vicenzino ist auf diesem Blog keine Unbekannte, war doch ihr zuletzt erschienenes Kochbuch „Sizilien in meiner Küche“ ein echter Bestseller.

Kochbuchautorin Cettina Vicenzino (© Joachim Kummerer)
Kochbuchautorin Cettina Vicenzino (© Joachim Kummerer)

Nun nimmt sie uns mit auf eine Reise in die Toskana. „Toskana in meiner Küche“ – der Name ist Programm, denn es geht Cettina Vicenzino (Foto links) nicht darum, die traditionelle Küche der Toskana vorzustellen, sondern ihre ganz eigene Vorstellung von der toskanischen Küche zu entwickeln. Das Buch enthält zwar zehn „Klassiker“ wie Panzanella (Tomatensalat mit Brot) oder Cantucci, aber die meisten anderen Rezepte sind Variationen und Interpretationen, inspiriert von den Produkten der Toskana. Diese sind bodenständig und deftig und prägen die Gerichte: Bohnen, Brot, Olivenöl, Wild, Birnen, Kastanien, Kichererbsen, Speck …

Die Idee und die Geschichten

Cettina Vicenzino versteht das Buch nicht als Kochbuch zum Nachschlagen, sondern als ein „Buch mit Anfang und Ende“. In der Tat ist es eine Art Reise-Koch- und Tagebuch. Zwischen der „Insalata da Vicenzino“ („das Rezept vor unserer Abreise“) und der „Pasta da Vinci“ im Nachwort findet man Geschichten über Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet ist und die die Küche und die Mentalität der Toskana besonders gut darstellen. Ergänzt wird das durch schöne – und manchmal ganz rührende – Fotos, aus denen einem die Protagonisten voller Stolz und Freude anstrahlen.

Zum Weiterlesen

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Da ist zum Beispiel die Lebensgeschichte von Valeria Piccini, einer Köchin aus der Maremma, die seit 22 (!) Jahren zwei Michelin-Sterne hat. Valeria teilt mit den Leser*innen das Rezept eines ihrer berühmtesten Gerichte, Tortelli cacio e pere. Da mich die Kombination von Käse mit reifen Birnen sofort überzeugte, habe ich kurzentschlossen zum Nudelholz gegriffen, und das, obwohl ich noch nie in meinem Leben Nudeln gemacht habe. Die Zubereitung war erstaunlich einfach und das Ergebnis … himmlisch. Danke, Valeria!

Kochbuch von Cettina Vicenzino: Toskana in meiner Küche
Kochbuch von Cettina Vicenzino: Toskana in meiner Küche

Die Rezepte: einfach und doch raffiniert

Das Buch ist gegliedert in „Aprire“, „Pane & Pomodiri“, „Legumi & Verduri“, „Carne“, „Acqua“ und „Chiudere“. Das wird im Buch nicht übersetzt, aber sinngemäß bedeutet es: „Eröffnung“, „Brot & Tomaten“, „Hülsenfrüchte & Gemüse“, „Fleisch“, „Wasser“ und „Abschluss“. Auch die Titel der Rezepte sind auf Italienisch, die deutsche Übersetzung befindet sich in kleinerer Schrift darunter. Andersherum hätte ich das nutzerfreundlicher gefunden. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau und war das Einzige, was mich an diesem Buch gestört hat.

Insgesamt haben sich die getesteten Rezepte als recht einfach in der Zubereitung erwiesen und als raffiniert im Geschmack. Aber Achtung: „einfach“ ist nicht dasselbe wie „schnell“! Im Rezept zum Nachwort gibt es die nette Anmerkung „eigentlich schnell, aber es braucht Zeit“ – das trifft es genau.

So basieren viele Soßen auf einer ähnlichen Basis, einem Sofritto aus Zwiebeln, Karotten, Sellerie und Knoblauch, dazu Tomaten und Rotwein. Dies wird durch wenige andere Zutaten ergänzt, was zu völlig unterschiedlich schmeckenden Ergebnissen führt. Hut ab!

Cettina Vicenzino:

„Wenn es eine italienische Region gibt, von der fast die ganze Welt schwärmt, dann ist es sicherlich die Toskana. Wenn es eine italienische Region gibt, über die man kein Buch mehr schreiben sollte, weil die weltweite Zahl an darüber geschriebenen Büchern eine liegende Acht ergibt, dann ist es sicherlich die Toskana. Wenn es eine Region gibt, über die ich deshalb noch nie ein Buch schreiben wollte, dann ist es ganz klar die Toskana!

Aber wenn es etwas gibt, das mich mehr treibt als die Vernunft, dann ist es die Neugierde.“

Die kurze Einleitung zu jedem Rezept gibt einen Überblick über die Ursprünge des Gerichtes, ergänzt Tipps für die Zubereitung oder weitere Variationsmöglichkeiten; das hat mir sehr gut gefallen. Gleiches gilt für das ausführliche Register sowie die Adressen und Infos im Anhang. Das erlaubt, bei der nächsten Toskanareise auf den Pfaden der Autorin zu wandeln und die Produzent*innen, Cafés und Restaurants zu besuchen, die im Buch beschrieben werden.

Dem Geschmack gefolgt

Ich muss gestehen, dass ich mich beim Kochen hauptsächlich an Fleischgerichte gehalten habe (mit Ausnahme einiger Süßspeisen). Das ist einerseits der Jahreszeit geschuldet, aber auch der Tatsache, dass ich Ragouts über alles liebe; sie sind einfach und praktisch in der Zubereitung und immer gut.

Aber auch Brotfans werden auf ihre Kosten kommen, etwa mit toskanischem Fladenbrot, süßem Traubenbrot mit Rosmarin, Brotfrikadellen oder einer Tomaten-Brot-Suppe mit Ingwer, um nur einige Beispiele zu nennen. Dito für Gemüse und Bohnen (Ribollita, Gnocchi mit Blumenkohlcreme …).

Das Fischkapitel fällt mit acht Rezepten insgesamt etwas knapp aus. Ganz anders dann wieder das Kapitel mit den Süßspeisen, Kuchen und Torten. Obwohl ich mit zwei der getesteten Backwaren nicht sehr erfolgreich war (die Anisbrezeln und der Olivenölkuchen mit Safran, der 19 Stunden für die Zubereitung benötigte – überzeugten beide geschmacklich leider nicht), klebt trotzdem bei den Torten und Kuchen fast auf jeder Seite ein Zettelchen, das an baldiges Nachkochen und -backen erinnert. Die Geschichte von „Toskana in meiner Küche“ und mir ist also noch nicht zu Ende!

Cettina Vicenzino nimmt uns mit auf eine Reise durch die Toskana und stellt uns deren Menschen sowie ungewöhnliche Rezepte vor. Ich empfehle dieses Buch allen, die eine überraschend andere toskanische Küche kennenlernen wollen, sowie den Liebhaber*innen deftiger und gehaltvoller Gerichte. Man sollte auf jeden Fall auch ausreichend Zeit mitbringen, denn die Rezepte sind „…eigentlich schnell, aber brauchen Zeit“.

Veröffentlicht im Dezember 2021

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