Kochbuch von Caz Hildebrand & Jacob Kenedy: Die Geometrie der Pasta

Kochbuch von Caz Hildebrand & Jacob Kenedy: Die Geometrie der Pasta ★★★★☆

Die Geometrie der Pasta
Caz Hildebrand & Jacob Kenedy
Autorenfotos: Mark C. O’Flaherty
DuMont Buchverlag (2019)
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Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Schrauben, Dübel, Zahnrädchen – wie ein kleiner Werkzeugkasten sieht die „Geometrie der Pasta“ aus. Pasta, von der Form her gedacht. Der Puls der Heimwerkerin klopft schneller – aber kann dieses Konzept auch kulinarisch überzeugen?

Bei einem gelungenen Pastagericht spielen Pasta und Sauce perfekt zusammen. Die Aufmerksamkeit verteilt sich jedoch ungleich: Im Rampenlicht steht die Sauce. Der Pasta bleibt nur die Statistenrolle – unverzichtbar und unersetzlich, aber allenfalls eine Randnotiz wert. Dabei leistet sie mit Rezeptur, Form und Textur einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum „Perfect Match“. Hier setzt die „Die Geometrie der Pasta“ an.

Die äußere Erscheinung ist minimalistisch: Die Rezepte und Texte werden ausschließlich von schwarz-weißen Mustern aus stilisierten Pastaformen gerahmt. Keine dampfenden Tellergerichte, keine illustrierten Schritt-für Schritt-Anleitungen, keine Impressionen von rustikalen Wochenmärkten oder älteren Damen in dunklen Kleidern beim Teigrollen. Das ist mutig für ein Kochbuch, sind doch solche appetitlichen und atmosphärischen Eyecatcher für viele Menschen das beste Kaufargument.

Mich schreckt das mittlerweile nicht mehr. Auch ich lasse mich gerne durch gelungene Fotos locken, aber ich habe auch mit „nackten“ Kochbüchern beste Erfahrungen gemacht. Der Einstieg ist meist ein bisschen beschwerlicher, aber irgendwann ist die Fantasie wachgerüttelt und ersetzt die visuellen Reize mühelos. Verantwortlich für diese außergewöhnliche Gestaltung ist übrigens Grafikdesignerin Caz Hildebrand (Foto links). Ihre Handschrift werden mehr Menschen kennen als ihren Namen: Sie hat unter anderem Ottolenghis „Simple“ gestaltet (das mit der Zitrone).

Ein Pasta-Lexikon

Der Rezeptteil, für den Jacob Kenedy verantwortlich zeichnet, ist alphabetisch sortiert von Agnolotti bis Ziti. Es gibt die klassischen Hartweizensorten mit und ohne Ei, flach oder rund, glatt, gelockt oder geriffelt, und natürlich die gefüllten Formen wie Ravioli, Tortellini und Caramele, aber auch Couscous, Gnocchi und Konsorten sind vertreten. Zu jeder Pastaform gibt es einen kleinen Steckbrief mit weiteren regionalen Bezeichnungen, eine Anleitung (sofern Herstellung in Heimarbeit möglich), und schließlich ein paar passende Saucenrezepte, diese wiederum mit Querverweisen auf weitere passende Pastaformen.

Für die Herstellung setzt „Die Geometrie der Pasta“ auf gängiges Küchenwerkzeug. Dies kommt mir sehr gelegen. Meine Pastamaschine hat im Frühjahr einen Totalschaden erlitten. Ich interpretiere das als Herausforderung, es mal eine Weile ohne zu versuchen. Küchengadget-Fans finden dann aber doch hier und da ein paar Kaufargumente, etwa die Bigolario, eine im Veneto beheimatete Handpresse mit einer Bronzematritze, mit der Bigoli ihre charakteristische raue Textur erhalten.

Los geht’s mit leichten Startschwierigkeiten. Ich würde gerne neue Formen auszuprobieren, andere als die üblichen Ravioli oder Tagliatelle. Die Saucen dazu sollen schlicht sein, ohne Blendwerk. Mit diesem Plan im Hinterkopf irre ich zunächst etwas verloren in der lexikalischen Struktur herum, lese kreuz und quer, tauche durch die Querverweise, bis ich endlich halbwegs orientiert bin und meine Nachkochkandidaten dingfest mache.

Selbst gemachte Pasta – unbezahlbar!

Mit Busiati habe ich angefangen, das sind kleine Spiralen, flach wie gekräuseltes Geschenkband. Die Technik habe ich anhand der Beschreibung nicht so ganz kapiert, der Aha-Effekt kam dann aber fix beim Ausprobieren. Die Farfalle gingen dann schon viel flotter von der Hand, und die haben mich wirklich allerschwerst entzückt.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website von Caz Hildebrand

Website von Jacob Kenedy

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Ob der Aufwand sich lohnt, mag bezweifelt werden. Zeitlich bleibt man mit selbst gemachter Pasta immer im Hintertreffen, und gute Fertigprodukte sind bekanntlich auch geschmacklich konkurrenzfähig. Ich kann aber versprechen – das Glücksgefühl, wenn man das erste Mal vor einem dampfenden Teller selbst geschnitzter Farfalle sitzt, alle ein bisschen unterschiedlich, aber gut als solche erkennbar und soooo hübsch … ist einfach unbezahlbar!

Und nicht zuletzt: Auch die Saucen, die wir getestet haben, haben uns ausgezeichnet gefallen. Sogar ein neues Lieblingsrezept für schnelle Pasta war dabei, die ganz einfachen Pasta al Burro e Limone, mit den ganz dünnen Capellini eine großartige Textur und das beste Beispiel für ein „Perfect Match“.

„Die Geometrie der Pasta“ ist ein Eyecatcher der ganz anderen Art. Der fast puristische lexikalische Stil hat seinen Preis: Wer nicht nur nachschlagen will, sondern nach Inspiration sucht, muss einen langen Atem beweisen – aber wird dafür mit echten Perlen belohnt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2020

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