Kochbuch von Cavelius & Schuster: Servus Bayern

Kochbuch von Cavelius & Schuster: Servus Bayern ★★★★★

Servus Bayern: So schmeckt’s dahoam
Monika Schuster, Anna Cavelius
Fotos K. Einwanger, GU Verlag
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Meng Sie Bayern? Unsere Traditionen, die scheene Landschaft und die boarische Kich? Wenn Sie diese Fragen verstanden und auch noch mit „Ja!“ beantwortet haben, wird Ihnen „Servus Bayern“ aus dem GU Verlag sicher gefallen.

Das Buch zeigt Bayern und die bayerische Küche mit einem Augenzwinkern, bietet alle Klischees von Dirndl tragenden Frauen, dem blauen Himmel bis zum Schweinebraten – aber setzt es so sympathisch und authentisch um, dass auch ich als nicht bayern-tümelnde Großstädterin mich gerne in die Küche meiner Kindheit gestürzt habe.

monika-schustercaveliusAnfangs war ich zugegebenermaßen ein wenig skeptisch. In München stolpert man an jeder Ecke über mehr oder weniger sinn- und geschmackvolle bayerische Andenken. Ist dieses Buch mit weißem Porzellan-Hirschgeweih vor blauem Barockmuster nicht auch nur so ein Mitbringsel, das man sich mitnimmt wie die Harrods-Tasche aus London? (Links Im Bild: Monika Schuster, rechts Anna Cavelius)

Zuerst: im Biergarten

Aber ich nahm die Herausforderung an und testete beherzt die Klassiker der bayerischen Küche, die ich selbst liebe und immer wieder gern koche. Schmecken die Kässpatzn so köstlich wie die aus Mamas Kochbuch der 50er? Was lässt sich alles aus nur einem Kopf Weißkraut zaubern? Sind auch alle wichtigen Küchenschätze vertreten?

Fangen wir mit der letzten Frage an: ja! Bei den über hundert Rezepten bleibt kein Wunsch offen. Los geht es mit den Biergarten Spezialitäten. Von Bratensulze, Obazda und hausgemachter Leberwurst im Glas bis zu Brotzeitstangerl findet man garantiert alles was man unter freiem Himmel genießen möchte. Was es mit der Institution Biergarten auf sich hat erfährt man natürlich auch, denn Co-Autorin Anna Cavelius hat für das Buch viele kleine Reportagen geschrieben, die Land, Brauchtum und Leute näher beleuchten.

kochbuch-servus-bayern-2Dazu hat Klaus-Maria Einwanger sehr stimmungsvolle Fotos beigesteuert, die dezent fast sepia-dunkel ein ja, fast archaisch-ursprüngliches Bild geben. Männer in Lederhosen bringen die Kühe in den Stall, die Kirche mit dem Zwiebelturm vor dem Bergmassiv. Das ist Klischee – und dennoch wahr. Und hier einfach schön.

Nix was macha

Aus der bayerischen Küche nicht wegzudenken sind die Fleischgerichte. Im Kapitel Dahoam schmeckt’s doch am besten sind die einfachen Gerichte für jeden Tag wie Rescher Schweinsbratn oder Sauers Lingerl zu finden. Wer’s aufwendiger mag, wird unter Ganz schee Aufbrezlt fündig. Da steht dann auch Kalbsbries mit Spargel und Morcheln auf der Karte. Wenn’s günstiger sein soll, gibt es die Resterlkuchl. Den einen Kohlkopf, den ich für die Krautwickerl besorgt hatte, verwandelte ich noch in einen feinen Krautsalat und reichte ihn ein andermal warm und karamellisiert als Beilage.

Aus Nix was macha, nennen das die Autorinnen, die bayerische Wörter und Ausdrücke in die Texte streuen wie das Salz in den Semmelknödelteig – es gehört einfach dazu! Das mag manchmal für Norddeutsche befremdlich ausschauen, aber hier werden keine halben Sachen gemacht. Frau Monika Schuster ist gelernte Hotelfachfrau, Köchin, Küchenmeisterin, hat in einem Münchner Feinkosthaus die Ladengastronomie geleitet und widmet sich heute vor allem dem Foodstyling. Sie beherrscht ihr Handwerk perfekt – Fehler oder Ungenauigkeiten in den Rezepten habe ich genauso wenig gefunden, wie ich auf (größere) Schwierigkeiten beim Kochen gestoßen bin.

kochbuch-servus-bayernHommage ohne Kitsch

Dass mein Brezengugelhupf nicht aus der Form flutschte, kann ich wohl nicht der Autorin anlasten. Geschmack und Konsistenz waren wunderbar, ganz entsprechend ihres Credos: ein Foodfoto muss schmecken! Die Journalistin Cavelius, die in Siena und Salamanca studierte und Tochter eines Zuagroasten ist, zeichnete für die Geschichten verantwortlich. Dass das ganze Buch eine Hommage an Bayern, aber nicht zu heimatlich-kitschig wurde, ist bestimmt auch ihr zu verdanken.

Bleibt noch die Frage welche Kässpatzn besser sind. „Meine“ werden nach dem Garen einfach nur mit Käse und gebratenen Zwiebeln geschichtet kurz im Ofen gratiniert. Hier werden die Spätzle zusätzlich noch mit einer Sahne-Gemüsebrühe übergossen und für eine halbe Stunde gebacken. Ehrlich gesagt, ziehe ich meine pure Variante vor, zumal die (ohnehin aufwendige) Zubereitung dadurch nicht noch komplizierter wird. A propos aufwendig: Zeit sollte man mitbringen. Keines der getesteten Hauptgerichte ist in weniger als einer Stunde auf dem Tisch. Auf geht’s! 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2013

Meistgelesen

Themen A-Z