Kochbuch von Caroline Eden: Schwarzes Meer

Kochbuch von Caroline Eden: Schwarzes Meer ★★★★★

Schwarzes Meer –
Ein Reise- und Kochbuch
Caroline Eden
Fotos: Ola O. Smit
Prestel Verlag (2019)

Julia Eckl-Dorna

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Das Schwarze Meer – eine Region, die viele nicht nur kulinarisch wenig kennen. Bei einem Wanderurlaub in der Osttürkei verbrachte ich auch ein paar Tage in Trabzon am Meer. Ich war von der Lebendigkeit der Stadt und der guten Küche begeistert. Und so war die Vorfreude groß, mit dem vorliegenden Reise- und Kochbuch nochmals intensiv in die Region eintauchen und mehr entdecken zu können.

Die Food- und Reisejournalistin Caroline Eden (Foto unten) schreibt seit vielen Jahren für diverse renommierte englische Tageszeitungen wie Guardian oder Times. Ihr erstes Kochbuch, Samarkand, ist übrigens auch bei Valentinas auf Begeisterung gestoßen. Das Zweitwerk „Schwarzes Meer“ hat seit seiner Erscheinung im englischsprachigen Raum schon einige Preise abgeräumt.

Von den sechs Ländern, die an das Schwarze Meer grenzen, bereist man in diesem Kochbuch vier: die Ukraine, Rumänien, Bulgarien und die Türkei, wobei sich die Autorin vor allem auf drei Städte – Odessa, Istanbul und Trabzon – fokussiert. Sie markieren ihre Route.

Reise und Kochbuch im Einklang

Der schlichte schwarze Einband mit stilisierten silbernen Wellen und glänzend silberner Schrift lässt keinen Zweifel über das Thema des Buchs. Generell spricht mich die schlichte Gestaltung des Buches an, der Fokus liegt auf den Geschichten und den Fotos. Wer – so wie ich für die Rezension – im „Schwarzen Meer“ als Erstes nach Kochrezepten sucht, muss ein wenig blättern. Hier hätte ich mir als Kochbuchrezensentin durchaus mehr Struktur gewünscht, aber es ist vor allem ein Reisejournal, das Kultur und Genuss verbindet.

Caroline Eden nimmt sich viel Zeit, die Städte zu entdecken, sie beschreibt Kleinigkeiten, die einem Touristen auf Durchreise nicht auffallen würden. So erfährt man, dass wir die gute Konservierung der majestätischen Fresken in der „Hagia Sophia“ in Trabzon der Tatsache verdanken, dass sie über Jahrhunderte weiß übertüncht waren. Erst in den 1950er-Jahren konnte ein britisches Restauratorenteam sie freigelegen. Teilweise reißen die Kurzreportagen historische Ereignisse der Länder an.

Auch beeindruckt mich die Autorin mit akribischer Recherche, die in Anekdoten über Schriftsteller, die in den Städten über die Jahrhunderte verweilten, eingeflossen ist. So war Odessa für die russische Intelligenzija ein beliebter Kurort, den auch Gogol besuchte. Es spricht für die Küche der legendären Stadt, dass er den Magen als das edelste Organ bezeichnete.

Auch von Märkten und Restaurants ist zu lesen. Sie dienen der Autorin als Inspirationsquelle für den kulinarischen Part des Buches. Allen Küchen gemeinsam ist der häufige Einsatz von gesäuerten Milchprodukten und frischer Petersilie, die als Gewürz aus der Region nicht wegzudenken ist. Wer in diesem Kochbuch viele Fischgerichte erwartet, wird eher nicht fündig – sie nehmen nur einen kleinen Teil ein.

Der Route folgen oder schweifen

Da ich Trabzon wie eingangs erwähnt bereist habe, beginne ich mit dieser türkischen Region. Sie befindet sich am Südufer des Schwarzen Meeres und ist perfekt gelegen, wenn man die Berge der Osttürkei erwandern will. Caroline Eden stellt den Charakter der Stadt mit einer Anekdote vor, die mich ganz und gar an meine Begeisterung für die Lebendigkeit der Stadt erinnert: Nach einem siegreichen Fußballspiel beschreibt sie die in Ekstase jubelnde Stadt und den trockenen Kommentar eines Barkeepers dazu, „Das ist hier normal. Es ist wie das Schwarze Meer, es kann tosen, aber es beruhigt sich wieder“.

Die Küche Trabzons habe ich als eine Mischung aus perfekt ausgewogenen, fleischlastigen Kebabs, gegrillten Gemüsen und fantastischen Böreks in Erinnerung. Der „Klassiker“ (Schwarzmeer- Börek, dessen Fülle meist aus Spinat und Schafskäse besteht, wird hier mit Reis und Mangold zubereitet. Der Kniff liegt im Detail: die Sultaninen und der Schafskäse runden den Geschmack perfekt ab.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website von Caroline Eden

Die Autorin bei Instagram

Mehr Kochbücher zur osteuropäischen Küche bei Valentinas

Beim Nachkochen bin ich nicht Edens Route gefolgt, sondern herumgeschweift. Vom ukrainischen Heringssalat – dank Äpfeln und Radieschen äußerst knackig und frisch – bis zu den rumänischen „Ardei Umpluti“ mit Dill, Zitronenschale, den besten gefüllten Paprika seit Langem.

Die Rezepte singen einen Hohelied auf Einfachheit mit Geschmack. Angenehmerweise kommen alle Rezepte mit relativ wenigen Zutaten aus und sind rasch zubereitet, aber trotzdem ausgewogen im Geschmack. Caroline Eden trifft hier den Kern der regionalen Küche.

Das Reisetagebuch „Schwarzes Meer“ von Caroline Eden ist vor allem ein Reisebuch entlang des Schwarzen Meeres, das auch in die Küche führt. Als Leser erfährt man hier eine seltene Tiefe an Details. Und auch die Küche erlebt eine wohlschmeckende Authentizität.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2019

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z