Kochbuch von Caroline Bretherton: Tartes, Quiches und Pies

Kochbuch von Caroline Bretherton: Tartes, Quiches und Pies ★★★★☆

Tartes, Quiches und Pies
Köstliches aus dem Ofen
Caroline Bretherton, Fotos William Reavell
Dorling Kindersley Verlag (2013)
Mehr über den Kochbuch

Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Tartes und Quiches sind für mich ein klassisches Wohlfühlessen. Die Zutaten für den Teig hat man meist im Haus. Ja, und für den Belag eignet sich ja eigentlich so ziemlich alles. Tartes, Quiches und Pies liefert eine große Zahl verschiedenster Rezeptideen. Doch bedeutet Quantität auch Qualität?

Dieses Buch will ein wahrer Alleskönner sein. Beim ersten Durchblättern springen mir Klassiker ins Auge wie Samosas, Börek, Pastéis de Nata oder auch Apfelstrudel. Die thematische Eingrenzung ist also recht großzügig gesteckt. Gut gefallen mir auch die kleinen Räucherforellen-Torteletts oder die zum Reinbeißen aussehenden Himbeer-Torteletts mit Vanillecreme. Oder eher unbekannte Kreationen wie Meeresfrüchtepie mit Filoteig oder Tarte Tatin mit Roter Beete. Ob süß oder salzig, mit Gemüse, Fisch oder Fleisch, mit Käse überbacken oder mit Teighaube, hier findet sich für alles ein Rezept. Außerdem gibt es in der Mitte des Buchs ein Kapitel „Grundteige herstellen“, das auf den ersten Blick ganz ordentlich aussieht.

Im Vorwort der Autorin, die wohl aus Funk und Fernsehen  bekannt ist und ein Lokal in London betreibt, lese ich, dass das Buch für Laien wie Profis konzipiert ist. Außerdem für jeden Anlass und aus aller Welt. Ui, da bleibt kein Auge trocken. Ach, und fast hätte ich es vergessen, es enthält Rezepte für Kinder und Erwachsene, die kalt oder warm gegessen werden können! Kann das gut gehen?

kochbuch-bretherton-pieBei dieser riesigen Auswahl ist in der Tat für jeden etwas dabei. Und gleich mein erster Versuch war ein echter Treffer. Die Kürbis-Käse-Tarte mit Thymian war wirklich lecker. Der Kürbis wird zunächst im Ofen geröstet, der Rucola blanchiert, beides schließlich auf den Teig gegeben und mit Sahne-Eier-Blauschimmel und Thymian überbacken. Eine Kombination auf die ich nicht unbedingt gekommen wäre, und die überzeugt hat. Aber auch mit Rezepten wie dem „deutschen“ Zwiebelkuchen mit Sauerrahm oder der Tomatentarte mit Parmesan-Basilikum-Teig kann man getrost Gäste empfangen. Irgendwie blass war hingegen die Lachs-Spinat-Quiche des Titelbilds, und auch der Apfelkuchen mit Nüssen und Rosinen bedarf keiner Wiederholung. Gut wieder die süßen Rezepte wie die Heidelbeer-Frischkäse-Tarte oder auch die Himbeertarte mit zweierlei Schokolade. (Links: Cover der englischen Originalausgabe)

Alle Rezepte sind ordentlich beschrieben, mit übersichtlichen Zutatenlisten und Ingredenzien, die gut zu beschaffen sind. Einzig die Teige sind mir nicht immer so recht gelungen. Der Schoko-Mürbeteigboden war sogar so keksig, dass er, als ich ihn aus der Form nehmen wollte, total zerkrümelt ist. Dabei habe ich eine Tarte-Form mit herausnehmbarem Boden. Witzig, denn für dieses Rezept wird vorgeschlagen doch einfach einen guten Fertigteig zu nehmen. Hm, und das in einem „Spezial“-Buch? Nichts gegen Fertigprodukte, aber nimmt man so Einsteigern die Angst vorm selbstgemachten Mürbeteig, wie es das Vorwort verspricht?
Wobei ich mich tatsächlich dank der einfachen Step-by-Step Beschreibung erstmals an Blätterteig gewagt habe, der auch gar nicht mal so schlecht geworden ist. Wobei ich glaube, dass es schon noch feinere (und auch leider aufwändigere) Rezepte gibt.

Bebildert ist das ganze mit vielen guten Fotos, wenn auch nicht jedes Rezept  abgebildet ist. Diese stellen ganz bodenständig die jeweilige Tarte etc. in den Vordergrund, immer appetitlich, wenn auch vielleicht etwas hausbacken.

Insofern entsprechen die Bilder dem Inhalt: Hier wird kein neues Konzept entworfen. Und hier liest man nicht die unverwechselbare Handschrift einer bestimmten Autorin, die ihren Erkenntnisgewinn teilen will. So geschehen bspw. in den hier auch rezensierten Vüchern zum gleichen Themenbereich von Catherine Kluger oder Eric Lanlard. Auch gehört es zu den Büchern, die, so vermute ich, von vorherein für einen internationalen Markt geplant sind. Irgendwie verlieren sie dadurch an Profil.

Tartes, Quiches und Pies ist ein solides Kochbuch, bei dem mir persönlich die individuelle Handschrift fehlt, die aus einer guten Sammlung ein richtig gutes Kochbuch macht. Aber, wenn man das nicht erwartet, wird man an der Vielfalt der Rezepte durchaus seine Freude haben.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2014

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