Kochbuch von Camilla Jensen: Nordische Lebenskunst

Kochbuch von Camilla Jensen: Nordische Lebenskunst ★★★☆☆

Nordische Lebenskunst -Meine
vegetarische und vegane Küche
Camilla Jensen
Verlag Freies Geistesleben (2015)

Theresa Kellner

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Nordische Lebenskunst. Was mag das wohl sein? Während uns die italienische oder französische Lebensart und Küche wohlvertraut sind, kennen wir uns in den skandinavischen Ländern und Gepflogenheiten meist eher weniger aus. Ein guter Grund, sich das neue Buch von Camilla Jensen näher anzuschauen, denn es verspricht weit mehr als ein Kochbuch zu sein.

Meine kulinarischen Ausflüge in den Norden beschränken sich tatsächlich, so ungern ich es zugebe, vor allem auf schwedische Zimtknoten und die Köttbullar einer allseits bekannten gelben Möbelhauskette. Schon länger wollte ich daher meine gewohnten kulinarischen Breitengrade verlassen und in meiner heimischen Küche gen Norden aufbrechen, so dass ich beherzt zum neuen Buch von Camilla Jensen gegriffen habe.

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„Nordische Lebenskunst. Meine vegetarische und vegane Küche“ ist bereits das dritte Kochbuch der bei Oslo lebenden Köchin (links) und das zweite, das nun in deutscher Sprache vorliegt. Während sich Jensen im Vorgängerband ausschließlich auf die erste Mahlzeit des Tages, das Frühstück, konzentriert hat, bietet sie dem Leser nun die gesamte Bandbreite an vegetarischen wie auch veganen Gerichten.

Erste Verwirrung

Neugierig habe ich mich also auf die Reise gen Norden begeben und schon beim ersten Blättern wird mir bewusst: Dieses Kochbuch ist anders als andere. Ausgetretene Kochbuchpfade werden unmittelbar verlassen. Während das heutige Standardkochbuch meist nach den klassischen Kapiteln Vorspeise/Hauptspeise/Dessert oder den Jahreszeiten gegliedert ist, fällt es zunächst einmal schwer, bei Camilla Jensen einen roten Faden zu erkennen. Bei Kapitelnamen wie „Fabelhafte Flüssigkeiten“, „Essen soll mindestens so gut wie gesund sein!“, „Holunderblüten“, „Pesto“ oder „Süße Winterfreuden“ kommt bei mir eine erste Verwirrung auf.

Ich entscheide mich, den formalen Inhalt erst einmal außer Acht zu lassen und weiterzublättern. Statt einer Einführung lese ich, dass Jensen im Winter ihren Apfelbaum so gehegt hat, dass er im Frühling tolle Blüten trägt; wie sie im Sommer Dill sät und Freunde zum Kartoffelfest einlädt. Weitere Fragezeichen tauchen vor meinem inneren Auge auf. Ein Glück, dass die Autorin im Folgenden ihren Umgang mit Lebensmitteln, ihr kulinarisches Selbstverständnis (so regional, saisonal und biologisch wie möglich), ihre Küchenausrüstung, ihre Liebe zu Öl, Salz und Sprossen sowie ihre Rezeptaufteilung in vegetarisch/vegan/glutenfrei schildert.

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Was ist an den Rezepten eigentlich nordisch?

Noch bevor ich erkenne, dass es sich hier doch um eine Art Einführung handelt, bin ich auch schon mittendrin in den Rezepten. Ob Mangolassi, superschnelle Gemüsesuppe, Sushi-Makis, Spargelrisotto, Rote-Bete-Carpaccio oder Gegrillte Aubergine – die Fülle der über 120 Rezepte lässt keine Wünsche offen. Und doch wirken diese Rezepte auf mich wie ein buntes Potpourri. Farbenfrohe Gerichte aus allen Herren Länder, die zwar meinen Appetit wecken, aber den nordischen Einschlag sowie eine klare Gliederung vermissen lassen. Ich bin dankbar über das sich den Rezepten anschließende Register und Rezeptverzeichnis, weiß ich doch nicht auf Anhieb, wo ich z.B. nach dem Rezept für Möhrenhummus suchen sollte.

Ich entscheide mich, Jensen den Rundumschlag in der Küche gleich zu tun. Neben dem besagten Möhrenhummus probiere ich den „Ruby everyday-love-life-shot“ aus – ein Smoothie mit Rote Bete und Ananas, der seinem holprigen Namen zum Trotz einfach nur gut schmeckt. Die panierten Zucchini-Medaillons sind ebenso leicht nachzukochen, wenn auch der Mmmh-Effekt auf dem Teller ausbleibt. Ein Glück, dass mich die Ofengebackene Süßkartoffel mit Limette und Chili wieder versöhnt. Gut umzusetzen sind sie alle, die Rezepte, aber den besonderen nordischen Twist, den vermisse ich bis zum Schluss – so gerne ich die kleinen Anekdoten aus dem Leben der Autorin lese.

„Nordische Lebenskunst“ ist ein Buch für experimentierfreudige und neugierige Köche, die ein Kochbuch nicht nur als klassische Rezeptsammlung, sondern viel eher als Anregung, Inspiration und Geschichtenband zu schätzen wissen. Jensen bietet hierfür eine Fülle an farbenfrohen, vegetarischen Gerichten aus aller Welt, die sie mit persönlichen Fotos und Erzählungen illustriert. Für das tiefere Eintauchen in die Küchen Skandinaviens bietet sich ihr Buch indes weniger an.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2016

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