Kochbuch von Bryan Petroff & Douglas Quint: Big Gay Ice Cream

Kochbuch von Bryan Petroff & Douglas Quint: Big Gay Ice Cream ★★★★★

Big Gay Ice Cream – Saucy Stories & Frozen Treats.
Going All the Way with Ice Cream
Bryan Petroff & Douglas Quint
Fotos Donny Tsang
Illustrationen Jason O’Malley
Clarkson Potter (2015)

Sabine Cikic

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ein Buch, wie es amerikanischer kaum sein könnte: Ein Layout in bester Popkultur. Eine Geschichte von zweien, die „ihr Ding“ gefunden haben und es mit viel Spaß und Durchhaltevermögen zu mittlerweile drei Filialen gebracht haben. Und schließlich Rezepte, die in ihrer Dekadenz und ihrem Einfallsreichtum für uns Europäer vielleicht ein wenig ungewohnt sein mögen.

Bryan Petroff und Douglas Quint haben die Zeit ihres Lebens. Das Paar aus New York erzählt in Big Gay Ice Cream, wie es eines Tages im Jahr 2009 auf dem Sofa pupsend über ihren Laptops hing und eine Freundin auf Facebook nach Fahrern für ihre Eiscreme-Food-Trucks suchte. Und urplötzlich wussten die beiden: DAS ist es! Um ihrem Projekt – und dem Blog dazu – einen vorläufigen Arbeitstitel zu geben, nannten sie es „Big Gay Ice Cream Truck“. Der Name wurde Programm.

So bunt und ungewöhnlich wie ihre kulinarischen Produkte ist auch das Buch gestaltet, mit dem wir uns nun auch in hiesigen Gefilden austoben können. Zwischen Einhörnern, vielen Regenbögen, Glitzer und Pop-Art, Anekdoten, wissenschaftlichen Exkursen, Comics und Playlisten wird süffisant und schwelgerisch so ziemlich alles abgehandelt, was auch nur im Entferntesten mit Eiscreme zu tun haben könnte.

autorenfoto-portrait-2-petroff-quint-big-gay-ice-cream-valentinas

Glückliche Betreiber, glückliche Kunden

Sehr gelungen ist die Gliederung des Buches in Anlehnung an die klassischen High School-Jahrbücher, angefangen mit dem Freshman Year bis hin zum Senior Year, gefolgt von einem Epilog und Einkaufstipps (für den US-amerikanischen Markt). Neben einer klaren Struktur die Rezepte betreffend, bringen die Autoren (auf dem Foto links: Bryan Petroff, rechts: Douglas Quint) hier auch noch ihre ganz persönliche Geschichte unter, von den Anfängen bis hin zu den Big Gay Ice Cream Shops, von denen sie mittlerweile drei besitzen. Das Buch ist angefüllt mit Fotos glücklicher KundInnen und Notizen, die sie ihren Helden hinterlassen haben. Dass diese Helden nicht mehr die Jüngsten sind, macht sie eigentlich nur noch sympathischer. Es ist mitreißend und beeindruckend zu sehen, mit wie viel Spaß alle hier bei der Sache sind, und wie glaubhaft das Buch das rüberbringt, gerade oder trotz des verrückten Layouts.

Und kulinarisch?

Ich habe viel über die amerikanische Eiscreme-Kultur dazugelernt. Das Buch bietet neben einigen Basisrezepten für klassisches Eis und Sorbet vor allem eine schier unendlich wirkende Flut von Rezepten und Anregungen für Saucen und Toppings und ungeahnte Kombinationsmöglichkeiten. Im Sundae wird Eis mit mindestens zwei weiteren Komponenten, einer klebrig-soßigen und einer knusprigen, natürlich mit Schlagsahne, zu einem Eisbecher geschichtet. Für einen Float wird Eiscreme in einem hohen Glas mit einem kohlensäurehaltigen Getränk aufgegossen. Auch hier scheint so ziemlich nichts unmöglich zu sein: Fanta, Cola, Ginger Beer, Guinness und einiges mehr wird empfohlen. Und Shakes à la Big Gay Ice Cream werden auch schon mal mit Currypulver und Ingwersirup zusammengemischt. So richtig „normal“ ist hier kaum ein Rezept, aber appetitlich in jedem Fall.

kochbuch-big-gay-ice-cream-petroff-quint-inside-frame-valentinas

Ich beginne trotzdem zurückhaltend und entscheide mich zu Beginn für ein schlichtes Pfefferminzeis, ganz ohne Topping und Drumrum, und bin sehr, sehr angetan. Die Sahne-Milch-Mischung wird nicht nur mit frischer Minze, sondern auch mit Pfefferminzextrakt aromatisiert, wodurch das Eis besonders „frisch“ wirkt. Ich werde mutiger. Als Begleitung zu Toasted Curried Coconut folgte ich den Autoren und bereitete Schokoladeneis zu. In der Tat: eine köstliche Liaison und ich werde beim nächsten Mal sogar noch mutiger sein und – wie empfohlen – mehr Currypulver verwenden „if necessary“. Ich habe mich natürlich beim ersten Mal ganz exakt an die Mengen im Rezept gehalten, da mir das ganze ja doch ein bisschen suspekt war.

Schöne Aussichten fürs ganze Jahr

Man darf den Autoren – und ihren Fans – trauen: so merkwürdig viele Rezepte klingen oder aussehen mögen, sie sind wahrscheinlich allesamt (leider) überaus lecker. Und so freue mich auf all die kulinarischen Entdeckungen, zu denen mich Big Gay Ice Cream noch verführen wird: ob Jalapeños auf Erdbeereis oder Honig und Cayenne auf Vanilleeis, ich werde mich weiter mutig den Herausforderungen stellen bis hin zum ultimativen Nuclear Winter Sundae, einer Kreation aus Schokoladeneis, das mit einer feisten, salzigen Schokoladensauce und satt-roten Chilisauce übergossen, mit Kokosraspeln und kandierten Nüssen bestreut und schließlich mit einem Stückchen saurer Gurke (!!) serviert wird. Boooooah!!!!

Big Gay Ice Cream ist ein Buch für die Abenteurer und Genießer unter uns, die keine Kalorien scheuen und auch wilden Experimenten nicht abgeneigt sind. Okay, vielleicht muss man auch ein kleines bisschen pervers sein, aber dann findet man in diesem Buch wirklich haufenweise Rezepte und Anregungen und die Eismaschine wird kaum noch zur Ruhe kommen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2016

Meistgelesen

Themen A-Z