Kochbuch von Brontë Aurell: Hygge Christmas

Kochbuch von Brontë Aurell: Hygge Christmas ★★★★★

Hygge Christmas –
Die schönsten Rezepte & Bräuche für ein
skandinavisches Weihnachtsfest
Brontë Aurell, Fotos: Peter Cassidy
Christian Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Das dänisch-norwegische Wort „Hygge“ ist schon fast nicht mehr aus dem deutschen Sprachschatz wegzudenken, es ist doch durchweg positiv besetzt: gemütlich, heimelig, nett. Darum werden auch hierzulande gerne Einrichtungsmagazine, Möbelhäuser und eben Kochbücher damit geschmückt. In Skandinavien ist die Weihnachtszeit DAS ultimative Hygge-Erlebnis. Und genau dieses Lebensgefühl möchte die dänische Autorin und Gastronomin Brontë Aurell, mit „Hygge Christmas“ mit uns teilen.

Nach ihrem Backbuch „Fika& Hygge“ hat sie nun Rezepte und Bräuche für ein skandinavisches Weihnachtsfest zusammengestellt. In sechs Kapiteln versammelt die Autorin den kulinarischen Schatz ihrer Heimat, wobei sie sich dabei nicht nur auf Dänemark beschränkt, sondern auch finnische, norwegische und schwedische (Ingwerkekse zu Käse) Einflüsse mit aufnimmt. Hygge also im weitesten Sinne.

Hygge im weitesten Sinne

Selbst ihre neue Heimat London, wo sie mit ihrem schwedischen Mann ein Café betreibt, fließt kulinarisch mit ein, wenn ein Crumble dänisch abgewandelt wird oder die traditionellen Zimtschnecken kurzerhand mit mincemeat gefüllt werden. Aber auch die traditionell skandinavische Variante wird zum Glück genannt. Denn endlich bin ich deren Geheimnis auf die Spur gekommen: Der Teig enthält eine gute Portion gemahlenen Kardamom – das also lässt mich süchtig machen!

Man spürt die ganz persönliche Handschrift der Autorin, ihre eigene Familiengeschichte taucht in den eingeschobenen Erklärungen zu den Bräuchen ebenso auf wie in den kurzen Einleitungstexten zu den Rezepten. Überhaupt nimmt sie LeserIn und KöchIn stets an die Hand, erklärt genau Schwierigkeiten, die auftreten können, gibt Tipps zu den Zutaten, nennt Alternativen, damit es möglichst authentisch wird. Das liest sich sehr schön, weil nicht einfach Rezepte für einen ausländischen Markt übersetzt werden, sondern eine Köchin aus Leidenschaft fern der Heimat versucht, das Beste aus den örtlichen Gegebenheiten zu machen. So folgt der Einleitung auch gleich ein ausführliches Glossar über den skandinavischen Weihnachtsvorratsschrank, gefüllt mit Beeren, Gewürzen, Marzipan, Aquavit und vielem mehr.

Die Adventszeit darf kommen

Das durchweg hell gestaltete Buch ist optisch wie haptisch gut gelungen. Viel helles Holz, grauer Stein, etwas Fell oder Kunstschnee als dezenter Hintergrund für die Foodfotos von Peter Cassidy. Ab und zu ein paar bunte alte Postkarten oder rote Beeren als Farbklecks, mehr braucht es nicht, um stylish in Weihnachtsstimmung zu kommen.

Mit den 80 Rezepten ist man bestens gerüstet, um Gästen und Familie auch hierzulande die Adventszeit richtig hyggelig zu machen: von Häppchen und Glögg für kleine Feiern über essbare Geschenke, dem festlichen Weihnachtsessen, diverse Brote, Kuchen und Desserts bis zum traditionellen Smörgasbord findet man genügend Anregungen, um die eigenen Familienklassiker neu zu bereichern.

Da gibt es natürlich Bekanntes wie Graved Lachs oder Köttbullar (in drei Varianten), aber auch geschmorte Hirschhachse (Foto links) und Schweinebraten, der traditionelle Weihnachtsbraten in Dänemark und Norwegen. Brontë Aurell erläutert dabei die Zubereitung beider Varianten, da es ein Unterschied ist, ob man Schweinerücken (den dänischen Flaeskesteg) oder Schweinebauch (norwegischer Ribbe) zubereitet. Diese Sorgfalt gefällt mir und zeichnet sich aus, alles klappte perfekt!

Autorin mit Kochwissen

Da es bis Weihnachten noch ein wenig Zeit war, habe ich mich eher für Rezepte aus der Adventsbäckerei entschieden. Eines kann ich schon mal verraten – die Pfeffernüsse sind sooo köstlich und einfach zuzubereiten, dass sie das Zeug zu einem echten Klassiker haben! Die Crème double macht den Teig schön geschmeidig, und die vielen Gewürze verleihen den kleinen Kugeln den Kick, der alle immer wieder zugreifen lässt!

Zum Weiterlesen

Website von Brontë Aurell

Für Freunde, die selbst lange in London gelebt haben, habe ich den britischen Dessert-Klassiker Crumble in Aurells dänischer Weihnachtsvariante mit Preiselbeeren und Marzipan zubereitet. Seitdem weiß ich, dass man auch bei Marzipan auf Qualität schauen kann (und sollte), indem man auf die Ratio Mandeln/Zucker achtet! Da von dieser Edelvariante (63% Mandeln!) noch ein gutes Stück übrig war, habe ich es in Schneebällchen verwandelt: zu Kugeln gerollt, in weiße Kuvertüre getaucht und mit Kokosraspeln umhüllt. Für einen Hauch Extravaganz noch Silberpuder darüber stäuben!

Für alle, die rund um die Adventszeit (und darüber hinaus) gerne gut kochen und backen, neue Inspirationen suchen oder dem skandinavischen Lebensgefühl frönen möchten, denen sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Dann wird es schnell gemütlich, nett und heimelig, eben hygge zusammen mit einer erzählerischen Autorin.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2018

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z