Kochbuch von Bree Hutchins: Sri Lanka

Kochbuch von Bree Hutchins: Sri Lanka ★★★★☆

Sri Lanka – Das Kochbuch. 60 authentische Rezepte aus der Küche Ceylons
Bree Hutchins
Christian Verlag (2018)
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Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Für exotische Küchen kann ich mich begeistern, selbst wenn ich noch nie dort war, noch nicht einmal in der Nähe. Sonderbar, allein die Reise meiner Frau nach Sri Lanka reichte, um mein Interesse zu wecken. Aber auch mit dem Finger auf der Landkarte kommt man zum Ziel, viel leichter als in der Realität, und wofür hat man schließlich seine Imagination. Und da meine Geschmacksknospen die benachbarte indische Küche schon ergiebig erkundet haben, denke ich mal, dass der gedankliche Sprung auf die tropische Insel auch funktionieren wird.

Zudem macht es mir die australische Autorin einfach, Fuß zu fassen auf dem fremden Gestade. Sie nimmt mich an der Hand und führt mich gleich mal an einen Ort, den auch ich als Erstes aufsuchen würde, um die Küche eines mir unbekannten Landes kennen zu lernen. Was eignet sich dafür besser als ein Markt. Und sie belässt es nicht bei einigen schönen Bildern und inspirierten Worten einer typischen Besucherin aus der ersten Welt, nein, sie geht auf die Menschen zu und lässt sie zu Wort kommen.

So verbinden sich Geschichten mit Gerichten. Bree Hutchins reist kreuz und quer über die Insel, vom quirligen Colombo bis zur Halbinsel Jaffna, wo sie Bamini trifft, die im noch gar nicht so lange beendeten Bürgerkrieg ihren Mann verloren hat und nicht nur deshalb viel erleiden musste, aber trotz aller Schicksalsschläge und materieller Not hoffnungsvoll mit ihren drei Kindern in die Zukunft schaut und sich liebevoll um die Bewirtung ihres Gastes kümmert. Und freudig mit dem Kopf wackelt, weil die Besucherin einen gesunden Appetit mitgebracht hat, ihre scharfen Speisen zu schätzen und auch wie hier üblich mit der Hand zu essen weiß. Gastfreundschaft wird groß geschrieben und wenn der Gast dann auch noch mit Worten und Taten seine Zufriedenheit bekundet, freuen sich Köchin und Besucherin gleichermaßen.

Kleine blaue Schwimmkrabben und Meerrettichbaumblätter

Gewürze, wie man sie aus der indischen Küche kennt, spielen eine große Rolle, aber auch die Produkte der Kokospalme, etwa das Öl, das Manike, die im Dorf mit ayurvedischen Mitteln für die Gesundheit sorgt, braucht, um Auberginen für ein köstliches Pickle zu frittieren. Man erfährt einiges über ihren Tagesablauf, der weit vor Sonnenaufgang beginnt. Aber es wird nicht nur gearbeitet. Bei einer Tasse Tee zeigt sie der ausländischen Besucherin, wie man eine besondere Art singhalesisches Gebäck zubereitet.

So hautnah, wie die Autorin ihre Gastgeber, die meist gerade so über die Runden kommen, erlebt und schildert, so authentisch und einfach sind auch die 60 Gerichte, die sie vorstellt. Authentisch bedeutet aber auch, dass Zutaten verwendet werden, die nur schwer in hiesigen Geschäften zu finden sind, seien es die kleinen blauen Schwimmkrabben, die Meerrettichbaumblätter, Bärenkrebsfleisch oder „maldive fish“, der aus getrocknetem Thunfisch hergestellt wird. Bei einigen dieser exotischen Dinge hilft das Glossar weiter, wie man sie eventuell ersetzen kann. Ansonsten hilft nur ein spezialisierter Händler oder die eigene Fantasie.

Eine exotische Crème Caramel

Wenn die jedoch versagt, schwindet bei mir allerdings häufig das Interesse und ich verlege mich auf Rezepte, die einfacher zu realisieren sind. Etwa die Garnelen-Vadai, knusprig frittierte Linsenküchlein. Ich hatte ein wenig befürchtet, dass sich die auf den Teig gelegten Garnelen im Öl selbstständig machen würden, aber allen Unkenrufen zum Trotz blieben sie haften. Die in Sri Lanka oft verwendete gelbe Lebensmittelfarbe habe ich wie empfohlen durch Kurkuma ersetzt, auch das sorgt ja für eine kräftige Färbung.

Gewundert habe ich mich über die vielen süßen Rezepte im Buch. Vielleicht lässt sich so all das Leid ein wenig leichter ertragen. Ich versuchte mich an der ceylonesischen Variante einer Crème Caramel mit Jaggery-Zucker, Kokoscreme, Muskat und Kardamom und war begeistert. Wer keinen Bambusdämpfer besitzt, kann dieses verführerische Dessert auch im Wasserbad im Backofen herzaubern. Reizvoll klingt auch die Süßspeise Payasam, bei der Mungbohnen geröstet, Sago aufgepoppt und mit Kokosmilch gekocht werden.

Ein Tee ohne Tee

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Ebenso überraschend fand ich die relativ vielen Getränke. Es wird also nicht nur Tee getrunken auf dieser Insel, die bekannt ist für ihren guten Tee. Während mich das Rezept für Kola Kenda, was als breiähnliches Heißgetränk nicht nur eine große Portion mir unbekannter gotu-kola-Blätter vorsieht und mit Reisbrei und Kokosmilch aufgekocht wird, eher abschreckte, fand der ganz einfache Ingwer-Koriander-Tee viel Zustimmung und wurde schon mehrmals wieder zubereitet. Da das Rezept eine erstaunliche Menge an Koriandersamen verlangt, sah ich mich sogar genötigt, unsere Bestände entsprechend aufzustocken. Gestaunt habe ich, dass dieses Getränk, das wohl auch eine gewisse Heilwirkung hat, ganz ohne Tee aufgekocht wird, nämlich ausschließlich mit Koriander und Ingwer – und so man will Zucker oder Honig.

Mit seinen einfühlsamen und stimmungsvollen Geschichten, die von überaus gelungenen farbenfrohen Fotos ergänzt werden, bietet das Buch einen hervorragenden Einblick in das Leben auf dieser von Bürgerkrieg und Tsunami arg geprüften Insel. Das Kennenlernen der traditionellen Küche dürfte jedoch angesichts vieler exotischer Zutaten mitunter schwierig werden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2018

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