Kochbuch von Birgit Hamm und Linn Schmidt: Heimwehküche

Kochbuch von Birgit Hamm und Linn Schmidt: Heimwehküche ★★★★★

Heimwehküche
Lieblingsessen aus Omas Küche

Birgit Hamm und Linn Schmidt
Dorling Kindersley Verlag (2010)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Miriam aus Regensburg, Steffi aus Berlin und Sebastian aus Köln nahmen die Neuerscheinung Heimwehküche von Birgit Hamm und Linn Schmidt mit in ihre Küchen. Sie stöberten in der Rezeptsammlung ausgiebig, kochten jeweils drei (+ mehr) Rezepte daraus und beantworteten schließlich meine fünf Fragen. Ihr Resümee war so positiv, dass die Rezeptsammlung einen Platz auf unserer Bestenliste fand.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

HeimwehkücheIch habe immer ein großes Interesse für das Kochen gehabt. Aber erst seit ein paar Jahren habe ich angefangen, regelmäßig zu kochen. Jetzt wo wir eine zweijährige Tochter haben, versuchen wir täglich zu kochen und dabei die Freude an Kochen lebendig zu erhalten. Zum Glück kocht mein Mann auch sehr gerne und sehr gut. So wird die gemeinsame Zeit in der Küche öfter zu einem Vergnügen.

Ich liebe es, neue Rezepte auszuprobieren und bin ständig auf der Suche nach dem nächsten Kandidaten. Dabei stöbere ich immer wieder in meinen Kochbüchern, die langsam keinen Platz mehr in der Wohnung finden. Kochbücher können mich unglaublich lang beschäftigen, sogar als Bettlektüre wandern sie öfters in unser Schlafzimmer. Meistens koche ich genau nach dem Rezept, obwohl ich mir schon Abweichungen erlaube, wenn irgendeine Zutat gerade fehlt.

HeimwehkücheSeit ungefähr einem Jahr ist das Kochen von einer Notwendigkeit, die sich meistens auf ein paar Standardgerichte beschränkt hatte, zu einem ausgewachsenen Hobby geworden. Inzwischen entspannt es mich nach einem stressigen Arbeitstag, Gemüse zu schnibbeln, um neue Rezepte aus Kochblogs, Zeitschriften oder viel geliebten Kochbüchern mit jeder Menge Eselsohren auszuprobieren.

Meine Kochbuchsammlung wächst stetig, da kann ich mir noch sooft vornehmen erst wieder ein Kochbuch zu kaufen, wenn ich aus dem letzten ausgiebigst gekocht habe. Inzwischen verführen mich vor allem Kochbücher, die mit schönen Fotografien gesunde und leichte Küche in Szene setzen. Meine Lieblingskochbücher sind jedoch gänzlich unbebildert, zum Beispiel das über tausend Seiten umfassende Machtwerk Passionate Vegetarian von Crescent Dragonwagon, welches ich zur Inspiration wie einen Roman immer wieder lese.

HeimwehkücheAuch zu Hause habe ich schon relativ häufig mit der Mutter und auch ohne gekocht. Als ich nach dem Abi in die erste eigene Wohnung zog, wurde daraus dann ein Muss. Mein Rezeptfundus beschränkte sich jedoch auf einige von Mutter und Großmutter gelernte Rezepte. Als ich im Juni 2008 meine Ausbildung zum Buchhändler in einer Kochbuchhandlung begann, nahm das Ganze natürlich andere Ausmaße an. Dennoch muss ich dazu sagen, dass ich mich eigentlich nie streng an das Rezept halte, sondern dieses mehr als Grundlage benutze und es dann nach Belieben interpretiere.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

HeimwehkücheDas Kochbuch Heimwehküche hat mich sofort angesprochen. Die Gestaltung ist sehr gelungen. Zu jedem Rezept (mit einer oder zwei Ausnahmen) gibt es ein schönes Foto vom Gericht, was für mich im ersten Moment entscheidend ist, um das Rezept zu wählen. Die Rezepte sind klar geschrieben mit einem kleinen persönlichen Kommentar am Anfang, aber ohne überschüssiges Geschwätz. Das ganze Layout unterstreicht das Konzept dieses Kochbuches von soliden traditionellen Rezepten, die jedem bald vertraut werden können. Auf jeden Fall trifft das Buch meinen Geschmack und das habe ich schon beim ersten Stöbern gleich gespürt.

HeimwehkücheDem Konzept des Buches gegenüber war ich zunächst skeptisch. Die zwei jungen Hamburger Autorinnen möchten mit dieser Rezeptsammlung aus Omas Küche Kindheitserinnerungen wecken. Aber kann das funktionieren? Ich ging bisher nicht davon aus, dass es eine gesamtdeutsche Kindheitsküche gibt, schließlich bekochen Stuttgarter Großmütter ihre Enkel doch ganz anders als Brandenburger Großmütter.

Je weiter ich mich jedoch durch das Buch stöberte, desto mehr leuchteten meine Augen: Griesklößchensuppe – meine Lieblingssuppe von meiner Oma! Und kalter Hund! Diesen Kekskuchen bekommt mein Vater von seiner Mutter noch heute zum Geburtstag! Auch mein Freund fühlte sich bei Birnen, Bohnen und Speck an die Sommerferien bei seiner Großmutter erinnert. Andererseits gibt es dann auch Rezepte wie den süß-sauer eingelegten Kürbis. Meine Abneigung dagegen hat sich die letzten 20 Jahre nicht geändert, Kindheitserinnerungen müssen ja nicht nur schön sein.

HeimwehkücheMich schreckte der Titel zunächst ab. ‘Heimwehküche’, oh je – was soll das denn wieder sein?? Beim Durchblättern des Buches musste ich mein Vorurteil jedoch revidieren. Im Gegensatz zu den meisten Kochbüchern, die den Anspruch haben, das Beste aus Großmutters Küche zu präsentieren – davon gibt es nicht gerade wenig – sind mir hier auch direkt einige Gerichte aufgefallen, die es tatsächlich bei meiner Großmutter gab. Die Neugierde war also geweckt. Die Rezepte machten auch auf den ersten Blick auch alle einen recht einfachen Eindruck, der Text ist nicht zu lang und die Seiten sind alle sehr übersichtlich. Also ran an den Herd.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

HeimwehkücheSchupfnudeln: Die waren gut, aber nicht umwerfend. Vielleicht liegt es daran, dass ich die richtige Konsistenz von dem Teig nicht kenne. Gegessen habe ich sie schon öfters, aber bis jetzt noch nicht gekocht. Da hätte ich mir schon eine kleine Hilfe gewünscht. Bei diesem Rezept fand ich schon die Erklärung zu kurz, wie sich den Teig anfühlen soll. Etwas mehr Details wären schon hilfreich gewesen.

Schwammerlgulasch mit Semmelknödeln: Sehr lecker, ich liebe dieses Gericht. Die Semmelknödeln sind auch recht einfach zuzubereiten. Meine waren zwar sehr lecker, aber sie haben sich beim Kochen verformt. Ich dachte mir schon, dass der „Semmelteig“ zu trocken war. Vielleicht waren meine Semmel zu groß. Nächstes Mal werde ich eher meinem Gefühl folgen.

Backfisch mit Kartoffelsalat: Sehr gut, der Fisch war wirklich lecker. Der Kartoffelsalat wird nie meine Lieblingsbeilage werden, aber es ist eine schöne Abwechslung und der wird auch ab und zu wiedergemacht.

Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat: Ein einfaches Rezept für einen Klassiker, der immer gut schmeckt. Das Schnitzel war sehr zart und der Bröselmantel perfekt. Am nächsten Tag war es immer noch sehr gut.

Forelle mit Mandelbutter: Die Forelle hat eigentlich gut geschmeckt, aber meiner Meinung nach hat die Butter nicht geholfen den Eigengeschmack der Forelle hervorzuheben. Nächstes Mal würde ich auch ein paar Kräuter in die Forelle stecken. Es ist aber das einzige von den nachgekochten Rezepten, wo ich mir nicht so sicher bin, ob es wirklich ein zweites Mal geben wird.

Apfelreis mit Eischneehaube: Sooo lecker! Bei uns zu Hause hat Milchreis einen festen Platz. Aber bei dieser Kombination kommt man mit deutlich weniger Zucker aus. Man muss dafür die Äpfel richtig lang und langsam weichkochen. In kleinen Schälchen serviert, wird es dazu mit der Eiweißhaube zu einem raffinierten Dessert. Uns hat dieses Rezept sehr positiv überrascht. Wir haben bestimmt nicht so viel aus den Bestandteilen erwartet.

Schokoladenpudding mit Vanillesauce: Einfach und gut. Ab jetzt koche ich nie mehr Pudding aus der Tüte. Pudding selber zu kochen macht wirklich auch nicht mehr Arbeit und das Ergebnis hat uns alle überzeugt. Die Vanillesauce war fantastisch. Die wurde gleich zu DER Vanillesauce, die bei uns gekocht wird.

Dampfnudeln: Dass man so gute Dampfnudeln so einfach selber kochen kann, hätte ich nicht gedacht. Wir haben sie mit der oben genannte Vanillesauce vorbereitet. Sie sind sehr schön aufgegangen und waren sehr lecker. Auch am nächsten Tag haben sie uns prima geschmeckt. Wir haben dann den Anreiz vom Buch genommen und sie mit Kräuterbutter und Schinken gegessen.

Sonntagshefezopf: Das Ergebnis hatte bei uns ein sehr schönes Aussehen und hat uns gut geschmeckt. Wir hoffen trotzdem, dass es uns nächstes Mal besser gelingt. Uns war der Hefegeschmack ein bisschen zu stark. Ich glaube, es liegt aber daran, dass sich nach der angegebenen Gehzeit der Teig noch nicht verdoppelt hat. Wahrscheinlich war es bei uns zu kalt für den Teig, aber an dem Tag hatte ich keine Zeit mehr, um ihn länger gehen zu lassen.

HeimwehkücheAls Erstes habe ich die Grießklößchensuppe ausprobiert. Das ist bei uns in der Familie ein Klassiker, seitdem ich denken kann, ich hatte also durchaus Vergleichsmöglichkeiten. Die Suppe in Heimwehküche ist sehr deftig und reichhaltig (das Rezept beinhaltet allein 3 Esslöffel Butter), die Grießklößchen haben jedoch eine schöne Konsistenz und behalten auch beim ersten Wiederaufwärmen noch die Form. Diese Version wird als leckere Alternative zu unserem Familiengericht bestimmt bald wieder gekocht.

Zeitangaben für die Vorbereitung fehlen in Heimwehküche leider durchweg. Das hat sich für die Zubereitung der Kartoffelpuffer auf Seite 66 gerächt. Aus dem verlockend einfachen Rezept (nur drei Zutaten!) wurde eine abendfüllende Veranstaltung, da ich die Zeit, die es brauchte um 1,5 kg Kartoffeln zu schälen, zu reiben und als Puffer auszubacken, deutlich unterschätzt hatte. Das Ergebnis entsprach jedoch meiner Vorstellung: schmackhaft und sättigend.

An das Rezept für das Schwammerlgulasch mit Semmelknödeln hatte ich hohe Erwartungen. Die Autorin wurde in ihrer Kindheit bei ungeliebten Wandertouren mit der Aussicht auf dieses Gericht weitergelockt. Das Resultat hat mich überzeugt – sämige Sahnesoße mit zarten Pilzen und herzhaften Knödeln, für mich der Gewinner des Buches.

HeimwehkücheNatürlich musste ich Rezepte probieren, die auch meine Großmutter schon zubereitete. So ist meine Auswahl aber ein bisschen beschränkt geblieben auf den süßen Bereich (denn was gibt es sonst, wenn man bei der Großmutter zu Besuch ist?!). Neben dem Käsekuchen, welcher hier inzwischen schon mehrfach im Ofen stand und demnach auch zu meinem Lieblingsrezept avanciert ist, wurden der Mohnkuchen, die Quarkkäulchen und die Kartoffelpuffer zubereitet. Alles bis auf die Quarkkäulchen ist auch sehr gut gelungen. Woran es bei den Quarkkäulchen lag, kann ich leider nicht sagen, kommt vielleicht auf einen weiteren Versuch an. Leider ist mir nicht die richtige Konsistenz gelungen. Meiner Meinung nach – und das zum Rezept gehörige Bild vermittelt denselben Eindruck – sollten sie eine relativ feste Konsistenz haben, das wurde aber leider nichts (dazu muss dann wohl doch die richtige Großmutter befragt werden!).

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

HeimwehkücheWie oben erwähnt, finde ich das Layout sehr gut und die Fotos sehr ansprechend.

HeimwehkücheEs ist ein wirklich schönes Buch mit liebevollen Fotos und einem übersichtlichen Layout. Jedes Gericht wird durch eine kurze Anekdote der Autorinnen eingeleitet oder beschreibt eine der sechs Hauptdarstellerinnen, das sind Großmütter aus den verschiedensten Ecken Deutschlands, die je ein Gericht vorstellen. Lediglich vom Kapitel „Gut wirtschaften“ , einer bunten Mischung aus relativ beliebigen Tipps und Tricks aus Omas Küche war ich nicht überzeugt, da hätte ich mir mehr Grundlegendes zum Beispiel zu Vorratshaltung oder Mahlzeitenplanung gewünscht.

HeimwehkücheHardcover ist bei mir immer der Favorit, vor allem bei Kochbüchern. Man kann das Buch ohne Probleme aufgeschlagen daneben liegen haben, Taschenbücher muss man immer mit irgendwas beschweren, damit die aktuelle Seite auch aufgeschlagen bleibt. Sollte das Buch dennoch mal im Weg sein, ist es schnell zugeschlagen und weggelegt – mit dem Lesebändchen ist man im Anschluss direkt wieder auf der richtigen Seite. Insgesamt ist das Buch sehr übersichtlich gestaltet. Links die Zutatenliste und daneben kurz und prägnant die Zubereitung. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Zu vielen Gerichten gibt es noch Tipps zu Kombinationsmöglichkeiten, etwa dass Apfelmus sehr gut zu den Kartoffelpuffern passt oder das der Käsekuchen durch Zugabe von Brombeeren oder Johannisbeeren noch ein Quäntchen leckerer wird (die sollten dann natürlich aus Omas Garten sein!). Heutzutage schon Standard, zumindest aber von den meisten Kochbuchkäufern vorausgesetzt: zu (fast) jedem Rezept ein Bild, hier von den Autorinnen selbst in Szene gesetzt. Ein kleines liebenswertes Detail, das mir aufgefallen ist: Das Geschirrtuch vom Cover setzt sich im Vorsatz fort.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

HeimwehkücheIch würde es auf jedem Fall weiterempfehlen. Bei mir wurde es gleich zu meinem Lieblingskochbuch der deutschen Küche. Man sieht ihm sofort an, dass es sich um eine Sammlung von Rezepte handelt, die zigmal gekocht wurden und die problemlos gelingen und sehr schmackhaft sind. Zwar bin ich bei den nachgekochten Rezepten nicht immer zu dem gewünschten Ergebnis gekommen, aber geschmeckt hat es immer und sehr gut sogar. Ich bin überzeugt, dass viele von den Rezepten in diesem Buch in unsere Familienrezeptesammlung wandern werden. Am Ende des Buches sind auch noch verschiedene Tricks und Tipps aus Omas Küche zu finden, die hilfreich werden können (z.B. für die Resteverwendung).

HeimwehkücheWider meiner Erwartung habe ich mich tatsächlich beim Lesen, Kochen und vor allem Essen an meine Kindheit zurückerinnert. Die Kochanleitungen sind knapp gehalten, jedoch auch ohne großmütterliche Kocherfahrung gut zu meistern. Die Gerichte beinhalten zumeist ordentlich Butter, Zucker und/oder Sahne, es ist für mich also kein Kochbuch für jeden Tag (das würde sich deutlich auf die Hüften schlagen), aber eins für besonderen Sonntage oder gemütliche Familienrunden.

HeimwehkücheEndlich mal ein Buch mit Rezepten, die wirklich aus Großmutters Küche stammen und nicht nur unter diesem Namen mehr schlecht als recht zusammengeschustert wurden; davon gibt es leider viel zu viele. Durch die eingefügten Kurzporträts der sechs wirklichen Omas, die jeweils ein Rezept vorstellen, bekommt das Buch außerdem einen sowohl sehr sympathischen wie auch authentischen Charakter. Sehr gut zusammengestellt von den Autorinnen und sehr gut in Form gebracht vom Verlag, trotz des etwas unglücklichen Titels, der vielleicht viele vom Kauf dieses Buches abhält.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2010

3 Kommentare

  1. Doris

    Danke für die ausführliche Rezension. Mich hat sie so neugierig gemacht, so dass wir uns das Buch am Samstag in der Buchhandlung genauer angeguckt haben. Und – was soll ich sagen – mein Mann war sehr angetan, von den Rezepten – und von den Geschichten der Großmütter. 🙂 Also haben wir “Heimwehküche” gleich gekauft. Gestern gab\‘s schon mal den Kaiserschmarrn, dafür hatten wir nämlich alle Zutaten im Haus.

  2. multkulinaria

    Königsberger Klopse sind auch drin (Cover-Foto)? Da gerate ich ebenfalls in Versuchung.
    Und dann hat meine Oma unwiderstehlich leckeren Rindfleischdsalat gemacht. Und sauren Bohneneintopf. Hach..

    • Katharina

      Ich denke da an Kartoffelpuffer, Bohnen mit Speck, Buchteln … – schöne Erinnerungen!

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