Kochbuch von Bettina Matthaei: Das große Buch der Gewürze

Kochbuch von Bettina Matthaei: Das große Buch der Gewürze ★★★★★

Das große Buch der Gewürze
Bettina Matthaei, Fotos Luzia Ellert
Collection Rolf Heyne (2013)

Mehr über den Kochbuch-Verlag

Sabine Cikic

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Das große Buch der Gewürze, das neue Buch von Bettina Matthaei, ist eigentlich gar kein Kochbuch, vielmehr ist es ein Koch-Inspirationsbuch. Neben den „üblichen Verdächtigen“ aus dem Gewürzregal werden auch zahlreiche unbekanntere Gewürze vorgestellt und vielfältigste Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt. Die Fotos von Luzia Ellert, die die Stars des Buches ins rechte Licht rücken, sind schlichtweg großartig.

Rund 50 Gewürze stellt uns Bettina Matthaei in ihrem neuesten Werk vor. F-ü-n-f-z-i-g?? Ich sehe einige von Ihnen schon aufstöhnen: braucht man wirklich so viele Gewürze? Aber haben sie schon mal die Gewürze in ihrem Regal gezählt? Wenn sie nicht gerade sehr puristisch veranlagt sind und außer Salz und Pfeffer auf Gewürze eher pfeifen, dürften sie überrascht sein, wie schnell eine beachtliche Zahl zusammen kommt. Und wie viele Ihrer Gewürze verwenden Sie ausschließlich für die immer gleichen Gerichte? Wäre es nicht toll, mit den vorhandenen Gewürzen mal was ganz Neues auszuprobieren? Auch darum geht es in „Gewürze“!

Lexikon + Kochbuch

Das Buch gleicht auf den ersten Blick eher einem Lexikon als einem Kochbuch. Alphabetisch geordnet werden die verschiedenen Gewürze präsentiert. Jedes einzelne wird in Aussehen und Angebotsform beschrieben, Geruch und Geschmack werden erläutert und Anwendungsmöglichkeiten in der Küche genannt. Toll sind die Kurzübersichten: wozu das jeweilige Gewürz gut passt und welche „harmonische Gewürzakkorde“ sich im Zusammenspiel mit anderen Gewürzen ergeben, machen Lust zu experimentieren.

„Raffinierte Geschmacksassoziationen“ liefern knappe Auflistungen für konkrete Rezeptideen, z.B. „Lemon Myrtle – Bandnudeln, Kräuterseitlinge, Sahne“. Es folgen dann erst die Rezeptideen zum Gewürz. „In der Kürze liegt die Würze“ – dieser Spruch scheint bei dem umfangreichen Werk zunächst gar nicht treffend. Aber doch: der lexikalische Stil gepaart mit den kurzen Rezepten, in denen dennoch Platz für Tipps zu Anwendungsmöglichkeiten und Varianten ist, spiegelt das Credo sehr wohl wider.

Für jene unter Ihnen, die, ohne ein vorheriges Foto zum Gericht gesehen zu haben, nicht kochen können oder wollen, ist das Buch nicht geeignet. Kein einziges Foto zeigt eine zubereitete Speise. Das macht aber gar nichts, glauben Sie mir. Die Rezepte sind kurz und überschaubar geschrieben, und nicht jede Nudelsauce muss man zunächst gesehen haben, um sich vorstellen zu können, ob sie schmecken könnte, oder? Hier sind die Gewürze die Stars, und die Fotografien, die Luzia Ellert für dieses Buch gestaltet hat, sind mit Abstand das Originellste und Spannendste, was wir seit langem in einem Kochbuch sehen durften. Man will eigentlich gar nicht zu viel verraten, aber haben Sie schon einmal Chilis auf einem Sofa lümmeln sehen? Eben!

Es gibt viel zu tun!

Ich kann kaum aufhören, Rezepte zu markieren, die nachgekocht werden wollen. Die meisten Gewürze habe ich sowieso in meinem Vorrat, alle anderen jage ich – anfangs – begeistert. Frau Matthaei ist „vom Fach“: seit nunmehr 10 Jahren betreibt sie in Hamburg ihren Gewürzladen, aber nicht einmal in ihrem gut sortierten Onlineshop bekomme ich Wattleseed und Akudjura (gemahlene Buschtomaten), beides australische Kostbarkeiten. Schließlich finde ich diese Gewürze in einem anderen Onlineshop und bestelle sofort. Aber Fehlanzeige, eine E-Mail des Händlers informiert mich, dass die Gewürze leider doch nicht mehr vorrätig seien und nicht mehr nachbestellt werden würden. Ich übe mich also in Geduld und werde zuschlagen, sobald sie mir irgendwo über den Weg laufen. Bei etwa 600 Rezepten muss ich mich auch so nicht langweilen und kann aus genügend anderen wählen. Es gibt viel zu tun!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2013

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