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Viel Freude!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Bernadette Wörndl: Waldkochbuch ★★★★★

Waldkochbuch,
Bernadette Wörndl,
Fotos: Kathrin Gollackner,
Hölker Verlag (2020),
Mehr über den Verlag

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Katja Böttger

Von

Wie schmeckt Wald? Nach Wild und Steinpilz? Waldhimbeeren, Maronen? Löwenzahn, Bärlauch? Dies sind ungefähr die Wegpunkte, die bislang meinen Horizont markierten. Bernadette Wörndl taucht viel tiefer ein – und zeigt, dass es noch so viel mehr zu entdecken gibt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Meine Pläne, mich als Sammlerin nützlich zu machen, sind gescheitert. Die praktischen Hürden erwiesen sich als höher als gedacht. Gelohnt hat es sich trotzdem. Aber von vorn.

Kochbuchautorin Bernadette Wörndl

Wer Valentinas verfolgt, dem wird Bernadette Wörndl (Foto links) aufgefallen sein. Die sympathische Wienerin ist Foodstylistin und Kochbuchautorin. Mit ihren ersten drei Büchern hat sie tief beeindruckt. Auch ich bin hellhörig geworden. Besonders ihre hohe handwerkliche Qualität, ihre kulinarische Finesse und ihr nachhaltiger Ansatz haben mich neugierig gemacht. Und nun kommt das druckfrische Waldkochbuch, darauf freue ich mich sehr.

Tannengrün und dunkle Erde

„Meine größte Inspirationsquelle ist die Natur “, schreibt sie. Hierzu passt das Thema Wald natürlich hervorragend. Der tannengrüne Buchdeckel und die erdbraunen ersten Innenseiten setzen sogleich auch farblich den Grundton, der das Buch prägt. Das gesamte Buch wirkt stimmig und wertig. Besonders gefallen mir die stimmungsvollen Fotos. Gemeinsam mit der Fotografin Kathrin Gollackner ist es Wörndl hier wirklich gelungen, den Wald fast sinnlich spürbar zu machen, ohne dass all das Laub, Moos und Holz nur oberflächlich dekorativ wirken würden, weit entfernt auch von jeder Eiche-rustikal-Ästhetik mit röhrendem Hirsch.

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Website & Instagram der Autorin

Mehr von Bernadette Wörndl bei Valentinas

Das Waldkochbuch ist in die vier Kapitel Frühling, Sommer, Herbst und Winter untergliedert, bei einem so ausgemacht saisonalen Thema vermutlich das einzig sinnvolle Ordnungsprinzip. Zwischen den Rezepten sind Pflanzenporträts eingebettet, jeweils eine Doppelseite mit Wissenswertem und Nützlichem sowie zart gezeichnete Illustrationen, die an ein altes Pflanzenbestimmungsbuch erinnern. Überrascht stelle ich fest, dass mir die meisten immerhin sehr bekannt vorkommen, auch wenn ich nicht gewusst hätte, was ich mit Sauerklee oder Gundelrebe in der Küche anstellen sollte.

Wie schmeckt der Herbst?

Einige der pflanzlichen Waldbewohner sind in ihren Jahreszeiten besonders präsent. Für sie gibt es dann neben den erntefrischen Zutaten auch Rezepte für die Vorratshaltung. So hält das Frühlingskapitel gleich sechs Grundrezepte für junge Tannenwipfel parat, von Salz über Honig, Sirup und Butter bis Essig und Öl, dazu ein Tannenwipfeleis, das schon mit dem verheißungsvollen Namen meine Neugierde triggert. Vom Holunder gibt es sodann so ziemlich alles von der Blüte und auch „Kapern“, die aus den unreifen, noch grünen Früchten gewonnen werden. Im Sommer folgen dann die Walnüsse mit Nocino, Walnussblättereis und Schwarzen Nüssen.

Kochbuch von Bernadette Wörndl: Waldkochbuch

Und dann kommt das Herbstkapitel. Das ist die Saison, in die mein Rezepttest fällt. Bei der Feinplanung dafür offenbaren sich besondere Herausforderungen. Im Herbst ist das Saisonfenster ja schon immer enger und ich versuche für Valentinas, stets eine gewisse repräsentative, saisonale Bandbreite der Rezepte zu erreichen. Für das Waldkochbuch aber kann ich nicht einfach zum Gemüsehändler gehen, um die Lücken in meiner Zutatenliste zu schließen. Er hat nun einmal – naheliegenderweise – im November keine frischen Frühlingswildkräuter oder gar junge Tannenwipfel im Angebot.

Nachdem diesmal also recht viele Kandidaten durch das notgedrungen sehr grobmaschige Netz gefallen sind, habe ich doch einige gefunden, die sich testen lassen mochten. Und auch hier habe ich hier und da ein paar Zutaten ausgetauscht, aber immerhin den Kern getroffen, so hoffe ich zumindest. Und was soll ich sagen: Es war die reine Freude. Alles funktionierte, alles schmeckte. Unser besonderer Fund waren wachsweiche Eier mit knuspriger Haselnusskruste, und die funktionieren sogar rund ums Jahr. Was ich mir erhofft hatte – gutes Handwerk und geschmacklich feinsinnige Raffinesse –, all das hat sich vollständig erfüllt. Ich bin jetzt auch im Bernadette-Wörndl-Fanclub.

Bernadette Wörndl:

„Meine größte Inspirationsquelle ist die Natur. Dort werden aus einzelnen Zutaten Rezepte, aus Farben Geschmackskombinationen und aus Gerüchen Gerichte.“

Ich hatte nur eine kleine Kostprobe, aber die überzeugte auf ganzer Linie. Nein, besonders alltagstauglich ist das Waldkochbuch sicher nicht. Wer jedoch etwas Besonderes sucht, ist hier goldrichtig. Das Waldkochbuch bietet die Chance, neue Horizonte zu eröffnen – und dies fast vor der eigenen Haustür. Und im kommenden Frühling gibt es dann hoffentlich auch mal Tannenwipfeleis …

Veröffentlicht im März 2021

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