Kochbuch von Bernadette Wörndl: Jetzt können die Gäste kommen

Kochbuch von Bernadette Wörndl: Jetzt können die Gäste kommen ★★★★★

Jetzt können die Gäste kommen: 24 raffinierte Menüs für entspannte Gastgeber
Bernadette Wörndl, Susanne Spiel, Christian Verlag (2011)
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Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Eigentlich steckte ich gerade mitten in den Urlaubsvorbereitungen und hatte keinen Kopf für Gästeeinladungen, als dieses Buch auf meinem Schreibtisch landete. Eigentlich. Aber dann konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so schön, so anregend, so erfrischend-kreativ ist Jetzt können die Gäste kommen von Bernadette Wörndl geworden.

In Wien gibt es in der Nähe des Naschmarkts ein witziges, kleines Geschäft: allen voran ein Kochbuchladen, dazu aber auch Gewürzhandel und – weil Kochbuchlesen hungrig macht – gibt es mittags eine kleine, wöchentlich wechselnde Karte mit „kleinen“ Gerichten. Und die Küchenfee, die dafür zuständig ist, hat ihre Rezeptsammlung nun in ein 190 Seiten starkes Buch verwandelt.

Darin stellt die Autorin für jeden Monat ein Drei- und Fünf-Gänge-Menü vor, insgesamt knapp hundert Rezepte. Diese werden nicht einfach in chronologische Arbeitsschritte aufgeteilt, als würde man das Gericht sofort und komplett fertigstellen, sondern vielmehr nach der Möglichkeit der Vorbereitung. Man sieht somit, was bereits am Morgen oder gar Vortag erledigt werden kann, so lässt sich später in der Küche, wenn die Gäste bereits angekommen sind, Stress vermeiden, da nur noch wenige Handgriffe zu erledigen sind. Die angegebene Arbeitszeit kommt mir allerdings ein wenig aus der Luft gegriffen vor, da hat die Profiköchin für uns Homecooks doch recht knapp kalkuliert.

Aber was für ein Feuerwerk an Ideen! Jeder Gang wird grandios-liebevoll kombiniert: ob mit pfiffigen Saucen (wie der Apfelsalsa zum Avocado-Gurken-Lassi), eigens für die Gazpacho mit gebackenem Salzmandelzwieback oder dem Sojabrot zur Cashew-Sesam-Suppe mit Sprossen. Zugegeben, manchmal kann einem fast bang werden bei den Zutaten. Limetten-Kalbsblanquette mit Kokosmilch und Korianderspätzle (20 Zutaten) ist keine schnelle easy-peasy Küche für Montagabend, aber das will das Buch ja auch gar nicht sein. Hier geht es vielmehr um den vollen Genuss, die Freude am Teilen mit Freunden, die schon bei der Vorbereitung beginnt, die Zelebration von Gastfreundschaft und großer Küche. Dazu braucht man Zeit, Muße und Lust am Experimentieren. (Für meine vier Gänge stand ich 5 Stunden in der Küche bevor die Gäste kamen.) Und auch solide Kochkenntnisse, da manche Arbeitsanweisungen eher knapp bemessen sind. Wer das nicht scheut, sondern genießen kann, wird hier wahrlich fündig und grandios belohnt.

Immer wieder bin ich total begeistert, von der Sachkenntnis der Autorin. Allein die Einleitung über Matcha-Tee, die dem Rezept Matcha-Grüntee-Pudding mit Kumquat Kompott vorausgeht, zeigt die Kennerin und Könnerin, die hier am Werk ist! Oder hätten Sie gewusst, dass Matcha von der Tencha Teepflanze stammt und – im Gegensatz zur „normalen“ Sencha Teepflanze – fleischigere Blätter trägt, weil die Pflanze beschattet wird und durch den Lichtentzug mehr Chlorophyll produziert, wodurch der Tee grüner wird und kräftiger schmeckt. Nun, nach der Lektüre wusste ich es…

Diese kurzen Einleitungen zeigen immer wieder die Liebe zum Detail und auch die Achtung vor den Produkten. Nett sind auch die kleinen, wie nur eben hingescribbelten Grafiken, die neben den Fotos, die es fast zu jedem Rezept gibt, die Seiten zieren. Auch bei den Garmethoden und dem Anrichten geht Bernadette neue Wege: die Seezungenröllchen mit Sencha-Grüntee werden im Einmachglas pochiert und nur mit einer farbigen Serviette umwickelt, in der auch gleich der Löffel steckt, serviert. So einfach, und doch so neu und witzig. Auch die Madeleines zum Affogato mit Mandeleis (S. 80) werden nicht einfach in Förmchen gebacken, sondern in alten Flohmarktlöffeln und dann komplett zum Dessert gereicht.

Zum Schluss gibt es noch ein paar Grundrezepte für „Dazu und Drüber“, alle Rezepte werden alphabetisch und nach Gerichten sortiert aufgelistet, lediglich eine komplette Übersicht der Menüs mit ihren einzelnen Rezepten hätte ich mir noch gewünscht. Und wenn, ja wenn ich wirklich etwas kritisieren wollte, dann die Porträts von Bernadette, auf denen Mehlspuren ihr Gesicht zieren. Das hat eine so souveräne Köchin nicht nötig.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2011

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