Valentinas stellt seit 2008 Kochbücher mit ihren besten Rezepte vor.

Über 4.700 Beiträge erwarten Dich: kuratiert & wärmstens empfohlen.

Read, cook, enjoy!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Berenice Granada Vargas: Kochen wie in Mexiko ★★★

Kochen wie in Mexiko, Berenice Granada Vargas, Fotos: Silvio Knezevic, GU Verlag (2021)

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Sabine Cikic

Von

Die mexikanische Küche will hierzulande immer noch entdeckt werden. Echte landestypische Gerichte kommen wohl in nur sehr wenigen Restaurants der Republik auf den Tisch; zu oft schmecken Burritos, Tacos und Enchiladas nach Fertigprodukten aus dem Großmarkt. Es mag Ausnahmen geben, aber ich würde sagen: Den höheren Genuss verspricht das Selberkochen allemal, wenn man sich mit den richtigen Zutaten ausstattet und ein gutes Kochbuch an seiner Seite hat.

Ich erinnere mich noch gut an das erste Kochbuch, das ich mir Ende der 1990er-Jahre zur mexikanischen Küche zugelegt habe. Und wie ich es frustriert zur Seite gelegt habe, nachdem mir klar wurde, dass das so schnell nichts werden würde. Das Internet war noch nicht der Go-to-Marktplatz, wo sich die noch so obskurste Zutat auftreiben ließe, und die lokalen Händlerangebote gaben nicht her, was im Buch an Chilisorten & Co. verlangt wurde.

Kochbuchautorin Berenice Granada Vargas
Kochbuchautorin Berenice Granada Vargas

Berenice Granada Vargas (Foto links) hat es vor 15 Jahren nach Europa verschlagen. Wie muss es ihr wohl ergangen sein? Leider erfahren wir im Buch nicht viel über die Autorin; meine Recherchen im Netz ergeben, dass sie wohl in Deutschland lebt und auch Kochkurse leitet. Mit ihrem Buch „Kochen wie in Mexiko“ möchte sie uns die Küche ihrer Heimat näherbringen, sodass auch wir „dem Zauber der mexikanischen Küche“ erliegen. Das ist bei mir schon passiert und ich bin neugierig, mit welchen Rezepten ich mein Repertoire erweitern kann.

Das knapp 150 Seiten starke Buch mit festem Einband hat ein handliches Format, die Rezepte sind GU-typisch gut strukturiert und ausreichend und ansprechend bebildert. Auf die Kapitel „Vorspeisen, Suppen & Snacks“, „Tortillas & Tacos“, „Hauptgerichte“, „Salsas & Beilagen“ sowie „Desserts & Drinks“ verteilt finden sich rund 75 Rezepte.

Die mexikanische Küche – alles ganz einfach?

Laut Vargas sind Mais, Chilis, Avocados, Koriander und Bohnen die Top-5-Zutaten der mexikanischen Küche. Ich möchte noch „Fleisch“ als sechste Top-Zutat-ergänzen, denn vegetarische Rezepte für Hauptgerichte sind doch eher unterrepräsentiert in diesem Buch.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

Instagram der Autorin

Mehr Kochbücher zur lateinamerikanischen Küche bei Valentinas

Ich bin irritiert, dass in vielen Rezepten Maistortillas verlangt werden mit dem Hinweis „mex. Laden oder online“ – soll ich sie denn nicht einfach nach dem Grundrezept im Buch zubereiten? Obwohl ich bei diesem deutlich mehr Wasser zugeben musste, als von Vargas im Rezept angegeben, ließen sich nach ihrem Rezept prima Tortillas backen. Klar, auch ich greife im Bioladen um die Ecke gerne mal zum sehr guten Fertigprodukt aus der Kühlung, aber Tortillas selbst herzustellen ist nicht allzu kompliziert und machbar.

Ansonsten: Geschmacklich waren wir leider nur von einem der nachgekochten Rezepte wirklich hingerissen. Die „Traditionelle Maissuppe“ überrascht mit einer Zutat, die zumindest in unserem Haushalt neu war: „Mais für Pozole“. Das ist getrockneter Mais, der in kalkigem Wasser gekocht wird. Anschließend wird der Mais gewaschen, um den Kalk zu entfernen. Das Verfahren nennt sich Nixtamalisation und wird auch bei der Herstellung von Maismehl für Tortillas angewendet. In Biss und Geschmack ähnelt der Pozole-Mais eher Kichererbsen als dem, was wir üblicherweise unter Dosenmais aus dem Supermarkt kennen. Sehr lecker und eine schöne Abwechslung. Garniert mit frischen Salatstreifen und Radieschen war die herzhafte Suppe mit Schweinerippchenfleisch und Hähnchen am Tisch ein echter Hingucker. Einzig mein Versuch, die Tostadas im Airfryer zuzubereiten, ist der Nachahmung nicht wert.

Berenice Granada Vargas:

„Meine Mutter hat mir beigebracht, mit allen Sinnen zu kochen. Nur so wird ein Gericht vollkommen. Noch heute frage ich sie bei besonderen Zubereitungen um Rat. Man lernt schließlich nie aus.“

Die vegetarischen Enchiladas Potosinas mit ihrer Füllung aus Kartoffeln und Karotten waren gut, für den Aufwand aber doch zu schlicht. Beim Fisch mit Knoblauchsauce habe ich mich gefragt, ob man mit der Limetten-Koriander-Marinade tatsächlich nichts weiter machen soll, als den Fisch darin 10 Minuten ziehen zu lassen? Beim zweiten Brat-Durchgang haben wir dann doch ein kleines Sößchen daraus zubereitet, was der Sache gutgetan hat. Hier habe ich mich auch gewundert, dass Vargas lediglich Basmati als Beilage empfiehlt. So ganz ohne Gemüse oder Salat ist das wirklich kein ausgewogenes Hauptgericht.

„Kochen wie in Mexiko“ kann meine Erwartungshaltung nicht wirklich erfüllen, leider. Die Rezepte sind oftmals zu schlicht und es bleibt geschmacklich der Eindruck, dass doch etwas fehlt. Für ein Anfängerbuch sind zu wenige Zutaten im Detail beschrieben, hier wäre ein Glossar schön gewesen. Für Fortgeschrittene bietet das Buch zu wenig Neues. Sehr schade finde ich auch, dass die Autorin nicht mehr in den Vordergrund tritt und nur wenige Rezepte im Buch durch einen kleinen Text eingeleitet werden. Es trägt dazu bei, dass keine rechte Begeisterung überspringen will.

Veröffentlicht im April 2022

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z 0-9