Kochbuch von Belinda Williams: Suppenliebe

Kochbuch von Belinda Williams: Suppenliebe ★★★★☆

Suppenliebe – Herzerwärmende
Rezepte für jede Gelegenheit
Belinda Williams
Fotos Steve Painter
Thorbecke (2015)
Mehr über den Verlag

Simone Brokmeier

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Suppen assoziiert man gern mit Heimat, Wärme, Glück und Liebe. Weshalb die letzteren beiden Wörter auch gerne in (deutschen) Titeln Verwendung finden. So auch bei Suppenliebe von Belinda Williams, die in Yorkshire einen Partyservice und eine Suppenmanufaktur betreibt und mit Delicious Soups (so der Original-Titel) nun ihr erstes Kochbuch vorlegt.

Bei mir können Suppen ideale Resteessen sein, nach dem Motto „Paprika, Lauch, Bohnen – oh da machen wir eine Minestrone oder lieber eine scharf-saure Suppe draus“. Nach Rezept koche ich solche Alltagsgerichte nie. Aber dann gibt es auch noch die genialen Auftakte zu einem Menü, fein ausgeklügelte Kompositionen, die durch besondere Zutaten, Zubereitung und Kombinationen auffallen. Da lasse ich mich gerne von tollen Kochbüchern inspirieren. Ich war gespannt in welche Richtung das 145 Seiten-starke Büchlein geht.

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Heimatliche Aromen mit internationalen Klassikern

Sofort angetan war ich von der Optik des Buches: schönes, kräftiges Papier, sehr appetitliche und abwechslungsreiche Bilder zu jeder Suppe, übersichtliches Layout. In der Einführung erzählt die Britin von ihren Wurzeln und der Verbundenheit zu ihrer Kultur und kulinarischem Erbe, weshalb die Suppen in ihrem Unternehmen auch mit Gemüse und Zutaten von lokalen Bauern zubereitet werden. Dennoch ist das Buch keine rein englische Angelegenheit.

Geschickt kombiniert sie heimatliche Aromen mit internationalen Klassikern – fertig ist die britische Bouillabaisse, eine Verneigung vor dem Original, lokal interpretiert. Nach den Fond-Grundrezepten gliedert Belinda Williams das Buch in vier Kategorien: Herzhaft und Gesund, Glatt und cremig, Etwas Besonderes und Internationale Aromen. Jedes der 60 Rezepte wird von einer kleine Geschichte begleitet, wodurch oder von wem es inspiriert wurde, wozu sich die Suppe besonders eignet, worauf man achten sollte.

Mein Higlight: Soupe au Pistou

Jahreszeitlich bedingt fand das erste Kapitel bei mir zunächst die meiste Beachtung, denn hier überwiegen deftigere, sättigende Kompositionen. Noch bevor ich loslegen konnte, probierte mein Mann als erstes die Zwiebelsuppe mit Bier und Thymian aus. Sie unterscheidet sich – bis auf das fast zu dezent eingesetzte Bier – nicht so grundlegend vom französischen Klassiker. Der Dijon-Senf verleiht zusätzlich Kick, aber revolutionär neu kann man die (trotzdem köstliche) Suppe nicht nennen.

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Die Zutatenlisten erscheinen oft abschreckend lang, ein gut sortierter Haushalt verfügt aber über die meisten Gewürze und Basics ohnehin. Es sind vor allem die vielen verschiedenen Gemüse, die dafür verantwortlich sind, da kommen schon mal sechs bis acht Sorten in den Topf: ein Viertel Sellerie, ein Viertel Steckrübe, ein Viertel Kopf Wirsing … Dafür sind die Rezepte auch oft für 6-8 Personen gedacht. Und wem das dennoch zu umfangreich ist – Belinda Williams (links) ermutigt jeden, den Suppen seinen eigenen Stempel aufzudrücken und Zutaten ggf. auszutauschen. Natürlich schmeckt jede Suppe am allerbesten mit frisch gekochten Fonds, aber im Alltag habe auch ich z.T. zu Fond aus dem Glas gegriffen, was der deftigen Puy-Linsen-Wirsing-Suppe mit Speck keinen Abbruch getan hat.

Ein Highlight war für mich die Soupe au Pistou aus der Kategorie Internationale Aromen. Auch wenn die einzelnen Grundzutaten wie Fond, viel Gemüse, Vermicelli-Nudeln völlig unspektakulär aussehen, in der Summe, gekrönt mit der wunderbaren Knoblauch-Basilikum-Paste, war sie ein grandioser Auftakt zu einem Menü.

Unbedingt ausprobiert werden musste auch die Kartoffelcremesuppe mit gerösteten roten Zwiebeln und gesalzenem Karamell. Das klang so spannend und überraschend wie es war. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die 500 g Crème double (!) nicht vollständig eingesetzt habe, was auch im Sinne der Gäste war. Aber in kleinen Bechern serviert kann hier die neue britische Küche mit starken Akzenten punkten.

Im Alltag werde ich wohl weiterhin die Gemüse in den Topf werfen, die ich gerade vorrätig habe, aber neue Inspirationen werde ich mir sicher gerne bei Belinda Williams holen. Wie zum Beispiel die Spinat-Parmesan-Suppe mit Rosmarin. Oder die Birnen-Sellerie-Suppe mit gesalzenen Walnüssen und Rucola, und und und …

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2016

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