Kochbuch von Béatrice Peltre: La Tartine Gourmande (engl.)

Kochbuch von Béatrice Peltre: La Tartine Gourmande (engl.) ★★★★☆

La Tartine Gourmande –
Recipes for an Inspired Life

Béatrice Peltre
Roost Books (2012)

Annick Payne

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Der kleine Unterschied zwischen Mann und Frau lässt sich auch mit Kochbüchern erklären: ein beliebiges Kochbuch der klassischen französischen Küche zeigt die Welt der Männer, voll deftiger, herzhafter Fleischgerichte, während Béatrice Peltres die weibliche Seite derselben Landesküche darstellt. Frisch, leicht, vollwertig und gesundheitsbewusst findet man hier die Kalorien eher im Schokoladenmoussetörtchen als im Eintopf. Aber dass dies kein reines Frauenkochbuch ist, zeigt die Begeisterung der von mir hieraus verköstigten Männer!

Die in Boston lebende Französin Béatrice Peltre arbeitet als Food Stylistin und Fotografin. Ihr Blog La Tartine Gourmande zeichnet sich durch umwerfende Fotografien, charmante Geschichten und appetitanregende Rezepte aus. Vor Jahren bin ich irgendwann einmal über ihr Blog gestolpert und kehre seitdem regelmäßig für neues Lesefutter zurück. Neben verschiedenen Auszeichnung ist ihr Blog auch von der Zeitschrift Saveur als bestes “Special Interest” Blog 2010 ausgezeichnet worden (hier ein Interview in der Saveur).

Ich habe gebannt auf das Kochbuch gewartet und kann nun sagen, dass die Umsetzung Blog zu Buch ganz wunderbar gelungen ist (hier ein kleiner Vorgeschmack und der u. a. Trailer). Besonders gefällt mir, dass die Nähe zum Leser, der private Charakter auch in Buchform gewahrt bleiben. Jedes Rezept wird durch eine kleine persönliche Geschichte eingeleitet, den einzelnen Kapiteln gehen längere Essays zu Peltres Leben und Lebensphilosophie voraus. Kleine französische Sätze (mit Übersetzung) lockern den Text auf. Als langjähriger Leserin des Blogs fällt mir keine nennenswerte Anzahl bekannter Rezepte auf – schön, dass das Buch viel Neues bietet!

Peltres Kochstil ist kreativ, sie arbeitet mit besonders hochwertigen Zutaten und verwendet viele Getreideprodukte jenseits des Mainstream, beispielsweise Mehl aus Quinoa, Reis, Amaranth, Buchweizen und Hirse. Nicht alles wird man bei uns problemlos bekommen können, doch in meiner Erfahrung mahlen Reformhäuser ihren Kunden gerne jedes dort gekaufte Korn zu Mehl. Das in diesen Mehlsorten fehlende Gluten wird durch den Stabilisator Xanthan (E415) ersetzt, einem als unbedenklich geltendem Ballaststoff, der z.B. übers Internet erhätlich ist. Wer sich aus Gesundheitsgründen glutenfrei ernähren muss, findet bei Peltre ein Eldorado an appetitlichen Rezepten, aber auch alle anderen können hier auf ihre Kosten kommen. Die Autorin selber erzählt, sie habe sich bewusst eine zeitlang mit glutenfreier Ernährung auseinandergesetzt und dadurch diese Zutaten kenngelernt, die sie geschmacklich überzeugt hätten. Aber sie ist keineswegs dogmatisch und lädt auch dazu ein, diese Produkte nach Belieben durch einfaches Weizenmehl zu ersetzen.

Das Layout besticht durch seine klare Aufmachung, das Highlight sind fraglos Peltres gekonnte Fotografien. Ein Traum für Landliebe-Romantiker – doch es gibt auch schlichtere Bilder für alle, denen das zu kitschig ist. Auffällig ist, dass nicht nur Dekotextilien und Geschirr, sondern auch das Essen selber in frohen, bunten Farben daher kommt. Gelegentlich zeigen die Fotos auch mal die Autorin und ihre Familie, doch grundsätzlich steht das Essen im Vordergrund. Ein einzelner Layoutaspekt missfällt mir, die innen gedruckten Seitenzahlen. Äußerst unpraktisch, wenn man eine Seitenangabe aus dem Register auffinden will und immer das Buch ganz aufschlagen muss.

In den Kapiteln Breakfast-Brunch, Lunch, Dinner und Dessert finden sich viele inspirierende Rezepte. Wie wäre es mit Fenchel-Erbsensuppe mit Wasabisahne und Garnelen? Clafoutis von karamellisierten Kirschtomaten, Zucchini und Ziegenkäse? Kartoffelnester mit Ingwer-Krebsfleisch? Wer nicht nur die Namen liest, sondern auch die Fotos dazu sieht, der wird kaum widerstehen können.

Bleibt die Frage, schmeckt es denn auch? Mais oui. Überwiegend waren wir begeistert. Die Anweisungen scheinen mir adequat, setzen aber Grundkenntnisse voraus. Zweimal bin ich mit Eirezepten auf die Nase gefallen, wobei hier schwer zu beurteilen ist, ob der Zufall oder das Rezept daran schuld war, denn die Gefahr des Nichtgelingens besteht bei Mayonnaise und Vanillesoße durchaus. In diesem Punkt will ich in Zukunft lieber meinen Erfahrungswerten als Peltres Anweisung vertrauen.

Empfehlenswert ist dieses Kochbuch für alle, die auf der Suche nach neuen Ufern und Inspiration sind. Jenseits des Farbenrausches versteht es Béatrice Peltre ganz eigene Kreationen anzubieten, manche schlicht und alltagstauglich, andere aufwendiger, die dies aber auch durch großartige Ergebnisse entlohnen. Kompliment, ein sehr gelungenen Kochbuch einer sympathischen Bloggerin!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2012

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