Kochbuch von Barbara Bonisolli: Das vegetarische Kochbuch

Kochbuch von Barbara Bonisolli: Das vegetarische Kochbuch ★★★★★

Das vegetarische Kochbuch
Barbara Bonisolli
Callwey Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

Doris Brandl

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Das Grün aus der Erde bestimmt das kulinarische Gespräch derzeit. Ich selber bin davon als bekennende Fleisch- und Fischgenießerin nicht vollends vereinnahmt, man könnte sogar von einer leisen Skepsis gegenüber vegetarischen Kochbüchern sprechen. Aber Barbara Bonisolli, und das sprach sofort für sie, ist keine Vegetarierin, sondern das Buch ist Folge der fruchtbaren Flut aus ihrem Gemüsegarten.

Bekannt durch ihre Fernsehstaffel „Mein Leben auf dem Land“ und ihrem ersten Kochbuch „Barbara kocht“ hat sie jetzt ihr zweites veröffentlicht. Ihren Gemüsegarten und sie findet man idyllisch, nahe dem Starnberger See.

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„Mensch Mama! … nicht schon wieder Spinat“

Der Garten sei mittlerweile so ertragreich, erklärt Barbara Bonisolli (Foto links). Angefangen mit Kräutern und Tomaten, wanderte immer mehr Grünes frisch aus der Erde in die Küche. Sie bezeichnet sich selbst als maßlos in dieser Hinsicht: Jedes Frühjahr kommen neue Beete hinzu und dann sind plötzlich wieder Unmengen an reifem Obst und Gemüse zu bewältigen. Um den entnervten Kommentaren ihrer Kinder „Mensch Mama! … nicht schon wieder Spinat“ zu entgehen, hat sie eine weitere Leidenschaft entwickelt: Speisen haltbar zu machen.

„Ist das jetzt der Hauptgang?“

Auch gegenüber Freunden beim gemeinsamen Essen war ihre Überzeugungskraft gefragt. Leichte Irritationen und Ängstlichkeiten im Sinne von „Ist das jetzt der Hauptgang?“ bestimmten den Moment vor dem Genuss. Nun ja, auch ich bin gespannt, ab wann mir Fleisch oder Fisch fehlen werden. Da fühle ich mich abgeholt.

Beginnen wir von vorne. Ein großformatiges, 240 Seiten starkes und mit 100 Rezepten gefülltes Buch liegt vor mir. Auf dem Cover wird eine mit Kichererbsen, knallroten Tomaten und grünen Bohnen gefüllte Salatschüssel dargeboten. Zum Markieren der interessantesten Rezepte schnappe ich mir meinen Post-It-Block, aber ganz schnell wird mir klar: damit brauche ich gar nicht erst anfangen. ALLE Gerichte sehen sooo köstlich aus, dass ich am liebsten sofort in die Küche rennen könnte.

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Barbara Bonisolli versteht es wirklich, jede Möhre so abzulichten, dass einem unweigerlich das Wasser im Mund zusammen läuft. Rustikal und ohne Schischi, auf einem alten Holztisch dekoriert, hat wirklich jedes Rezept sein Foto bekommen. Ich bin begeistert.

Ein optischer Traum

Die Kapitel sind nach den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter eingeteilt, zusätzlich gibt es ein Kapitel, in dem sich die Autorin ihrer neuen Leidenschaft, dem Einmachen, widmet. Das Register im hinteren Teil des Buches ist nach den Obst- und Gemüsearten sortiert. Auch sehr hilfreich, wie ich finde.

Also nichts wie ab in die Küche und loslegen. Das scheint auch Barbaras Credo zu sein. Kurzes Vorwort und dann volle Konzentration auf die Rezepte. Keine Geschichten oder Anekdoten, lediglich hilfreiche Tipps oder Vorschläge für Veränderungen, Erweiterungen, oder was man sonst eventuell beachten sollte.

Die Rezepte zum Thema Einmachen finden sich querbeet in allen Jahreszeiten. So gibt es ein sehr leckeres Tomaten-Ketchup-Rezept, das natürlich mitten in den Sommer gehört, wenn die Tomaten in Hülle und Fülle reifen und so schön aromatisch sind.

Und in der Küche erst

Egal, was ich ausprobiert habe, ob der knackige Spinatsalat mit Avocado und Apfel oder Spaghetti Aglio e Olio, gefüllte Auberginen oder Zucchini in verschiedenen Variationen – jedes Rezept hatte etwas Besonderes, zumindest für mich auch Neues. Bei dem eigentlich sehr bekannten Nudelgericht sind es die kross gebratenen Kräuter oder bei einem Zucchini-Salat die knusprigen Croutons, die einfach mit Pesto gemischt werden – absolut köstlich!

Obendrein zur Auflockerung die schönen Fotos von kraftstrotzendem Fenchel, eleganten Artischocken, vom Salatbeet der Blick in die Ferne oder das vorwitzig aus der Erde sprießende Radieschen, und manchmal sieht man auch Barbara in ihrem Element.

Ich habe mich überzeugen lassen: bei solch tollen Rezepten fehlt mir weder Fisch noch Fleisch. Hier passt einfach alles. Die Zutatenlisten sind komplett bis zum letzten Dekokrümel, die Arbeitsabläufe perfekt im Timing und der Reihenfolge. Und sogar die Ergebnisse sahen bei mir aus wie auf den Fotos. Was für ein Kochbuch!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2016

3 Kommentare

  1. Eveline

    Da ich selbst leidenschaftlich gern meinen kleinen Gemüse- und Bauerngarten bewirtschafte, ist das Buch von Frau Bonisolli für mich ein Glücksgriff. Ich habe nun schon einiges nachgekocht und als großer Linsenfan war der Linsensalat für mich Pflicht. Was soll ich sagen: geschmacklich einfach großartig! Der Salat sollte ein paar Stunden ziehen und noch besser schmeckt er tatsächlich am nächsten Tag! Reste für Aufstrich, wie es Frau Bonisolli vorschlägt, fallen bei uns unter Wunschvorstellung. Ich muss gestehen, ich habe sogar das bisschen, das noch da war, in unserem Zweitkühlschrank im Keller versteckt, so dass Mann und Kinder nicht heimlich stibitzen konnten, ohne brüderlich zu teilen. Es gibt zwar in den Arbeitsanweisungen ein paar Unschärfen (3 rote und gelbe Paprika – heißt das jetzt je 3 rote und gelbe oder ingesamt 3 Paprika?) und auch die Arbeitsschritte stelle ich häufig um, weil mir die Reihenfolge oft nicht ganz einleuchtet. Zugegeben: es fehlen gelegentlich Zutaten in der Liste, die dann bei der Zubereitung auftauchen oder es wird ein Sirup eingesetzt, der vorher nicht gekocht wurde, doch die Ergebnisse entschädigen durch die Bank für kleinere Ungereimtheiten! Toll der Rhabarberkompott, toll die kleinen Balubeerpfannkuchen, toll die Spaghetti Alio, Olio mit Brotbröseln… Toll, toll, toll…. Und falls ich den Linsensalat nochmal erwähnen darf…. hach!

  2. Johannes

    Habe am Wochenende das Risotto mit Pfifferlingen gekocht. Mangels Pfifferlingen nahm ich Kräuterseitlinge. Geschmacklich sehr gut. Aber vor allem die Optik des Gerichts hat mich überzeugt. Wird nicht das letzte Gericht sein, das ich koche. 5 Sterne sind verdient.

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