Kochbuch von Aurélie Bastian: Französisch kochen mit Aurélie

Kochbuch von Aurélie Bastian: Französisch kochen mit Aurélie ★★★★☆

Französisch kochen mit Aurélie –
Meine Lieblingsrezepte
Aurélie Bastian
Autorenfoto Hagen Wolf
Bassermann Inspiration (2015)

Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Die französische Küche belegt schon lange einen Favoritenplatz in meinem Kochleben. Und da ich es vorziehe nach Rezepten in Büchern zu schmökern, war mir die wohl bereits bekannte Bloggerin Aurélie Bastian einige Zeit entgangen. Damit nun auch die Scheuen hervorgelockt werden, gibt es jetzt ihr erstes Kochbuch. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sie ihr Können nun auch auf Papier bringt.

Dabei hat die umtriebige Französin bereits zwei Backbücher veröffentlicht. Eins zum Thema ‚Macarons‘, das andere über ‚Tartes und Tartelettes‘. Vor 10 Jahren nach Deutschland ausgewandert, betreibt die leidenschaftliche Köchin seit 2009 ihren Blog zu alltäglicher französischer Küche. 2013 eröffnete sie zusätzlich ihren Online-Shop mit französischer Feinkost und den typischen Küchenutensilien. Dazu findet sich folgender Kommentar auf ihrer Internetseite: „Französische Produkte zu französischen Preisen. Alles was man sich in Frankreich leisten kann, sollte man sich doch auch hierzulande leisten können!“

State of the Art der Geschäftstüchtigkeit: Blog, TV, Buch & Shop

Beides, sowohl sich französische Produkte leisten zu können wie auch die entsprechenden Artikel zu bekommen, wird wohl an ihrem jetzigen Standort in Halle an der Saale nicht ganz einfach sein. Ein Koch- und Backatelier führt sie ebenfalls seit 2013 im Ort. Und auch das MDR-Fernsehen hat sie entdeckt. „Die fabelhafte Welt der Aurélie.“

Ob sie mit ihren Rezepten Glücksgefühle bei den Zuschauern erzeugen kann, analog zur ‚fabelhaften Amélie‘, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber müsste dann nicht auch ein Fünkchen davon aus ihrem Buch überspringen? Ich bin gespannt.

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Les Classiques

Die gebundene Ausgabe mit 176 Seiten und 65 Rezepten entspricht in der Reihenfolge dem klassischen Menü. Jedes Rezept ist übersichtlich meist auf einer Seite untergebracht mit dem gegenüberliegend abgebildeten Ergebnis – so wie es aussehen sollte. Kurze Anmerkungen und Variationsmöglichkeiten bereichern jedes Rezept. Aurélie (links) selbst bleibt völlig im Hintergrund, nur ihr Sohn kommt ihr gelegentlich vor die Linse. Entweder präsentiert er freudestrahlend eines seiner Lieblingsgerichte, wie die leckeren Spinat-Windbeutel, oder es ist nur eine kleine Hand zu sehen, die sich gerade etwas vom Teig stibitzt.

Zugegeben, diese Klassiker haben mich nicht spontan begeistert zum Kochlöffel greifen lassen. Käsesoufflé, Zwiebelsuppe, Ratatouille … hierfür bin ich zu sehr Routinier.

Aber nun gab es kein Zurück, also startete ich mit der Zwiebelsuppe. Ohne Tränen vergießen ging’s zwar nicht, aber das Ergebnis war eine wunderbar sämige und rundum selig machende Suppe, die ihren Kick durch einen beachtlichen Schluck Portwein erhielt. Überhaupt ist Wein eine gern verwendete Zutat in den Rezepten – sehr klassisch so gesehen. (Der Alkohol soll sich ja angeblich beim Kochen verflüchtigen und somit kein Problem darstellen, wenn Kinder mitessen.) Auch Crème fraîche kommt bei Aurélie gerne zum Einsatz, sei es im Kalbsragout, der Quiche Lorraine oder den Hechtklößchen. Also leichte und kalorienarme Küche darf man hier nicht erwarten – auch hier erfrischend „werkgetreu“.

Nur manch zusätzlichen Tipp (s. bei den probierten Rezepten) hätte ich mir gewünscht, doch das Nachkochen war unproblematisch und die Arbeitsabfolgen gut beschrieben. Und siehe da, die Rezepte zeigen ihre wirklichen Stärken dann beim Zubereiten, wenn z.B. Parmesan über das Ratatouille gerieben wird oder für die Oliventapenade grüne anstatt schwarze Oliven verwendet werden.

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Und die Süßen?

Insgesamt hätte ich mir mehr Süßspeisen gewünscht, wie sie in ihrem Blog zu finden sind. Nur 8 Desserts werden aufgeführt. Davon zwei mit Birnen, der Rest sind Cremes in verschiedenen Formen. Denn das süße Genre macht eben die Küche unseres Nachbarn aus. Aber hat sie sich diese vielleicht aufgespart für die nächste Veröffentlichung?

Auf zeitgemäße Anpassungen oder gar Einbürgerungen wurde auch sprachlich verzichtet: Schön finde ich die französischen Rezeptnamen mit den deutschen Untertiteln. Gougères klingt doch viel netter als Windbeutel, oder? Außerdem verrät Aurélie hinten im Buch noch Tipps & Tricks (z.B. warum Crème fraiche in der Sauce grieselig wird oder was Roux = Mehlschwitze ist). Und spätestens im Register findet man wirklich alles wieder, sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch.

Nun ja, Glücksgefühle wie in der ‚Fabelhaften Welt …‘ wären wohl übertrieben, aber große Zufriedenheit können diese traditionellen Klassiker allemal bereiten. Trotz überschaubarer Zutatenlisten und einer meist unkomplizierten Zubereitung, ist nicht jedes Rezept für Ungeübte geeignet (s. unten meine eigenen Erfahrungen). Verlässlich und gut, mein Resümee. Nur das Überraschende fehlt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2016

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