Kochbuch von Atul Kochhar: Currys. 200 Rezepte aus aller Welt

Kochbuch von Atul Kochhar: Currys. 200 Rezepte aus aller Welt ★★★★★

Currys. 200 Rezepte aus aller Welt
Atul Kochhar, Fotos Mike Cooper
Christian Verlag (2014)
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Isabel Geigenberger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Atul Kochhar entführt uns mit seinen Rezepten aus aller Welt ins Paradies der Gewürze und Aromen – er ist der wahre Master of Spices!

„Currys“ – dieser Titel weckt Assoziationen unterschiedlicher Art – bei meiner Tochter „lecker, dann gibt’s endlich Currywurst“ (sorry, leider nicht), bei mir das Pastemörsern bei meinen Kochkurs in Thailand, aber sicher bei den meisten zunächst Indien und seine einzigartige Küche. Atul Kochhar stammt aus Indien, versammelt in diesem Kochbuch jedoch Rezepte aus 18 Weltregionen, darunter Laos, Kambodscha, Karibik, Südafrik, Ostafrika, Indondesien, Nahost oder Bangladesch. Dabei sind auch Rezepte aus Großbritannien, die sich so weit von ihren ursprünglich indischen Vorbildern entfernt haben, dass ihnen Atul kulinarische Eigenständigkeit zubilligt.

Ich gebe zu, am Anfang tat ich mich etwas schwer. Klar war, dass ich meinen schon gut ausgestatteten Gewürzschrank weiter aufstocken musste. Aber: fast alle Rezepte erfordern zunächst die Produktion einer landestypischen Gewürzmischung/ oder -paste, und darüber hinaus auch noch gern ein halbes Dutzend Einzelgewürze, mal grobgehackt, mal kleingemörsert, mal angeröstet, mal mitgebraten. Ein Stoßseufzer ob des Aufwandes.

Aber dann, das Ergebnis! Meine Gäste und ich schwelgten regelmäßig. Raffinierte, ungewöhnliche und stets wieder ganz andere Aromen! So weit weg von dem üblichen Curry grün, rot oder gelb mit Huhn, Tofu oder Rind! Jedes Gericht ein Treffer! (Und ich freue mich immer noch auf das Nächste.) Vielleicht ist der Aha-Effekt bei mir auch so groß, weil ich diese Art von Rezepten beim Lesen nicht „vorschmecken“ kann. Während das Lesen von europäischen Rezepten mir regelmäßig das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt und ich in der Lage bin, mir z.B. die Kombination von Birne und Basilikum vorzustellen, auch wenn ich sie noch nicht gekostet habe, ist das bei den Currys nicht der Fall. Zu viele Aromen, mit denen ich nicht schon in der Kindheit vertraut gemacht wurde. Umso größer dann die Freude beim Geruch der röstenden oder zerkleinerten Gewürze und das Staunen beim ersten Gabelhappen.

Atul Kochhar ist der erste indische Koch, dessen Restaurants Michelin-Sterne erhielten. Mittlerweile betreibt er drei Restaurants und hat drei Bücher veröffentlicht, und seine erstaunliche Karriere erklärt sich sicher nicht nur mit Begabung. Er widmet das Buch seiner Mutter unter anderem mit diesem Zitat von ihr: „Erfolg ohne Anstrengung ist völlig nutzlos“. Hätte ich eher unter protestantischer Ethik gebucht.

kochbuch-atul-kochhar-currys-engl-org-cover-valentinasOb seine Rezepte einem Vertreter der jeweiligen Region als authentisch genug erscheinen würden, kann ich nicht beurteilen. Mein Eindruck ist, dass Atul versucht, sich das aromatische Grundkonzept eines Gerichts anzueignen und dann das Rezept zur persönlichen Perfektion zu bringen. Er scheint damit nicht nur meinen Geschmack zu treffen, denn auch die mir verfügbaren Rezensionen seiner anderen Kochbücher sind sich bei allen Kritteleien in einem einig: es schmeckt! (Links: Originalcover)

Das große, farbenprächtige Buch – sehr schön – gliedert nicht etwa nach Regionen, sondern nach Zutaten: Fisch, Huhn, Ente & Gans, Wild, Lamm & Ziege, Schwein, Rind, Gemüse. Einmal quer durch die Fauna, dazu gehören dann auch Bison, Rebhuhn, Taube, Gnu, Gazelle und Wildschwein. Keine Angst, Alternativen werden angeboten, sollte die Gnu-Haxe gerade mal wieder aus sein. Ich finde ja prinzipiell alles bereichernd, was über das ewige Einerlei von Rinderfilet und Hühnerbrust hinausgeht. Nur der Anteil an Gemüsegerichten kommt mir etwas zu kurz und wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es öfter mal ein Hinweis wie „dieses Gericht schmeckt auch lecker mit Auberginen/Blumenkohl etc. statt mit dem Fleisch“. Werde ich wohl einfach mal ausprobieren.

Die Zuordnung nach Regionen kann man im Register nachschlagen. Sehr hilfreich, wenn man z.B. 200 g Kroeung, die kambodschanische Gewürzpaste, zubereitet hat und nur die Hälfte für das gewählte Gericht braucht. Die Pasten lassen sich alle auch einfrieren. Etwa zu jedem zweiten Gericht gibt es ein Foto, appetitlich und realistisch angerichtet. Dem Thema entsprechend sind alle Rezepte Hauptgerichte, nur unter den Gemüserezepten finden sich einige, die sich als Beilage eignen, wie Scharfer Wasserspinat oder die Scharfen roten Beete.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ich mir auch Atuls zwei andere Werke zulegen werde: Die neue indische Küche und Fish, Indian Style . Ich habe den Eindruck, dass diesem Koch noch zu wenig mediale Aufmerksamkeit zuteil wurde, jedenfalls bei uns. Daher an die Leser: Buch kaufen! Und an die Verlage: auch das dritte Buch übersetzen!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2014

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