Kochbuch von Athena Calderone: Cook Beautiful

Kochbuch von Athena Calderone: Cook Beautiful ★★★★★

Cook Beautiful – Einfach schöner
kochen für Freunde und Familie
Athena Calderone, Fotos: Johnny Miller
Knesebeck Verlag (2019)

Christiane Schwert

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Und wieder ein Kochbuch von einer Foodbloggerin. Allerdings kannte ich die Amerikanerin Athena Calderone bisher gar nicht. Sie betreibt, wie ich nun weiß, mit einigem Erfolg den Blog „EyeSwoon“. Und scheint – folgt man der Kurzbiografie im Buch – das reinste kreative Wunderkind zu sein: früher Model, nun Innenarchitektin, Designerin und Köchin. Na dann. Schauen wir mal.

Zugegeben: Der Titel „Cook Beautiful“ irritiert mich zunächst. Ja klar, auch ich mag es, wenn es appetitlich ausschaut, aber sollte es nicht hauptsächlich gut schmecken? Das Auge isst mit, keine Frage. Und eine schön gedeckte Tafel ist sicher einladend, aber doch kein Lebensinhalt.

Athena Calderones (Foto links) erklärtes Ziel jedoch in all ihren beruflichen Tätigkeitsfeldern ist „die Erschaffung von Schönheit“, und schon beim Lebensmitteleinkauf leitet sie laut Vorwort „der ästhetische Blick“. Ihre Suche nach kreativer Beschäftigung schlug sich zunächst in verschiedenen Bereichen nieder, um schließlich im Kochen, Bekochen und dazugehörigen Dekorieren/Anrichten einen Platz zu finden.

Eine Bilderbuch-Lifestyle-Vita

Ihre Kurzbiografie liest sich als Aneinanderreihung von kulinarischen Höhepunkten, erfüllendem Gärtnern, harmonischem Familienleben und befriedigenden saisonalen Einkäufen auf Bauernmärkten – natürlich im Einklang mit der Natur. Diesen Eindruck verstärken die ach so lieblich-schönen über das Buch verstreuten Fotos der Autorin – etwa beim gemütlichen Erbsenpalen (hat das jemand schon mal im Schneidersitz und in weißer Bluse gemacht? Nun ja, vielleicht bin ich da einfach etwas spröde …) oder besinnlichem Apfelschälen auf Steinmauer. Puh. Mir ist das fast ein bisschen zu schön und perfekt. Mal sehen, was die Rezepte bringen.

Das Buch ist in vier jahreszeitliche Kapitel gegliedert, die jeweils mit einer Fotografie der jeweiligen Saisonprodukte eröffnet werden plus einer persönlichen (pathetisch-überschwänglichen) Einleitung. Am Ende der Kapitel findet sich ein Gestaltungsvorschlag (jedoch kein Menüvorschlag …) für eine saisonal dekorierte Tafel. Die sind bestimmt hübsch, treffen aber nicht immer meinen Geschmack.

Alle Gerichte sind bebildert und in der Tat auch schön anzuschauen, aber – ich bin erleichtert – überhaupt nicht perfekt arrangiert, sondern definitiv im Bereich des Machbaren. Ganz fokussiert auf das eigentliche Gericht und einige wenige Accessoires. Denn das Ästhetik-Diktat beeinträchtigt glücklicherweise nicht die Direktheit und Einfachheit der Rezepte. Und zum Glück gilt es im Calderonschen Ästhetik-Universum auch als schick, die Frittata in der Pfanne und den Kuchen in der Form zu servieren.

Und lasse ich den ganzen Ästhetik-Überbau mal außen vor, packt mich direkt die Nachkoch-Lust. Ich starte, eher durch Zufall, weil es eben zur Saison passt, mit Radieschen und grünem Spargel aus dem Ofen, und bin „Bäm!“ sofort begeistert! Wer hätte das gedacht? Super simpel und super köstlich.

Ja gibt’s denn so was!?

Und so geht es munter weiter. Die Zucchini-Schafskäse-Rösti sind so lecker, dass ich sie schon mehrmals vorm Beenden der Rezension nachgekocht habe. Die Zubereitung ist stets gut für die einzelnen Komponenten beschrieben und die Zutatenlisten sind meist übersichtlich. Frische Kräuter, Zitrone und Chilischoten sind immer wiederkehrende Ingredienzien der mediterran angehauchten Rezepte. Und ich merke schnell: Ja, das sind starke, überzeugende Komponenten.

Die Bandbreite ist groß, von allem ist etwas dabei: Salat mit Tomaten und Erdbeeren, Rippchen mit Selleriepüree oder Blumenkohlsuppe mit Dukkah, Pasta mit Radicchio und Guanciale, aber auch Desserts wie gegrillte Pflaumen mit Pistazienkrokant oder Limetten-Himbeer-Tarte. Dabei wird immer wieder gern gegrillt, nicht nur Fleisch oder Fisch, sondern auch Gemüse wie Chicorée mit Knoblauch-Kapern-Sauce. Ach, die Nachkochliste ist immer noch lang …

Zum Weiterlesen

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Bei den Notizen, die ich zu den nachgekochten Rezepten mache, häufen sich mehr und mehr Ausrufezeichen. Ja gibt’s denn so was!? So viele Rezepte und gar keine Flops? Ästhetik hin oder her, und natürlich habe ich nicht das ganze Buch durchgekocht, aber bisher war alles (!) von zuverlässiger Qualität, oft sogar sehr gut! Ich würde alles direkt noch einmal kochen! Keine Einschränkungen!

Und mag ich es nicht eigentlich auch, wenn es appetitlich ausschaut und hübsch angerichtet ist? Und es stimmt, eigentlich gibt es dazu in anderen Büchern selten Tipps. Vielleicht ist ja einfach auch nur die Übersetzung schuld, dass alles etwas überkandidelt rüberkommt …

Am Ende fällt mein Urteil nicht nur milde, sondern eigentlich ziemlich begeistert aus – denn lasse ich das ganze Ästhetik-Bums mal außen vor, kann ich mich einfach über die vielen grandiosen Rezepte dieses Buches richtig freuen. Und auch Calderones Ästhetik-Anspruch für mich so ummünzen, dass in der Erschaffung von Schönheit eben auch eine Wertschätzung von Produkt, Gast und Augenblick liegt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2019

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