Kochbuch von Ariana Bundy: Pomegranates and Roses

Kochbuch von Ariana Bundy: Pomegranates and Roses ★★★★☆

Pomegranates and Roses

My Persian Family Recipes
Ariana Bundy, Fotos Lisa Lindner
Simon & Schuster (2012)

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Granatapfel und Rosen – hat jemand eine Idee, in welche zauberhafte Landesküche Ariana Bundy uns entführen will? Richtig – in den Iran geht die Reise!

Mir geht es wie vermutlich den meisten Deutschen ohne familiäre Bezüge zum Iran – ich war noch nie dort, kenne es nur aus den Nachrichten. Leider. Meine Neugier auf dieses riesige, geschichtsträchtige, an Kulturgütern so reiche Land und die Menschen dort ist groß, und ich hoffe sehr, dass sich die Vorzeichen bald drehen. Als kleiner Vorgeschmack freue ich mich auf eine Reise mit Ariana Bundy in die Küche ihrer persischen Familie.

Ariana Bundys Vita zeugt von einem bewegten Leben auf internationalem Parkett: Geboren im Iran, aufgewachsen in der Schweiz, London und New York, Ausbildung zur Köchin in Paris; nach Stationen in Los Angeles und London lebt sie heute in Dubai und Paris. Iranische Gerichte sind ihr dank ihrer Mutter von Kindesbeinen vertraut, aber erst als Profiköchin und Kochbuchautorin greift sie endlich auch selbst zum Kochlöffel und reist um die Welt, um diese Sammlung von Familienrezepten und persischen Spezereien zusammenzustellen. Belohnt wurde sie dafür mit einer Nominierung für den Gourmand World Cookbook Award 2012.

Opulent, ja ein bisschen kitschig aufgemacht ist das Buch, in Glutrot, Silber und Gold, geschmückt mit Rosenblättern, kunstvollen kalligraphischen Schriftzügen und orientalischen Ornamenten. Rezeptfotos, arrangierten Stillleben und Portraits von Familienmitgliedern, dazu Erinnerungen an höfische Etikette und Sommerfrische am Kaspischen Meer – keinerlei Impressionen aus dem heutigen Iran “trüben“ das traumhafte Bild vergangener Tage. Mein erster Eindruck ist verzückt, aber zugleich seltsam unscharf.

Vorweg stellt Ariana Bundy einige Vorbemerkungen zu den wichtigsten Lebensmitteln der iranischen Küche und ihrer typischen Verwendung. Sehr lesenswert fand ich ihre Einführung in das Prinzip Unani, das Prinzip der „kalten“ und „warmen“ Lebensmittel, das die iranische Küche durchdringt. Nicht die Temperatur ist gemeint, sondern die beruhigende oder anregende Wirkung, die es auszubalancieren gilt. Solche Prinzipien hätte ich bisher eher in der chinesischen oder ayurvedischen Küche verortet. Die Liste „kalter“ (Granatapfel – Rind – Linsen – Kaffee) und „warmer“ Lebensmittel (Apfel – Huhn – Kichererbsen – Tee) bot uns anregenden Diskussionsstoff.

Die Auswahl der Rezeptfotos erscheint mir an einigen Stellen etwas holprig. Einige sind zum Anbeißen lecker, bei anderen beschränkt sich das Foto auf ein, zwei Zutaten. Warum etwa bei der slow-cooked lentil soup ausgerechnet eine einsame, nackte Zwiebel als Motiv gewählt wurde, ist mir rätselhaft. Bei der egg-drop soup ist es gar nur eine unbenutzte silberne Suppenkelle, die mich ratlos anblickt – da läuft mir nicht das Wasser im Mund zusammen, sondern mein Magen knurrt! Auch das wiederkehrende Blattgold – sogar auf einem tiefbraunen Schmortopf! – würde ich am liebsten sofort herausfischen wie ein verirrtes Stück Alufolie.

Genug geblättert – auf geht’s zum Nachkochen. Für den Einstieg entscheide mich für Taadig-Reis, den ich schon länger auf meiner Wunschliste habe, dazu Lamm-Kebap und Gurken-Tomaten-Salat. Die wenigen Zutaten sind schnell besorgt, aber bei der Zubereitung sind Geduld und handwerkliche Sorgfalt gefragt. Der Reis wird mindestens fünfmal gespült und mindestens zwei Stunden eingeweicht, das Lammhack wird so lange geknetet, bis es weißlich und butterweich ist. Diese Hinwendung zum Detail zahlt sich aus – erstaunlich, was man aus dem ohnehin leckeren Essen noch herausholen kann! Ein perfektes Sommer-Balkon-Essen, bei dem kein klitzekleines Krümelchen übrig bleibt.

Dies war kein Zufallstreffer, wie die weiteren Testkandidaten bestätigen. Die Zutatenlisten waren durchgehend kurz, die Anleitungen dafür umso ausführlicher, lediglich ein übersichtlicheres Schriftbild hätte ich mir gewünscht, um nicht dauernd den Überblick zu verlieren. Adriana Bundy verzichtet auf allzu schematische Anweisungen, dafür gibt sie ausführliche Hinweise, worauf ich achten muss, und führt so zu sicheren Ergebnissen und auch einigen echten Überraschungen (… ich sag nur Reisnudel-Limetten-Granita…).

Mein Fazit: Als Einstieg in die berühmte Küche des Iran ist das mit viel Herzblut und sehr persönlich gestaltete Buch absolut empfehlenswert – und auch für Entdeckerinnen, die gerne nach besonderen kleinen Fundstücken jagen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2014

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