Kochbuch von Aran Goyoaga: Familienrezepte glutenfrei – pikant und süß

Kochbuch von Aran Goyoaga: Familienrezepte glutenfrei – pikant und süß ★★★★★

Familienrezepte glutenfrei – pikant und süß
Aran Goyoaga
AT Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Heike Dölling

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Jetzt bin ich ein Mehlwurm! Auch Quinoa, Amarant, Buchweizen, Chiasamen und Hirse bereichern meine Küche, aber nicht alles, was gesund ist, schmeckt, oder? Mal sehen was Aran Goyoaga, eine Bloggerin mit Herzblut, ein Multitalent, die es im großen Reich der – Foodies weit gebracht hat, dazu schreibt. „Familienrezepte glutenfrei pikant und süß“ ich war sehr gespannt auf das erste Buch dieser erfolgreichen Frau, auch oder vielleicht gerade – unter dem Aspekt, dass es glutenfreie Küche beinhaltet.

Großgeworden in einem kleinen baskischen Dorf nahe der spanisch-französischen Grenze, wollte Aran Goyoaga bereits als Kind immer wieder in die Küche. Ihre Großeltern mütterlicherseits hatten eine Konditorei. Ein magischer Ort, an dem sich das ganze Dorf traf, so schreibt sie. Hier spielte das Essen die Hauptrolle, und jeden Tag stand ein Topf Milch mit Zimt und Vanille auf dem Herd.

Aran Goyoaga studierte dann aber erstmal Wirtschaftswissenschaften, 1998 ging sie in die Vereinigten Staaten der Liebe wegen. Vielleicht war es Heimweh, der Duft der Kindheit, den sie in ihrem neuen Leben vermisste, denn bald besuchte sie dort eine Kochschule, weil sie merkte, dass Kochen für sie mehr als ein Hobby war. Es folgten drei intensive, kreative Jahre in der Pâtisserie des Ritz-Carlton Palm Beach: „Ich lebte und atmete Mehl, Butter, Zucker, ein Traum war Wirklichkeit geworden“. Nach der Geburt ihres Sohnes kündigte sie und startete 2008 mit ihrem Blog „Cannelle et Vanille“. Nach der Geburt ihrer Tochter 2009 wurde Aran Goyoaga sehr krank. Man stellte bei ihr eine Glutenintoleranz und später auch bei ihrem Sohn fest: Kulinarisch ein Wendepunkt in ihrem Leben. Ihre Küche wurde zur glutenfreien Zone und der Zuspruch auf ihrem Blog, dem Spiegel ihres Lebens, nahm rasant zu. Sie konzentrierte sich ganz auf das Neue – ohne Kompromisse in Sachen Aroma und Textur. Sie probierte und passte die meisten ihrer Lieblingsgerichte entsprechend an.

Uns verrät Aran Goyoaga 120 Rezepte, gegliedert in Herbst, Winter, Frühling und Sommer, jeweils unterteilt in pikant und süß. Nach einer persönlichen Einleitung erklärt sie den Umgang mit Teig, erläutert glutenfreie Zutaten wie Mehle, Stärke, Bindemittel und was sie sonst so nutzt. Sie schildert uns ihre Küchenausstattung, nennt Bezugsquellen (sinnvoll, denn einige Produkte sind schwer zu bekommen), und zum Schluss gibt es nach Danksagungen noch ein ordentliches Rezeptverzeichnis.

cover-aran-goyoaga-familienrezepte-glutenfrei-valentinas-insideLeider ist der Titel der deutschen Ausgabe „Familienrezepte glutenfrei“ irreführend. Meiner Meinung nach passt der englische Titel „Small Plates & Sweet Treats“ wesentlich besser zu dem Ursprung ihrer kulinarischen Ausrichtung. Sonntags türmte sich in ihrer alten baskischen Heimat eine köstliche Auswahl an kleinen Speisen aus den besten Zutaten, die die Region zu bieten hatte. Frische Zutaten, einfache Methoden und viele kleine Gerichte standen auf dem Tisch: Ein Prinzip, das tief in der baskischen Kultur verwurzelt ist. Mir fehlten jedoch Vorschläge, einzelne Gerichte zu kombinieren. So kommen ihre Rezepte daher wie loose Perlen aneinander gereiht, zart, luftig und sehr appetitlich. Alle Gerichte werden von einer kleinen Geschichte eingeleitet und durch ein Foto in Szene gesetzt. Das Foodstyling ist einfach göttlich: Ihr Fundus an Schalen, Tellerchen und wunderschönen Küchenaccessoires scheint unerschöpflich zu sein.

Es lohnt sich, aus ihrem Buch zu kochen. Alles ist gut und alltagstauglich beschrieben, Tipps, Variationen, Hausgemachtes sind inklusive. Jedes Gericht ist in der Zusammenstellung geschmacklich reizvoll, ohne hochkompliziert zu sein: Geschmorter Rosenkohl mit schwarzem Quinoa, Birnen und knusprigen Chorizo, kalte Tomatensuppe mit Wassermelone und Mandeln. Anfangs stolperte ich über die pitzi-kleinen Portionen und Mengenangaben. Zum Beispiel beim Sonntagseintopf, der nebenbei ganz köstlich war, der aber nie und nimmer für meine Familie gereicht hätte. 1,2 kg Rinderschulter, ½ grüne Paprika, 4 mittelgroße Karotten und 2 mittelgroße Kartoffeln sind als Hauptzutaten für 6 Personen im Rezept angegeben. Hatte ich meinen gesunden Köchinnen-Verstand erstmal darauf eingestellt, war die Welt beim Ausprobieren und Nachkochen für mich wieder in Ordnung. Bei den Rezepten rund um Teig war oft skeptisch, doch die Autorin versteht ihr Handwerk, und ich war mit dem Ergebnis zufrieden. Die Pâtisserie ist ganz klar ihre liebste Spielwiese, ihr Lehrmeister ein Franzose: Macarons, Financiers mit Pistazien und Himbeeren, Buchweizengalette mit Sommerbeeren, flüssiges Schokoladensoufflé mit Roter Beete und Mandelbutter. Ob ich mich trauen soll, diese Köstlichkeiten nachzukochen? Und ob, ich werde es versuchen.

Es gibt noch viel zu entdecken in diesem schönen Buch. Eigentlich wollte ich es verschenken, aber bisher habe ich nur die ISBN-Nr. und Rezepte weiter gegeben. Was mir am besten gefällt ist, dass es kein „Du darfst nicht“-Buch ist, sondern ein wunderschönes Kochbuch für Genussmenschen – persönlich, kreativ, edel, glutenfrei. Hier wird nicht verzichtet. Eine erfreulich positive Einstellung, die mir gefällt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2014

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