Kochbuch von Anthony Bourdain: So koche ich

Kochbuch von Anthony Bourdain: So koche ich ★★★★☆

So koche ich
Anthony Bourdain
Karl Blessing Verlag (2004)

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Im Winter 2004 habe ich dieses Buch einige Male in der Hand gehalten und auf den Bücherstapel zurück gelegt: Sein gesamtes Erscheinungsbild unterschied sich so deutlich von den sonstigen Publikationen. Wilde Illustrationen (Totenkopf mit Messer), Bilder von schuftenden Männern in der Hitze, raues schweres Papier, das einiges erträgt, sehr plakatives Seitenlayout: Wer ist dieser Typ? Ich habe es an einem Abend mit hungrigem Magen in einer überfüllten Bahnhofsbuchhandlung gekauft. Den Hunger habe ich auf der Rückfahrt vergessen … 

Das Kochbuch enthält 72 Seiten für Suppen, Salate, Kartoffeln, Beilagen, Desserts und anderes Nützliches. Dazu gibt es 168 Seiten zu Fisch, Rindfleisch, Kalb, Lamm, Schwein, Geflügel, Blut und Innereien. Im Mittelpunkt stehen modernisierte Klassiker der französischen Küche. Die Fleischstücke und ihr unterschiedlicher Geschmack sind ein Anliegen Bourdains. Persönliche Einleitungen und Tipps zu den Rezepten verleihen den Gerichten eine Story. Neben den Zutaten wird auch die Ausrüstung (scharfes Messer!) angegeben. Die Kochanweisung ist aufgeteilt nach Vorbereiten, Zubereiten und Servieren/Finale. Der Autor versteht seinen Leser als Schüler, der ermuntert, getriezt und gelobt werden muss.

Zweifellos wäre „So koche ich“ eines meiner Lieblingsbücher: Bourdains Idee vom Kochen ist kompromisslos. Die Gerichte sind einfach und direkt. Er hat ein gutes Gespür für Inszenierung und Dramaturgie. Und das transportiert das Buch in jeder Hinsicht! Dabei hat es einen hohen Unterhaltungswert. Zu Kochen, ohne einen Bordeaux zu trinken, das geht eigentlich nicht. Aber: Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Kochbuch mit „heißer Nadel“ gestrickt worden ist. Einige Rezepte sind offensichtlich nicht erprobt worden, hier und da fehlen Zutaten (siehe unten). Verschärft wird das zweifellos durch eine Übersetzung, die in jedem Fall den amerikanischen Touch bewahren wollte und weniger an die Nachkochenden dachte: Die Maßeinheit „Tasse“ („cup“) wurde stoisch beibehalten, statt die deutsche Menge anzugeben. Definitiv „nervig“ sind die Steak-Angaben. Hier hätte ich mir eine Hilfestellung im Hinblick auf die deutschen Alternativen für die französischen Fleischstücke bzw. ihre englische Ausdrücke gewünscht: Mein Metzger hat mich beim „Metzgerfilet“ (Anm.: aus dem Rinderzwerchfell) verzweifelt angeblickt und ich konnte nur verzweifelt zurückblicken. Wie hätte er auf meine Frage nach New-York-Strip-Steaks reagiert? (Die Website USA-kulinarisch.de hilft da weiter. Zur Website.)

Anthony BourdainMEHR VON ANTHONY: Mit viel Vergnügen habe ich sein Buch Geständnisse eines Küchenchefs gelesen, das sehr unterhaltsam und witzig ist. Bourdain vermittelt plastisch, wie eine Restaurant-Küche funktionieren kann, umrahmt von seinem wilden Leben. Dabei verlässt ihn nie sein Humor, schon gar nicht, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen (nur das letzte Kapitel – seine kulinarischen Erlebnisse in Asien – fand ich nett, aber langatmig.) Seitdem gehe ich Montags nie in ein Restaurant essen, sondern am liebsten Donnerstags.

Anthony BourdainMEHR VON ANTHONY: Anthony Bourdain hat viele weiterer Bücher geschrieben, auch Krimis. Ein Küchenchef reist um die Welt: Auf der Jagd nach dem vollkommenen Genuss gehört zu seinen ersten Veröffentlichungen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2008

1 Kommentare

  1. mischa reska

    Hilfreich. Aber das Fenchel Tomatensuppenrezept hätte ich jetzt doch gern 🙂

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