Kochbuch von Annie Rigg: Sommerbeeren & Herbstfrüchte

Kochbuch von Annie Rigg: Sommerbeeren & Herbstfrüchte ★★★★★

Sommerbeeren & Herbstfrüchte – 120 erfrischend
süße & pikante Rezepte für jede Jahreszeit
Annie Rigg
Fotos Tara Fisher
Knesebeck Verlag (2016)

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Das Thermometer klettert, auf dem Wochenmarkt gibt’s Erdbeeren, Kirschen und Himbeeren in köstlichem Überfluss – es ist Sommer. Nichts geht über frisch gepflückte Früchte, am besten gleich vom Strauch in den Mund. Oder was kann man sonst noch damit anstellen?

Bei frischen Früchten bin ich nicht wählerisch – im Gegenteil. Wenn ich sie nicht gerade pur esse, mag ich sie auch als Süßspeise, im Salat, zum Müsli, in Kombinationen mit einem herzhaften Stück Fleisch oder Fisch, mit Kräutern und Gewürzen, egal. Neue Ideen sind da immer willkommen. Da liegt es nahe, in diesem Sommer in Annie Riggs Sommerbeeren und Herbstfrüchte nach Inspiration zu suchen.

Klassisch-edel kommt das Buch daher, großformatig, mit Fadenbindung, wertigem Papier und viel Weiß. Die Fotos wirken klar und aufgeräumt, das Essen sauber angerichtet – ausschließlich menschenleere Food-Fotos, keine lässigen Picknickgelage in malerischen Obstgärten und an Badeseen, wie wir es in den letzten Jahren in vielen Sommer-Büchern gesehen haben.

Rezepte auch für die Wintermonate

Fünf Kapitel gibt’s: Beeren, Feigen & Rhabarber, Steinobst, Kernobst – und Tropische Früchte und Zitrusfrüchte. Die beiden Letztgenannten irritieren mich, ich hatte mir unter „Sommerbeeren und Herbstfrüchte“ eher Regionales und Saisonales vorgestellt. Andererseits sind Mango, Ananas und Konsorten ja tatsächlich auch hierzulande vom sommerlichen Speiseplan kaum wegzudenken, und wenn ich mir mit ihnen den Sommer ein bisschen in die hiesigen Wintermonate verlängern kann, ist es mir auch nur recht.

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Die Auswahl ist breit, es gibt Salate und Getränke, Kuchen, Müsli, Pudding, Eis und Marmelade, Süßes und auch Herzhaftes mit Fleisch und Fisch. Nicht bei allen Rezepten spielen Beeren und Früchte eine tragende Rolle, ja manchmal lässt Annie Rigg gar nur noch eine Aromanote übrig, etwa bei „Marshmallows mit Passionsfrucht-Brausepulver“.

Aufs Kuchenbacken habe ich in der frühsommerlichen Hitze keine große Lust, also stürze ich mich eher auf die Salate und die kleinen Mahlzeiten. Gleich der erste Anlauf, ein Salat mit Pfirsichen und Büffelmozzarella, ist ein Gedicht, was nicht nur den köstlichen Hauptzutaten zu verdanken ist, sondern mit einem raffinierten Pesto eindeutig auch Annie Riggs Handschrift trägt.

Ein Profi am Werk

Weiter geht’s, quer durch den Obstgarten, und mein Bild wird immer klarer: Hier ist eine Profi-Autorin am Werk, die ihre real existierenden Leserinnen und Leser niemals aus den Augen verliert! Ihre Angaben sind präzise, aber nicht penibel. Selbst sehr umfangreiche Rezepte sind übersichtlich auf höchstens einer Doppelseite dargestellt. Die Zubereitungsschritte sind klar und logisch aufgebaut, wichtige Informationen gehen nicht in geschwätzigen Erläuterungen unter, das Timing ist immer stimmig. Mit Querverweisen ist sie äußerst sparsam, auf „Grundrezepte“ und die lästigen Umrechnereien verzichtet sie völlig. Benötigte Utensilien und Gerätschaften sind extra aufgelistet, so gibt es keine unliebsamen Überraschungen. Lauter Kleinigkeiten, bei denen ich mich als Leserin gut aufgehoben fühle.

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Und das Wichtigste: Auch geschmacklich hat Annie Riggs (links ein Foto der Autorin) ein sicheres Händchen. Alles schmeckte, es gab keinen Fehltritt, und ein paar echte Highlights – eine Blitz-Tarte mit Feigen, köstliche Kirsch-Lammköfte mit eingelegten Zwiebeln – waren auch dabei. Vieles ist eher klassisch, einiges durchaus raffiniert, aber immer eher unaufdringlich, niemals laut.

So sachlich sie ihre Rezepte präsentiert, so zurückgenommen bleibt sie auch, was ihre Person betrifft. Sie schreibt in der Ich-Form, streut auch hier und da ein paar Familienanekdoten und kulinarische Geständnisse ein, aber mehr auch nicht. Ich finde, dagegen ist grundsätzlich rein gar nichts einzuwenden – Bücher von Bloggern, Fernsehköchen und anderen Prominenten gibt’s genug – aber so ganz ohne ein einziges Foto, ohne auch nur einen kleinen Klappentext zum Werdegang, da fehlte mir persönlich ein Anhaltspunkt, um irgendwo anzudocken und mich mit ihr „anzufreunden“.

So dachte ich jedenfalls am Anfang – und ich habe meine Meinung revidiert, mit jedem Rezept ein bisschen mehr. Ich bin jetzt Fan. Wer auch immer Annie Rigg ist, sie schreibt überzeugende Kochbücher.

Ein wunderbares, wertiges Kochbuch mit vielen guten Ideen und Rezepten mit Gelinggarantie. Im Regal und in der Küche eine Bereicherung. Außerdem eine Augenweide.

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Veröffentlicht im August 2016

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