Kochbuch von Annemarie Wildeisen und Florina Manz: Lauter Lieblingsdesserts

Kochbuch von Annemarie Wildeisen und Florina Manz: Lauter Lieblingsdesserts ★★★★★

Lauter Lieblingsdesserts
Annemarie Wildeisen & Florina Manz
Fotos Andreas Fahrni, AT-Verlag (2009)
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Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Meine Mutter ist eine begnadete Köchin. Kochen wir zusammen, so steht am Anfang die Frage: „Wie würdest Du das machen?“ Wir stehen in der Küche am Herd und erzählen unsere Rezeptideen. Anschließend diskutieren wir über die voneinander abweichenden Vorgehensweisen, über das Warum und Wieso. Am Ende steht ein Kompromiss, der nicht nur das beste Ergebnis beabsichtigt, sondern auch von weiteren Motiven beeinflusst wird: Ich bin erpicht auf die Erfahrungen meiner Mutter und sie ist gespannt auf neue kulinarische Raffinessen.

Ein echtes Mutter-Tochter-Projekt ist das Kochbuch Lauter Lieblingsdesserts von Annemarie Wildeisen (Foto links) und Florina Manz (Foto unten). Annemarie Wildeisen ist eine bekannte Food-Journalistin aus der Schweiz, die als Chefredakteurin die Zeitschrift Kochen herausgibt. Ihre Tochter Florina Manz ist gelernte Köchin und Konditorin, die ein Restaurant in Bern führt. Eine Zusammenarbeit für ein Buch gewinnt nochmal eine ganz andere Dynamik als das gemeinsame Kochen – das beschreibt Annemarie Wildeisen in ihrem Vorwort.

Ein Kombination, die Diskussionen verursacht

„… Dass diese (Anm: Mutter-Tochter) Kombination auch Konfliktstoff in sich birgt, liegt auf der Hand; sie inspiriert und beflügelt aber gleichzeitig ebenso, weil es wohl leichter ist, (selbst heftige) Kritik zu ertragen, wenn man sich spätestens vor dem gemeinsamen Genießen wieder umarmen kann… Und diese Konfliktbereitschaft prägt auch das vorliegende Buch: Sie nahm ihren Anfang in einer Ferien-Woche im Tessin mit äußerst lebhaften Diskussionen beim Zusammenstellen der Rezepte, die Fortsetzung wurde beim Ausarbeiten, Probe- und Fotokochen manchmal recht stürmisch geführt und kam schliesslich … zu einem harmonischen Ende.“

Das Buch der beiden Schweizerinnen widmet sich den süßen Genüssen. Fünf Kapitel gliedern das Buch: 1. Creme, Sabayon und Mousse, 2. Pudding, Flan und Terrine, 3. Warme Desserts, 4. Glace, Parfait, Sorbet und Granité, 5. Früchte in der Hauptrolle. Dabei sind Klassiker wie die Bavaroise oder Crepes Suzette und neue Rezepte wie Honig-Limonen-Mousse oder gebratene Ananas mit Rosmarin. Jedes Rezept ist bebildert. Mehr als ein Dutzend aufwendiger Rezept werden zusätzlich mit vier Schritt-für-Schritt-Fotos erläutert (z. B. Vanillecreme mit Schnee-Eiern). Die Zutaten sind den Bedürfnissen für Homecooks angepasst: Es finden sich keine speziellen Patisserie-Zutaten: Die Nahrungsmittel sind einfach im Bezug. Dafür sind alkoholische Getränke häufiger dabei. Die Zubereitung wird sehr strukturiert und übersichtlich angeleitet. Abgerundet werden sie mit je einem Kommentar von Annemarie und Florina zu Variationen, Tipps und Abwandlung bei Kindern.

Nützliche Kommentare

Das Buch Lauter Lieblingsdesserts ist superb! Die Zusammenarbeit der Mutter und Tochter hat besondere “Früchte” getragen. Beim Nachkochen gefiel mir, dass es sich um echte Homecooking-Rezepte handelt (mit wenigen Ausnahmen): Die Zutaten sind übersichtlich. (Die alkoholischen Zugaben mitunter habe ich beiseite gelassen.) Es werden keine komplexen Aromenwelten der „Sterneküche“ aufgefahren. Kochnovizen und erfahrene Hasen finden hier ihre Inspiration.

Klasse fand ich vor allem die äußerst genauen Zubereitungsanleitungen und raffinierten Details: Hier habe ich viel gelernt. Das i-Tüpfelchen sind die Kommentare der Autorinnen: Nicht nur, dass sie dem Buch Lebendigkeit einhauchen, sondern hier sammeln sich wissenswerte Details, die zwei Köchinnen nebenbei aus dem Ärmel schütteln, aber häufig in Büchern nicht ihren Platz finden. (Diese Art der Kommentare sind der einzige Grund, warum ich Kochsendungen anschaue.)

Was mir nicht gefällt – das war auch der Grund, warum ich das Buch zunächst übersehen habe – sind die Fotos und das Layout. In meinen Augen geben sie nicht wieder, dass es sich hier um ein Kochbuch für Homecooks handelt. Das Erscheinungsbild ist kühl, perfekt und etwas statisch – eine ästhetische Sprache, die ich sofort der Restaurantküche zuordne. Lebendig, warm und leger – das sind die Eigenschaften, die die Rezeptsammlung für mich passend wieder gegeben hätten. Das Format und die Übersichtlichkeit der Seitengestaltung sagt mir dagegen sehr zu.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2009

2 Kommentare

  1. Katharina

    Gute Idee! Jetzt startet die Erdbeer-Saison gerade!

  2. besserEssen

    Wir haben das Buch geschenkt bekommen – und sind auch sehr angetan. Vor allem die (kurzen) netten Kommentare von Muttern und Tochter machen Spaß. Probiert haben wir bisher nur das Erdbeergratin: War lecker.

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